neon maniacs (joseph mangine, usa 1986)

Veröffentlicht: Juni 9, 2010 in Film
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Unter der Golden Gate Bridge leben die Neon Maniacs, eine Horde schrill aussehender Dämonen, die einen unergründlichen Groll gegen Jugendliche hegen. Das Massaker an einer sich im Park verlustierenden Clique überlebt nur Natalie (Leilani Sarelle), die daraufhin nicht nur mit dem Misstrauen der betroffenen Eltern und Mitschüler, sondern – was schlimmer ist – auch den Neon Maniacs zu kämpfen hat, die es nicht verknusen können, dass ihnen jemand entwischt ist. Nur der süße Steven (Alan Hayes) glaubt ihrer Geschichte und steht ihr bei. Zu ihm gesellt sich bald die kesse Göre und Amateur-Horrorvideo-Regisseurin Paula (Donna Locke), die herausgefunden hat, dass die Dämonen kein Wasser vertragen. Bei einem Rockkonzert, bei dem das jugendliche Publikum mit Wasserpistolen ausgestattet ist, kommt es zum erneuten Gemetzel …

NEON MANIACS als feuchten Traum des junggebliebenen Mannes zu bezeichnen, macht angesichts der Inhaltsangabe doppelt Sinn. Der Film hat einfach alles, was man am Horrorkino seines Jahrzehnts wahlweise lieben oder verachten kann, im prallen Übermaß: eine tolldreiste Story, skurrile Masken und Effekte, einen klebrigen, zwischen Synthiepop und AOR-Rock pendelnden Soundtrack und jede Menge beknackt-irrwitziger Einfälle. Diese Mischung ergibt zwar keinen Sinn und schon gar keinen Horrorfilm, also einen, der Angst einflößt, erschreckt und schockiert, macht aber einen Heidenspaß, vorausgesetzt, man ist in der richtigen Stimmung und hat sich die Fähigkeit bewahrt, das überfrachtetete Gehirn und die erwachsene Oberabgeklärtheit mal für 90 Minuten ausschalten zu können. Die Neon Maniacs sind eine echte Schau und erinnern etwas an eine Achtziger-Teenhorror-Version der Village People: Die kunterbunte Schar besteht u. a. aus einem Samurai, einem Affenmenschen, einem Indianer, einem Sadomaso-Lederfreak, einem einäugigen Echsenwesen, einem Bogenschützen, einem zombiefizierten Chrirurgen und einem Motorradrocker, allesamt mit Gesichtern von unterschiedlicher dämonischer Missgestaltung und verschiedenen Waffen und Fähigkeiten ausgestattet. Gleich zu Beginn findet ein Opfer in spe vor dem Versteck der Maniacs ein Set Karten, auf denen jeweils einer von ihnen abgebildet ist, und die das Herz des geneigten Zuschauers, der einst mit Masters-of-the-Universe-Figuren im Sandkasten gesessen hat, fast im Brustkorb zerspringen lassen: Die Freaks haben wie Superhelden auch noch ihre eigenen Trading Cards! Dass die im weiteren Verlauf des Films nicht mehr vorkommen, ist ein bisschen schade, hätten sich doch wunderbare Subplots um Kartensammler auf irgendwelchen nerdigen Conventions angeboten.

Aber man kann ja nichts alles haben, zumal das fragile Gleichgewicht unseres Kosmos wahrscheinlich vollkommen aus den Fugen geraten wäre, hätte man noch mehr infantilen Zinnober in NEON MANIACS hineingepackt. So muss man sich mit einem Finale begnügen, bei dem die in Todesgefahr schwebenden Rockkonzertbesucher aufgefordert werden, ihre Wasserpistolen zu benutzen, um sich zu verteidigen. Mit Cops, die alle über die Jahrzehnte angehäuften Klischees in sich vereinen. Mit einem Battle-of-the Bands-Contest, bei dem der Wavepop (inkl. Saxophonsolo-unterstützter Ballade) des alle wichtigen Popgesten (Faust ballen/aufs Dreamgirl in der ersten Rolle zeigen, Greifbewegung machen und Hand zum Herzen führen) draufhabenden Helden auf den Hairspray-Hardrock der böse guckenden Gegner trifft und somit auch die wichtigsten musikalischen Errungenschaften des Jahrzehnts abgedeckt werden. Mit einer Darstellerin, die mit schief sitzender Schirmmütze nur unzureichend auf Kind getrimmt wurde, deren Zimmer aber dafür mit diversen Horrorfilm-Memorabilia ausgestattet ist. Mit einem Auftakt-Voice-over, das die haarsträubende Prämisse des Films anscheinend als gesellschaftskritische Metapher ausdeuten möchte: Es ist da die Rede von dunklen Schatten, die sich in einer Welt immer gewalttätiger werdenden Welt drohend über die armen Teenagerleben legen. Und eben, es kann nicht oft genug wiederholt werden, mit den arschgeilen Neon Maniacs. Das reicht eigentlich gleich für fünf Filme und somit vergeht NEON MANIACS wie im Flug. Ich hatte jedenfalls nicht wenig Lust, diese filmgewordene Verkörperung des Begriffs awesome  gleich nochmal anzuschmeißen.

