Archiv für Juni, 2010

Vier freche Klosterschülerinnen begeben sich auf den Road Trip nach Florida. In Georgia haben sie eine Reifenpanne, die von Sue Ellen (Lisa Stahl) für eine Pinkelpause im angrenzenden Wald genutzt wird. Dort wird sie Zeuge eines Mordes, als ein Mann nach dem Liebesspiel seine eifersüchtige Geliebte kurzerhand erwürgt. Sie kann dem Mörder entwischen, nicht jedoch zwei ihrer Freundinnen, die ihm auf der Suche nach Sue Ellen nichts Böses ahnend in die Arme laufen und schließlich neben der Geliebten im Wald verscharrt werden. Als Sue Ellen mit der verbliebenen Patty nach Hilfe sucht, werden die beiden vom Deputy (Tom Law) aufgegriffen, der ihrer Geschichte allerdings keinen Glauben schenkt. Und als sich dann auch noch der örtliche Sheriff (Tony March) als der Frauenmörder entpuppt, wird die Luft für die beiden Mädchen zunehmend dünner …

SHALLOW GRAVE ist ein sehr schöner, gut gescripteter Thriller mit einem ausgezeichnetem Gespür für das richtige Timing. Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit einem einstellungsgetreu von PSYCHO übernommenen Duschmord konfrontiert und in den Glauben versetzt, einem Teenieslasher beizuwohnen. Der Mord entpuppt sich dann jedoch als Streich der Protagonistinnen, die sich im Folgenden ganz wie die Helden des Suspense-Altmeisters in der ausweglosen Situation befinden, zu Unrecht beschuldigt zu werden und feststellen zu müssen, dass jeder vermeintliche Fluchtweg sie nur tiefer ins Verderben führt. Das funktioniert hier vor allem deshalb so gut, weil alle handelnden Figuren über ein unterschiedliches Wissen verfügen und nur der Zuschauer alle Verflechtungen überblicken kann. So findet man sich in der aus dem Kasperletheater der Kindheit bekannten Situation wieder, den Figuren gute Ratschläge geben oder sie warnen zu wollen und generell vor dem Bildschirm mit ihnen mitzuleiden und mitzufiebern, wie das eben ein guter Thriller gefälligst leisten sollte. Mitleiden ist auch durchaus angebracht, denn SHALLOW GRAVE macht keine Gefangenen, schont seine Heldinnen nicht, lässt ihnen die Rettung mehrfach vor der Nase entwischen und kennt auch sonst kein Erbarmen. Über das Ende kann man daher trefflich streiten: Hitchcock hätte es ganz sicher nicht gemocht und ich fand es zwar  zum grimmigen Rest sehr gut passend, hätte mir aber auch durchaus vorstellen können, dass Styles die Suspense-Schraube noch etwas weiter anzieht und einen echten Showdown serviert. Um einen solchen wird man zwar betrogen, darf dafür aber die böse Schlusspointe noch einige Zeit mit sich herumtragen, was ja auch nicht schlecht ist. Kurzer Rede, kurzer Sinn: SHALLOW GRAVE ist ein leider zu Unrecht weitestgehend unbekannter Film, der in seiner Zeit geradezu paradiesvogelhaft gewirkt haben dürfte und all jenen, die das immer noch nicht für möglich halten, eindrucksvoll beweist, dass sich Cindy-Lauper-Frisuren, Vokuhilas und pastellfarbene Klamotten und ernsthafter, böser Thrill nicht automatisch ausschließen. Wer die Gelegenheit dazu hat: Anschauen!

PS Den Backwood-Tag sollte man nicht überbewerten, weil SHALLOW GRAVE nur am Rande dieses Subgenres entlangschrammt.

