blood salvage (tucker johnston, usa 1990)

Veröffentlicht: Juni 8, 2010 in Film
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Lange vor den Ludolfs und ihrem Westerwälder Schrottbetrieb gab es BLOOD SALVAGE: Jake Pruitt (Danny Nelson) interpretiert den Begriff der „Resteverwertung“ mit seinen beiden schwachsinnigen Söhnen Hiram (Christian Hesler) und Roy (Ralph Pruitt Vaughan) auf eine sehr spezielle Art. Reisende, die sein Revier mit dem Auto durchqueren, werden von Hiram von der Straße abgedrängt, die daraus resultierenden Auto- und Menschenwracks anschließend in der heimischen Garage ausgeschlachtet. Jake ist nämlich nebenbei Organhändler, allerdings im Namen des Herrn unterwegs. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, der natürlichen, aber nicht immer gerechten Auslese entgegenzuwirken und „guten“ Menschen zu einem längeren und besseren Leben zu verhelfen. Zu diesem Behufe sammelt er Halbtote in seiner Werkstatt, die er künstlich am Leben hält, um ihre besseren Teile weiterzuverwenden. Sein Herzensprojekt ist die Heilung der querschnittsgelähmten Jugendlichen April Evans (Lori Birdsong) und die hält sich anlässlich eines Schönheitswettbewerbs mit ihren Eltern (darunter Papa John Saxon) ganz in Jakes Nähe auf …

BLOOD SALVAGE – in Deutschland seinerzeit unter dem Titel MAD JAKE in einer stark gekürzten Fassung auf Video erschienen – wurde von Evander Holyfield mitproduziert, der im selben Jahr Schwergewichtsweltmeister werden und sich ein paar Jahre später von Mike Tyson das Ohr abkauen lassen sollte (er absolviert hier auch einen kleinen Gastauftritt als Kirmesboxer), und kommt mir nach meinen Aussagen über die Vorzüge des Horrorkinos der Eighties im WOLF CREEK-Text sehr gelegen. Zuerst: BLOOD SALVAGE ist kein guter Film. Er ist bestenfalls zweckdienlich und ohne große kreative Höhenflüge inszeniert, geht vor allem mit den filmischen Mitteln des Schnitts, des Tons, aber auch der Kamera eher bodenständig – sprich: unkreativ – um und basiert auf einem Drehbuch, das locker einige Straffungen vertragen hätte. Die Geschichte um den Backwood-Frankenstein Jake wird bar jeden auflockernden Subplots erzählt und kann über die Laufzeit von 95 Minuten Abnutzungserscheinungen nicht verbergen. In der deutschen Version – ich habe mir die miserable Bootleg- DVD angeschaut – hat BLOOD SALVAGE darüber hinaus unter einer plump-lieblosen Synchronisation zu leiden, die die schwarzhumorig-makabren Spitzen und den Südstaaten-Lokalkolorit des Films total nivelliert und den Eindruck erweckt, man habe ein Publikum aus Kleinkindern und Schwachsinnigen angepeilt.

Obwohl Johnstons Film also mit Sicherheit keine Sternstunde seines Genres ist, kann man ihm einen gewissen Charme nicht absprechen. Der besteht vor allem in der originellen und witzigen Prämisse des Films, der einige heftige Nackenschläge an die Fraktion US-amerikanischer Christofaschisten und scheinheiliger Fernsehprediger verteilt und in der Zusammenführung seiner Kritik mit grell-übersteuerten Schreckensbildern dem deutlich besseren MOTHER’S DAY gar nicht mal so unähnlich ist. Jake ist der ins Groteske übersteigerte Gesinnungsgenosse des christlichen Herrenmenschen, der seine wirren Predigten in der deftigsten Szene des Films auch schonmal zwischen den dahinvegetierenden „Organspendern“ hält, die ihm mit gekeuchten und gestöhnten „Amens“ und „Hallelujas“ beipflichten. Und die Polizei, dein Freund und Helfer, sorgt dafür, dass Jake niemand entwischt – eine Backwood-Konstante, die im hier aufgespannten Rahmen noch einen kleinen gesellschaftskritischen Anstrich erhält. Dass sich BLOOD SALVAGE auch sonst schön in sein Subgenre einfügt, ganz selbstverständlich und ohne Spot-the-Reference-Bescheidwisserei eine an Hoopers Referenzwerk erinnernde Männerfamilie mit Muttermumie als Schurken und einen EATEN ALIVE-Assoziationen weckenden Hausalligator aufbietet, macht ihn für mich aller offenkundigen Macken zum Trotz überaus sympathisch. Also: Eher ein Film für Komplettisten und Eighties-Nostalgiker, die aber sofort verstehen werden, warum mir auch so ein mäßiges Filmchen wie dieses irgendwie lieber ist als die knallhart durchkalkulierten und mit allerhand schnöder Technik auf dirty und evil getrimmten Terrorfilmchen neueren Datums (von denen ich – so viel sei fairerweise hinzugefügt – einige ja trotzdem mag).

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