Erwähnt werden sollte noch, dass NEON MANIACS eine arg gebeutelte Produktion war, die aufgrund des Absprungs der Produktionsfirma drei Monate auf Eis lag, bevor sie zu Ende gedreht werden konnte. Dass Regisseur Mangine vorher als Kameramann unter anderem bei Jeff Liebermans SQUIRM, Teagues ALLIGATOR, Pyuns THE SWORD AND THE SORCERER, Sholders ALONE IN THE DARK, bei EXTERMINATOR 2 und meinem geliebten MOTHER’S DAY tätig war, Drehbuchautor Mark Patrick Carducci den superfeinen PUMPKINHEAD scriptete, bevor er sich 1997 erschoss, und Hauptdarstellerin Sarelle über diesen Film hinaus guten Geschmack bewies, als sie Miguel Ferrer ehelichte. Nichts davon muss man wissen, um bei NEON MANIACS die Zeit seines Lebens zu haben, aber es hilft doch dabei, den Film einzuordnen. Das hier ist nämlich kein minderwertiger Direct-to-Video-Quatsch, achtlos hingeschluderter Käse, zu keinem anderen Zweck gemacht, als den Kiddies das schnelle Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern ein Film, mit dem die filmtechnisch versierten Beteiligten durchaus einige Ambitionen verbanden. Das finde ich unglaublich rührend und bewundernswert und wünschte mir, dass heute noch jemand die Traute hätte, einen solchen filmischen Schabernack auf die Beine zu stellen, ohne dabei ständig mit den Augen zu zwinkern. Und in meinen kühnsten Träumen macht irgend jemand ein Sequel zu NEON MANIACS, bei dem dann diese coolen Trading Cards noch einmal vorkommen und entwirft eine dazu passende Kollektion von Action-Figuren. Dann wäre alles gut und ich könnte in ferner Zukunft friedlich entschlummern, in der Gewissheit, nichts versäumt zu haben …

Kommentare
  1. Andreas sagt:

    Lieber Oliver!

    Mit Diesen feinen Beobachtungen zu einem meiner ewigen Lieblingsfilme hat der Film endlich das würdige Denkmal, das ihm längst zusteht. Solltest Du Dich also mal wieder zu einer Buio-Veranstaltung nach GE wuchten können, hast Du dafür ein leckeres Koffeingetränk und einen Schokoriegel gut.

    „Wenn Menschen von der Gewalt beherrscht werden und ihre Seelen verblassen, dann wird auf das Leben ihrer Kinder ein Schatten fallen. Es sind die Manniacks (sic!), die ihnen die Hölle bereits auf Erden bereiten.“

    KREISCH!!!!!!

    • Oliver sagt:

      Das ehrt mich über alle Maßen!

      Und zu den Buio-Omegisten wollte ich sowieso mal wieder. Mein letzter Besuch dort liegt wohl schon drei oder vier Jahre zurück …

      • Andreas sagt:

        Dort hättest Du ja nächsten Samstag beim zwoten Filmbeitrag die Gelegenheit, das Kind im Manne hochleben zu lassen.
        Ach ja: bei Deinem Streifzug durch das Backwood-Kino nicht den „Ausflug in das Grauen“ vergessen. Als jemand, der einer Filmbetrachtung eher positive Seiten abgewinnen möchte, wirst Du schnell an die Grenzen der Toleranz stoßen, aber: wat mutt, dat mutt!

      • Oliver sagt:

        Sorry, aber das werde ich nicht schaffen. 😦

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