intruder (scott spiegel, usa 1989)

Veröffentlicht: Juni 16, 2010 in Film
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Kurz vor Ladenschluss wird Jennifer (Elizabeth Cox), Kassiererin des „Walnut Lake Market“, von ihrem aufgebrachten Ex-Freund Craig attackiert. Zwar eilt ihr die Belegschaft des Ladens rechtzeitig zur Hilfe, doch der Angreifer kann entkommen und sich verstecken. Die folgende Nachtschicht, in der Obst geschnitten, Verpackungen etikettiert und Regale eingeräumt werden, verläuft deshalb entsprechend angespannt, zumal die Inhaber des Ladens ihren Angestellten auch noch mitteilen, dass diese aufgrund eines Verkaufs in Kürze arbeitslos sein werden. Doch dann geht das fröhliche Morden los und ökonomische Sorgen müssen existenziellen weichen …

INTRUDER ist ein sehr später Vertreter des in den Achtzigerjahren so populären Slasherfilms, aber als solcher nicht uninteressant, weil er schon die Züge jener Ironisierung trägt, die sich im US-Kino der folgenden Jahre so deutlich abzeichnen würde. Das ist wohl vor allem auf das Personal zurückzuführen, das hinter INTRUDER steht: Regie führte der dem erweiterten Dunstkreis um Sam Raimi (der auch eine kleine Nebenrolle als Supermarkt-Fleischer übernimmt) angehörende Scott Spiegel, der seine Prägung durch Cartoons wie sein berühmterer Regiekollege (und die Coens, die später noch Erwähnung finden werden) kaum verbergen kann, und am Drehbuch arbeitete Lawrence Bender mit, seines Zeichens wiederum Stammproduzent von Popkulturjunkie und Neunzigerikone Quentin Tarantino. Spiegel inszeniert seinen Film mit vielen kleinen optischen Gags und Gimmicks, filmt das Geschehen etwa aus absurden, comichaften Positionen – aus einem Einkaufswagen, aus dem Inneren eines Telefons durch dessen Wählscheibe hindurch etc. -, lässt seine Protagonisten makabre kleine Anekdoten erzählen (eine sehr zentrale Geschichte ist aus – Achtung! – RAISING ARIZONA von eben jenen Coens übernommen) und sortiert in das Zeitschriftenregal des Ladens auch schon mal eine Ausgabe des einstigen deutschen Szenemagazins „Tempo“ ein, weil Sting dort so schön psychopathisch vom Cover lugt. Neben dem schon erwähnten Sam Raimi wirkt auch dessen unvermeidlicher Bruder Ted mit, Spiegel und Bender sowie Bruce Campbell absolvieren die fast schon obligatorischen Gastauftritte, und um die Privatparty zu vollenden, ist der Supermarkt dem ehemaligen Arbeitsplatz seines Regisseurs nachempfunden. Der offenkundige Spaß der Beteiligten schlägt sich im flotten Tempo von INTRUDER nieder, der sich mit seiner Thematisierung von Arbeitsplatzverlust zwar nicht gerade Hoffnungen machen darf, als ernstes Arbeiterdrama durchzugehen, aber damit dennoch ohne Zweifel einen stärker involvierenden Aufhänger gefunden hat als andere Slasherfilme mit ihren austauschbaren Ferienlager-Possen. Mit etwas Goodwill könnte man INTRUDER sogar als splatteriges Gegenstück zu Kevin Smiths Slackerepos CLERKS bezeichnen.

Weiteren Anteil daran, dass INTRUDER recht spannend geworden ist, hat die ausgezeichnete Inszenierung des Raums: Man hat nach kurzer Zeit einen guten Überblick über die Anordnung der einzelnen Räumlichkeiten und kann deshalb gut nachvollziehen, wo sich die Protagonisten bzw. die Kamera gerade befinden. Und die außergewöhnlich sorgfältig strukturierte Exposition, bei der man alles, was später noch von Bedeutung sein wird, schon einmal zu Gesicht bekommt, und so zum einen nie den Eindruck gewinnt, die Macher könnten die Regeln nach Belieben ändern, wenn sie sich in eine Sackgasse manövriert haben (Krankheit vieler dusseliger Horrorfilme), zum anderen den Schauplatz in seinem dargebotenen Detailreichtum sehr realistisch und lebendig macht, trägt ihren Teil zum Gelingen bei. Herzstück von Spiegels Film sind jedoch die blutigen Morde, die nicht nur vom Supermarktinventar kreativen Gebrauch machen (es kommen u. a. eine Presse, eine Fleischsäge, ein Zettelpiekser sowie ein Fleischerhaken zum Einsatz), sondern von der KNB Effects Group auch ausgesprochen detailverliebt umgesetzt wurden – vor allem der erwähnte Sägenmord ist ziemlich schmerzhaft geraten. Und weil auch das Ende endlich einmal die Frage stellt, die alle anderen Horrorfilme sonst geflissentlich umgehen, nämlich die, warum eigentlich nie jemand die Überlebenden der begangenen Morde verdächtigt, darf INTRUDER als spätes Highlight seines zumindest quantitativ ziemlich umfangreichen Subgenres gelten. Wer damit nix anfangen kann, wird aber auch hier wahrscheinlich nicht vom Gegenteil überzeugt werden, denn daran, dass der Slasherfilm inhaltlich eher limitiert ist, kann letztlich auch Spiegel nichts ändern.

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