shallow grave (richard styles, usa 1987)

Veröffentlicht: Juni 10, 2010 in Film
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Vier freche Klosterschülerinnen begeben sich auf den Road Trip nach Florida. In Georgia haben sie eine Reifenpanne, die von Sue Ellen (Lisa Stahl) für eine Pinkelpause im angrenzenden Wald genutzt wird. Dort wird sie Zeuge eines Mordes, als ein Mann nach dem Liebesspiel seine eifersüchtige Geliebte kurzerhand erwürgt. Sie kann dem Mörder entwischen, nicht jedoch zwei ihrer Freundinnen, die ihm auf der Suche nach Sue Ellen nichts Böses ahnend in die Arme laufen und schließlich neben der Geliebten im Wald verscharrt werden. Als Sue Ellen mit der verbliebenen Patty nach Hilfe sucht, werden die beiden vom Deputy (Tom Law) aufgegriffen, der ihrer Geschichte allerdings keinen Glauben schenkt. Und als sich dann auch noch der örtliche Sheriff (Tony March) als der Frauenmörder entpuppt, wird die Luft für die beiden Mädchen zunehmend dünner …

SHALLOW GRAVE ist ein sehr schöner, gut gescripteter Thriller mit einem ausgezeichnetem Gespür für das richtige Timing. Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit einem einstellungsgetreu von PSYCHO übernommenen Duschmord konfrontiert und in den Glauben versetzt, einem Teenieslasher beizuwohnen. Der Mord entpuppt sich dann jedoch als Streich der Protagonistinnen, die sich im Folgenden ganz wie die Helden des Suspense-Altmeisters in der ausweglosen Situation befinden, zu Unrecht beschuldigt zu werden und feststellen zu müssen, dass jeder vermeintliche Fluchtweg sie nur tiefer ins Verderben führt. Das funktioniert hier vor allem deshalb so gut, weil alle handelnden Figuren über ein unterschiedliches Wissen verfügen und nur der Zuschauer alle Verflechtungen überblicken kann. So findet man sich in der aus dem Kasperletheater der Kindheit bekannten Situation wieder, den Figuren gute Ratschläge geben oder sie warnen zu wollen und generell vor dem Bildschirm mit ihnen mitzuleiden und mitzufiebern, wie das eben ein guter Thriller gefälligst leisten sollte. Mitleiden ist auch durchaus angebracht, denn SHALLOW GRAVE macht keine Gefangenen, schont seine Heldinnen nicht, lässt ihnen die Rettung mehrfach vor der Nase entwischen und kennt auch sonst kein Erbarmen. Über das Ende kann man daher trefflich streiten: Hitchcock hätte es ganz sicher nicht gemocht und ich fand es zwar  zum grimmigen Rest sehr gut passend, hätte mir aber auch durchaus vorstellen können, dass Styles die Suspense-Schraube noch etwas weiter anzieht und einen echten Showdown serviert. Um einen solchen wird man zwar betrogen, darf dafür aber die böse Schlusspointe noch einige Zeit mit sich herumtragen, was ja auch nicht schlecht ist. Kurzer Rede, kurzer Sinn: SHALLOW GRAVE ist ein leider zu Unrecht weitestgehend unbekannter Film, der in seiner Zeit geradezu paradiesvogelhaft gewirkt haben dürfte und all jenen, die das immer noch nicht für möglich halten, eindrucksvoll beweist, dass sich Cindy-Lauper-Frisuren, Vokuhilas und pastellfarbene Klamotten und ernsthafter, böser Thrill nicht automatisch ausschließen. Wer die Gelegenheit dazu hat: Anschauen!

PS Den Backwood-Tag sollte man nicht überbewerten, weil SHALLOW GRAVE nur am Rande dieses Subgenres entlangschrammt.

Kommentare
  1. […] schon die zuletzt hier besprochenen SHALLOW GRAVE oder LETHAL PURSUIT ist auch RUNNING HOT ein kleiner, unspektakulärer Film, der aber in Zeiten […]

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