Unter der Golden Gate Bridge leben die Neon Maniacs, eine Horde schrill aussehender Dämonen, die einen unergründlichen Groll gegen Jugendliche hegen. Das Massaker an einer sich im Park verlustierenden Clique überlebt nur Natalie (Leilani Sarelle), die daraufhin nicht nur mit dem Misstrauen der betroffenen Eltern und Mitschüler, sondern – was schlimmer ist – auch den Neon Maniacs zu kämpfen hat, die es nicht verknusen können, dass ihnen jemand entwischt ist. Nur der süße Steven (Alan Hayes) glaubt ihrer Geschichte und steht ihr bei. Zu ihm gesellt sich bald die kesse Göre und Amateur-Horrorvideo-Regisseurin Paula (Donna Locke), die herausgefunden hat, dass die Dämonen kein Wasser vertragen. Bei einem Rockkonzert, bei dem das jugendliche Publikum mit Wasserpistolen ausgestattet ist, kommt es zum erneuten Gemetzel …

NEON MANIACS als feuchten Traum des junggebliebenen Mannes zu bezeichnen, macht angesichts der Inhaltsangabe doppelt Sinn. Der Film hat einfach alles, was man am Horrorkino seines Jahrzehnts wahlweise lieben oder verachten kann, im prallen Übermaß: eine tolldreiste Story, skurrile Masken und Effekte, einen klebrigen, zwischen Synthiepop und AOR-Rock pendelnden Soundtrack und jede Menge beknackt-irrwitziger Einfälle. Diese Mischung ergibt zwar keinen Sinn und schon gar keinen Horrorfilm, also einen, der Angst einflößt, erschreckt und schockiert, macht aber einen Heidenspaß, vorausgesetzt, man ist in der richtigen Stimmung und hat sich die Fähigkeit bewahrt, das überfrachtetete Gehirn und die erwachsene Oberabgeklärtheit mal für 90 Minuten ausschalten zu können. Die Neon Maniacs sind eine echte Schau und erinnern etwas an eine Achtziger-Teenhorror-Version der Village People: Die kunterbunte Schar besteht u. a. aus einem Samurai, einem Affenmenschen, einem Indianer, einem Sadomaso-Lederfreak, einem einäugigen Echsenwesen, einem Bogenschützen, einem zombiefizierten Chrirurgen und einem Motorradrocker, allesamt mit Gesichtern von unterschiedlicher dämonischer Missgestaltung und verschiedenen Waffen und Fähigkeiten ausgestattet. Gleich zu Beginn findet ein Opfer in spe vor dem Versteck der Maniacs ein Set Karten, auf denen jeweils einer von ihnen abgebildet ist, und die das Herz des geneigten Zuschauers, der einst mit Masters-of-the-Universe-Figuren im Sandkasten gesessen hat, fast im Brustkorb zerspringen lassen: Die Freaks haben wie Superhelden auch noch ihre eigenen Trading Cards! Dass die im weiteren Verlauf des Films nicht mehr vorkommen, ist ein bisschen schade, hätten sich doch wunderbare Subplots um Kartensammler auf irgendwelchen nerdigen Conventions angeboten.

Aber man kann ja nichts alles haben, zumal das fragile Gleichgewicht unseres Kosmos wahrscheinlich vollkommen aus den Fugen geraten wäre, hätte man noch mehr infantilen Zinnober in NEON MANIACS hineingepackt. So muss man sich mit einem Finale begnügen, bei dem die in Todesgefahr schwebenden Rockkonzertbesucher aufgefordert werden, ihre Wasserpistolen zu benutzen, um sich zu verteidigen. Mit Cops, die alle über die Jahrzehnte angehäuften Klischees in sich vereinen. Mit einem Battle-of-the Bands-Contest, bei dem der Wavepop (inkl. Saxophonsolo-unterstützter Ballade) des alle wichtigen Popgesten (Faust ballen/aufs Dreamgirl in der ersten Rolle zeigen, Greifbewegung machen und Hand zum Herzen führen) draufhabenden Helden auf den Hairspray-Hardrock der böse guckenden Gegner trifft und somit auch die wichtigsten musikalischen Errungenschaften des Jahrzehnts abgedeckt werden. Mit einer Darstellerin, die mit schief sitzender Schirmmütze nur unzureichend auf Kind getrimmt wurde, deren Zimmer aber dafür mit diversen Horrorfilm-Memorabilia ausgestattet ist. Mit einem Auftakt-Voice-over, das die haarsträubende Prämisse des Films anscheinend als gesellschaftskritische Metapher ausdeuten möchte: Es ist da die Rede von dunklen Schatten, die sich in einer Welt immer gewalttätiger werdenden Welt drohend über die armen Teenagerleben legen. Und eben, es kann nicht oft genug wiederholt werden, mit den arschgeilen Neon Maniacs. Das reicht eigentlich gleich für fünf Filme und somit vergeht NEON MANIACS wie im Flug. Ich hatte jedenfalls nicht wenig Lust, diese filmgewordene Verkörperung des Begriffs awesome  gleich nochmal anzuschmeißen.

