unhinged (don gronquist, usa 1982)

Veröffentlicht: Mai 30, 2010 in Film
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Auf der Fahrt zu einem Musikfestival geraten Terry (Laurel Munson) und ihre beiden Freundinnen Nancy und Gloria in ein Unwetter und kommen mit dem Wagen von der Straße ab. Als sie wieder zu Bewusstsein kommen, befinden sie sich in der Obhut von Marion Penrose (J. E. Penner), die gemeinsam mit ihrer an einen Rollstuhl gefesselten Mutter (Virginia Settle) ein riesiges viktorianisches Herrenhaus irgendwo im Nirgendwo bewohnt. Weil es vorerst keine Möglichkeit gibt, zur Außenwelt Kontakt aufzunehmen, bleiben die Mädchen bei den beiden alten Damen. Doch deren Beziehung stellt sich bald schon als sehr zerrüttet heraus …

UNHINGED ist ein eher unbeschriebenes Blatt – trotz seiner Einstufung als Video Nasty in Großbritannien hat es für den großen Kultstatus nicht gereicht – und deswegen einer der Filme, über die ich mich als Genrefreund umso mehr freue, wenn ich sie dann durch Zufall entdeckt habe. Gronquist versteht es wriklich ausgezeichnet, über die gesamte Laufzeit eine Atmosphäre des Unbehagens aufzubauen; ein Unbehagen, das nur ganz selten durch handfeste Schocks aufgebrochen und dadurch „gebannt“ werden würde. UNHINGED ist ein Film des schleichenden Grauens, der die Ahnung gaaanz langsam im Betrachter anschwillen lässt und dessen wenigen Momente der Konkretion dann konsequent durch diese eigene Vorahnung verstärkt werden. Ich habe mich jedenfalls schon lang nicht mehr so unwohl gefühlt bei der Betrachtung eines Films. Die kurzen, an sich unspektakulären Schocks haben sich wie eine eisige Klaue um mein Herz gelegt und zugedrückt.

Sehr entgegen kommt Gronquist bei dieser Strategie, die Ahnungen des Zuschauers gegen ihn arbeiten zu lassen, das imposante Setting des alten Herrenhauses, in dessen dekadent-morbide Innenräumen kein einziger Sonnenstrahl zu dringen scheint und dessen dunkle Schatten die Stimmung sexueller Repression, die die Mutter-Tochter-Beziehung der Penrose-Damen bestimmt, beinah greifbar machen. Der expressive Synthie-Score beschwört in Verbindung mit melancholischen klassischen Stücken das Unheil herauf, das man als Zuschauer zwar von Anfang an kommen sieht – man befindet sich schließlich in einem Horrorfilm –, über dessen genaue Konturen aber lange Unklarheit bestehen bleibt. Zwar hatte ich gegen Ende schon eine Idee, woher der Wind weht, doch als sich dieser Verdacht im niederschmetternden Finale schließlich bestätigte, war das keine Erleichterung. Der Finaltwist entfaltet sich mit solcher Drastik, dass es mich sprichwörtlich ins Sitzmöbel genagelt hat – auch weil er in hartem Kontrast zum ruhigen, an eher klassische Schauerstücke erinnernden Aufbau des Films steht, der einen solchen Ausbruch der Gewalt eigentlich nicht erwarten lässt.

Es ist dieses schlicht und ergreifend perfekte Ende, das aus einem sehr guten einen ausgezeichneten Film macht und die dringende Frage aufwirft, warum diesem famosen Schocker nicht der Ruf zukommt, den er verdient. Für Gronquist tut es mir Leid (er machte nur noch einen Film: 13 lange Jahre nach diesem Debüt), aber als Horrrofreund kann man sich über eine zu entdeckende Perle freuen, die man nicht mit Horden von Vollhonks teilen muss.

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