rovdyr (patrik syversen, norwegen 2008)

Veröffentlicht: Juni 4, 2010 in Film
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Camilla (Henriette Bruusgaard), ihr herablassender Partner Roger (Lasse Valdal) und das befreundete Geschwisterpärchen Jörgen und Mia sind unterwegs zu einem Campingtrip in den norwegischen Wäldern. Nachdem sie in einer Raststätte den Zorn diverser Hinterwäldler auf sich gezogen haben, werden sie wenig später auf offener Straße von ein paar unfreundlichen Jägern überfallen, die die schnell auf drei dezimierten Freunde für ein Spielchen im Wald aussetzen …

Eine Einblendung zu Beginn verortet das Geschehen im TEXAS CHAIN SAW-Gedächtnisjahr 1974: ein etwas unbeholfener Tribut und willkommene Legitimierung für die jeder Spitze beraubte Farbpalette des Films, die etwas an vergilbte Fotos aus jener Zeit erinnert. ROVDYR – auch für des Norwegischen nicht Mächtige als „Raubtier“ zu entziffern – ist eine 75-minütige Schlachtplatte, die wie ihre unfreundlichen Antagonisten wenig Federlesen macht: Im Hinterland, da, wo die Menschen noch von anderem Schrot und Korn sind, sollte man sich als Städter benehmen – oder sich besser gleich überhaupt gar nicht erst aufhalten, wenn einem das eigene Leben hold und teuer ist. Nach knapp 20 bis 30 Minuten geht die ohne jeden überflüssigen Ballast inszenierte und erzählte Jagd los, bietet Anlass für einige unangenehm, aber nicht allzu breit ausgewalzte Härten, bevor der Spuk nach etwas mehr als einer Stunde nicht übermäßig überraschend, aber auch nicht uneffektiv zu Ende geht.

Ich habe mich schon zwischendurch gefragt, was Syversen eigentlich an dem Stoff interessiert hat, was genau er erzählen wollte. Und ob er jenseits des reinen Affekts überhaupt etwas im Sinn hatte. ROVDYR ist, wie fast alle Vertreter der „Neuen Härte“, in erster und einziger Linie böse, dreckig und gemein und in dieser Ausschließlichkeit paradoxerweise fast schon wieder naiv. Was ihn von vergleichbaren Filmen der letzten Jahre unterscheidet, ist, dass hier nicht mal der kleinste Versuch gemacht wird, das blutige Geschehen irgendwie mit Bedeutung aufzuladen. Das finde ich überaus löblich, waren es doch gerade die von gesellschaftspolitischer Einfalt  geprägten, geradezu schwachsinnig oberflächlichen „Subtexte“, die die meisten seiner Genrekollegen regelmäßig zu solch heuchlerischen Ärgernissen werden ließen: Da wurde dem spießigen Establishment – das diese Filme ja eh nie sieht – ununterbrochen und unter Zuhilfenahme aller zur Verfügung stehenden filmischen Mittel vors Scheinbein getreten, nur um dann mit einer Moral von der Geschicht aufzuwarten, die diesem Spießertum geradezu aus der Seele gesprochen haben dürfte. Man denke nur an den unsäglichen FRONTIERE(S) mit seiner „Ihr asozialen Ghettokinder könnt froh sein, dass wir euch in euren Elendsvierteln ganz human erschießen und eucht nicht noch foltern“-Message oder auch an den kaum weniger einfältigen EDEN LAKE). ROVDYR ist wie gesagt frei von solchem Unsinn und insofern einfach nur drastisches Entertainment, das allerdings auch viel zu schmucklos und leer ist, um nachhaltigen Eindruck zu machen.

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