the zero boys (nico mastorakis, usa 1986)

Veröffentlicht: Mai 30, 2010 in Film
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Die „Zero Boys“, eine dreiköpfige Gruppe Gotcha-spielender Wochenendsoldaten um den obercoolen Steve (Daniel Hirsch), begibt sich nach gewonnenem Turnier mit den Freundinnen in die kalifornischen Berge, um den Sieg bei Dosenbier und Fummeln gebührend zu feiern. Doch statt eines lustigen Abends steht ihnen eine absolute Schreckensnacht bevor, als sie die Aufmerksamkeit zweier sadistischer Hinterwäldler auf sich ziehen, die in ihrer Scheune Snuff-Filme zur Stillung ihrer perversen Bedürfnisse drehen …

Wie fast alle Filme, die der griechische Regisseur Mastorakis in den Achtzigerjahren drehte, zeichnet sich auch THE ZERO BOYS durch eine sehr gediegene Inszenierung aus, bei der vor allem Kameraarbeit und Lichtsetzung hervorzuheben sind, die einen beträchtlichen Teil der Spannung und Atmosphäre des Filmes ausmachen. THE ZERO BOYS sieht toll aus und tröstet damit darüber hinweg, dass er auf der Handlungsebene nur wenig spektakulär ist. An vordergründiger Gewalt und Splattereffekten war Mastorakis offensichtlich nicht interessiert: Die wenigen Szenen um die Folterkammer, in der die Snuff-Filme gedreht werden, begnügen sich mit Andeutungen und verzichten auf explizite Gewaltdarstellungen. Meines Erachtens hebt das THE ZERO BOYS gegenüber den zahllosen in Blut und Gedärm watenden Filmen seiner Zeit aber eher positiv hervor, weil es ihn trotz des modischen Gotcha-Sujets und der achtzigertypischen Optik in Beziehung zu einer älteren Horrortradition setzt, in der Schrecken durch Suggestion erzeugt wurde, statt durch gnadenloses Draufhalten.

Interessant wird THE ZERO BOYS – den ein wieder einmal erschreckend indisponierter Frank Trebbin in seinem Horrorlexikon der blöden Meinungen in Bausch und Bogen verrissen hat – neben seinem damals noch längst nicht so gegenwärtigen Snuff-Diskurs durch seine Anlehnung an den Actionfilm und die seinerzeit wieder aktuellen Vietnam-Bezüge. Gleich zu Beginn richtet der kampfbereite Steve die mahnenden Worte „Sly, eat your heart out!“ an ein RAMBO II-Szenenfoto und die aus dem Hinterhalt mit archaischen Waffen operierenden Hinterwäldler, die man erst sehr spät zu Gesicht bekommt, lassen sich durchaus als Vietcong-Repräsentanten lesen. Oder aber man interpretiert THE ZERO BOYS strukturalistisch: Dann ist er eine Kampfansage des Horrorfilms an seinen damals die Kinokassen dominierenden Konkurrenten, das Actionkino. Aber auch ohne solche Exegesen ist THE ZERO BOYS feine unprätentiöse Unterhaltung. Ich mag den Film trotz seiner letztlich etwas unspektakulären Auflösung sehr gern, zumal mich nostalgische Gefühle mit ihm verbinden: Es war nämlich der erste Film, den ich als Gebrauchtkassette in einer Videothek erstand.

Kommentare
  1. Schön, wie dein nostalgischer Retro-Exkurs immer wieder durch persönliche Erinnerungen unterbrochen wird. Meines Erachtens spielen solche, für manchen vielleicht unwichtige, Details wie „erste Videokassette“, „abgenudelte VHS-Kopie“ oder „als Kind heimlich im Fernsehen erblickt“ eine große Rolle bei der Rezeption.

  2. Oliver sagt:

    Sehe ich genauso. Und ich bin froh darüber, filmisch in einer Zeit sozialisiert worden zu sein, in der Film noch mehr Mysterium war als heute, wo man in Windeseile nicht nur über jeden Film Informationen finden, sondern diesen auch per Knopfdruck zu sich nach Hause bestellen kann. Damals war das alles noch ein ganzes Stück abenteuerlicher: Da erhielt man die xte Genration einer schon miesen Raubkopie und behandelte sie wie ein Heiligtum (Meine erste Version von EVIL DEAD war etwa schwarzweiß und vollkommen unscharf, was meine Erstbegegenung nachhaltig geprägt hat. Ich war regelrecht schockiert als ich den Film dann zum ersten Mal in besserer Qualität sah: Das war ein völlig anderer Film!), durchwühlte systematisch die Grabbeltische der Videotheken auf der Suche nach potenziellen Schätzchen oder organisierte Touren ins Nachbarland, um sich das Zeug zu beschaffen, das es bei uns nicht gab. Ich habe Unsummen für Filme in für mich vollkommen unverständlichen Fassungen ausgegeben, nur um sie endlich mal zu Gesicht zu bekommen. Das ist heute alles viel viel einfacher – was erst einmal natürlich schön ist. Die Kehrseite der Medaille: Der ideelle Wert eines Films ist dadurch leider beträchtlich gesunken.

  3. Stefan sagt:

    Ich kann bei der Kritik nur zustimmen. Mein Onkel hatte den Film damals aus der Videothek ausgeliehen und diese Szenen Nachts mit der Truhe und den Szenen auf dem Monitor in der Scheuune haben mich bis heute nicht losgelassen. Damals hatte ich bei dem Titel „nur“ an einen Actionfilm gedacht und war positiv überrascht über die vielen unheimlichen Szenen. Ich habe mir kürzlich die alte VHS gekauft, weil ich den Film einfach mal wieder sehen wollte und war nicht enttäuscht!

  4. […] kurzem hatte ich noch über Mastorakis ein Jahrzehnt später entstandenen THE ZERO BOYS geschrieben, dass der Regisseur von allzu grafischer Gewaltdarstellung absehe und eher auf die […]

  5. „Meines Erachtens hebt das THE ZERO BOYS gegenüber den zahllosen in Blut und Gedärm watenden Filmen seiner Zeit aber eher positiv hervor, weil es ihn trotz des modischen Gotcha-Sujets und der achtzigertypischen Optik in Beziehung zu einer älteren Horrortradition setzt, in der Schrecken durch Suggestion erzeugt wurde, statt durch gnadenloses Draufhalten.“

    Seh ich ähnlich, dem Film wurde außerdem hier und da auch vorgeworfen, dass die Killer so unspektakulär sind, aber gerade die Reduktion in Hinblick auf Gekröse und alberne Masken geben dem Ganzen einen weitaus realistischeren Touch und erhöhen auch die Spannung….

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