ta paidia tou diavolou (nico mastorakis, griechenland 1975)

Veröffentlicht: Juni 5, 2010 in Film
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Christopher (Robert Behling) und Celia (Jane Ryall), ein englisches Pärchen, kommen zum Urlaub auf die griechische Insel Mykonos. Doch sie sind keine normalen Touristen: Christopher ist von dem Gedanken besessen, die Insel von den „Perversen“, die sich dort niedergelassen und sie den „unschuldigen“ Einheimischen weggenommen haben, zu „reinigen“. Und Celia hilft ihm tatkräftig dabei …

Vor kurzem hatte ich noch über Mastorakis ein Jahrzehnt später entstandenen THE ZERO BOYS geschrieben, dass der Regisseur von allzu grafischer Gewaltdarstellung absehe und eher auf die Kraft der Suggestion setze: Dies im Hinterkopf kann man bei ISLAND OF DEATH, wie der internationale Titel von TA PAIDIA TOU DIAVOLOU lautet, zunächst kaum glauben, dass dort derselbe Regisseur am Werk gewesen sein soll. Denn ohne jede erkennbare Motivation lässt er seine beiden Protagonisten dort jeden nur erdenklichen Tabubruch begehen und ist stets darum bedacht, diesen auch wirkungsvoll ins Bild zu rücken. Mastorakis‘ Vorgehen erklärt sich aus einem aufschlussreichen Interview, das sich im Bonusmaterial der DVD befindet: Er wollte nach eigenem Bekunden einen Film drehen, der ihm bei geringstem Aufwand einen möglichst großen Gewinn bescheren würde, und ahnte – inspiriert von Hoopers THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE –, dass Gewalt ein probates Mittel dazu sein würde. Die Rechnung ging auf und ISLAND OF DEATH wird noch heute als eine der geschmacklosen Spitzen eines an geschmacklosen Spitzen nicht armen Genres bewertet.

Mit der Distanz von über drei Jahrzehnten relativiert sich diese Bewertung durchaus etwas: Man hat mittlerweile schon Grausameres – und dabei vor allem Mieseres – gesehen. Die Effekte von Mastorakis‘ Film sind zwar zweckdienlich, aber doch auch recht fadenscheinig und keinesfalls mit den Filigranarbeiten etwa eines Tom Savini zu vergleichen. Trotzdem lässt sich kaum bestreiten, dass ISLAND OF DEATH einen ganze eigenen Grad der Devianz erreicht. Dass er auch heute noch so radikal wirkt, liegt zum einen in der kalkulierten Haltung des Films begründet, die sich auch in der Gefühlskälte der beiden Protagonisten widerspiegelt, und in der genannten Überfülle der Tabubrüche, die ISLAND OF DEATH schon fast den Anstrich einer Enzyklopädie der Niedertracht verleihen. Wenn man bereit ist, sich diesem Werk im wahrsten Sinne des Wortes zu stellen, ihm aufgeschlossen zu begegnen, sieht man aber auch, dass hier unverkennbar die Enttäuschung der 68er-Generation abgebildet wird, deren Traum von einer besseren Welt nur wenige Jahre zuvor wie eine Seifenblase geplatzt war. In dem sich an diese Enttäuschung anknüpfenden Zorn, der hier zum Ausdruck kommt, erinnert ISLAND OF DEATH nicht wenig an die klassenkämpferischen Gewaltfilme aus Italien, etwa Aldo Lados L’ULTIMO TRENO DELLA NOTTE. Filmisch können sich zudem drei Viertel der Möchtegerns, die sich in diesem Genre betätigen, eine dicke Scheibe von Mastorakis‘ Film abschneiden. Dass der nämlich trotz seiner beschränkten Mittel eine absolute Augenweide ist, ist eigentlich der größte Affront dieses bizarren kleinen Schockers.

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