Erwähnt werden sollte noch, dass NEON MANIACS eine arg gebeutelte Produktion war, die aufgrund des Absprungs der Produktionsfirma drei Monate auf Eis lag, bevor sie zu Ende gedreht werden konnte. Dass Regisseur Mangine vorher als Kameramann unter anderem bei Jeff Liebermans SQUIRM, Teagues ALLIGATOR, Pyuns THE SWORD AND THE SORCERER, Sholders ALONE IN THE DARK, bei EXTERMINATOR 2 und meinem geliebten MOTHER’S DAY tätig war, Drehbuchautor Mark Patrick Carducci den superfeinen PUMPKINHEAD scriptete, bevor er sich 1997 erschoss, und Hauptdarstellerin Sarelle über diesen Film hinaus guten Geschmack bewies, als sie Miguel Ferrer ehelichte. Nichts davon muss man wissen, um bei NEON MANIACS die Zeit seines Lebens zu haben, aber es hilft doch dabei, den Film einzuordnen. Das hier ist nämlich kein minderwertiger Direct-to-Video-Quatsch, achtlos hingeschluderter Käse, zu keinem anderen Zweck gemacht, als den Kiddies das schnelle Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern ein Film, mit dem die filmtechnisch versierten Beteiligten durchaus einige Ambitionen verbanden. Das finde ich unglaublich rührend und bewundernswert und wünschte mir, dass heute noch jemand die Traute hätte, einen solchen filmischen Schabernack auf die Beine zu stellen, ohne dabei ständig mit den Augen zu zwinkern. Und in meinen kühnsten Träumen macht irgend jemand ein Sequel zu NEON MANIACS, bei dem dann diese coolen Trading Cards noch einmal vorkommen und entwirft eine dazu passende Kollektion von Action-Figuren. Dann wäre alles gut und ich könnte in ferner Zukunft friedlich entschlummern, in der Gewissheit, nichts versäumt zu haben …

Lange vor den Ludolfs und ihrem Westerwälder Schrottbetrieb gab es BLOOD SALVAGE: Jake Pruitt (Danny Nelson) interpretiert den Begriff der „Resteverwertung“ mit seinen beiden schwachsinnigen Söhnen Hiram (Christian Hesler) und Roy (Ralph Pruitt Vaughan) auf eine sehr spezielle Art. Reisende, die sein Revier mit dem Auto durchqueren, werden von Hiram von der Straße abgedrängt, die daraus resultierenden Auto- und Menschenwracks anschließend in der heimischen Garage ausgeschlachtet. Jake ist nämlich nebenbei Organhändler, allerdings im Namen des Herrn unterwegs. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, der natürlichen, aber nicht immer gerechten Auslese entgegenzuwirken und „guten“ Menschen zu einem längeren und besseren Leben zu verhelfen. Zu diesem Behufe sammelt er Halbtote in seiner Werkstatt, die er künstlich am Leben hält, um ihre besseren Teile weiterzuverwenden. Sein Herzensprojekt ist die Heilung der querschnittsgelähmten Jugendlichen April Evans (Lori Birdsong) und die hält sich anlässlich eines Schönheitswettbewerbs mit ihren Eltern (darunter Papa John Saxon) ganz in Jakes Nähe auf …

BLOOD SALVAGE – in Deutschland seinerzeit unter dem Titel MAD JAKE in einer stark gekürzten Fassung auf Video erschienen – wurde von Evander Holyfield mitproduziert, der im selben Jahr Schwergewichtsweltmeister werden und sich ein paar Jahre später von Mike Tyson das Ohr abkauen lassen sollte (er absolviert hier auch einen kleinen Gastauftritt als Kirmesboxer), und kommt mir nach meinen Aussagen über die Vorzüge des Horrorkinos der Eighties im WOLF CREEK-Text sehr gelegen. Zuerst: BLOOD SALVAGE ist kein guter Film. Er ist bestenfalls zweckdienlich und ohne große kreative Höhenflüge inszeniert, geht vor allem mit den filmischen Mitteln des Schnitts, des Tons, aber auch der Kamera eher bodenständig – sprich: unkreativ – um und basiert auf einem Drehbuch, das locker einige Straffungen vertragen hätte. Die Geschichte um den Backwood-Frankenstein Jake wird bar jeden auflockernden Subplots erzählt und kann über die Laufzeit von 95 Minuten Abnutzungserscheinungen nicht verbergen. In der deutschen Version – ich habe mir die miserable Bootleg- DVD angeschaut – hat BLOOD SALVAGE darüber hinaus unter einer plump-lieblosen Synchronisation zu leiden, die die schwarzhumorig-makabren Spitzen und den Südstaaten-Lokalkolorit des Films total nivelliert und den Eindruck erweckt, man habe ein Publikum aus Kleinkindern und Schwachsinnigen angepeilt.

Obwohl Johnstons Film also mit Sicherheit keine Sternstunde seines Genres ist, kann man ihm einen gewissen Charme nicht absprechen. Der besteht vor allem in der originellen und witzigen Prämisse des Films, der einige heftige Nackenschläge an die Fraktion US-amerikanischer Christofaschisten und scheinheiliger Fernsehprediger verteilt und in der Zusammenführung seiner Kritik mit grell-übersteuerten Schreckensbildern dem deutlich besseren MOTHER’S DAY gar nicht mal so unähnlich ist. Jake ist der ins Groteske übersteigerte Gesinnungsgenosse des christlichen Herrenmenschen, der seine wirren Predigten in der deftigsten Szene des Films auch schonmal zwischen den dahinvegetierenden „Organspendern“ hält, die ihm mit gekeuchten und gestöhnten „Amens“ und „Hallelujas“ beipflichten. Und die Polizei, dein Freund und Helfer, sorgt dafür, dass Jake niemand entwischt – eine Backwood-Konstante, die im hier aufgespannten Rahmen noch einen kleinen gesellschaftskritischen Anstrich erhält. Dass sich BLOOD SALVAGE auch sonst schön in sein Subgenre einfügt, ganz selbstverständlich und ohne Spot-the-Reference-Bescheidwisserei eine an Hoopers Referenzwerk erinnernde Männerfamilie mit Muttermumie als Schurken und einen EATEN ALIVE-Assoziationen weckenden Hausalligator aufbietet, macht ihn für mich aller offenkundigen Macken zum Trotz überaus sympathisch. Also: Eher ein Film für Komplettisten und Eighties-Nostalgiker, die aber sofort verstehen werden, warum mir auch so ein mäßiges Filmchen wie dieses irgendwie lieber ist als die knallhart durchkalkulierten und mit allerhand schnöder Technik auf dirty und evil getrimmten Terrorfilmchen neueren Datums (von denen ich – so viel sei fairerweise hinzugefügt – einige ja trotzdem mag).

Der Australier Ben (Nathan Phillips) unternimmt mit den beiden englischen Touristinnen Liz (Cassandra Magrath) und Kristy (Kestie Morassi) eine Tour zum Wolf Creek, einem riesigen Meteoritenkrater irgendwo im Niemandsland des australischen Outbacks. Als die drei von ihrer Wanderung zurückkommen, will ihr billig erstandener Gebrauchtwagen nicht mehr anspringen und sie sitzen fest. Zum Glück eilt nachts Hilfe in Form des etwas merkwürdigen, aber hilfsbereiten Einheimischen Mick (John Jarratt) herbei, der den jungen Leuten anbietet, sie zu seiner Bleibe zu schleppen und dort ihren Wagen zu reparieren. Die Gestrandeten willigen dankbar ein, ohne zu ahnen, dass sie ihre Entscheidung noch bitter bereuen werden: Mick ist ein Serienmörder, der Touristen gleich in Reihe umbringt …

Sweet Smell of Ernüchterung! Nachdem mir WOLF CREEK vor ein paar Jahren im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights ausgezeichnet gefallen hatte, war das gestrige Wiedersehen eine herbe Enttäuschung, die meine in den letzten Wochen und Monaten insgeheim für mich aufgestellte These, dass moderne (sprich: mehr oder minder aktuelle) Horrorfilme dem bei Erstsichtung verströmten Glanz bei weiteren Sichtungen nicht nur höchst selten noch etwas hinzuzufügen wissen, sondern diesen noch nicht einmal aufrechterhalten können, weiter festigt. WOLF CREEK gaukelt mit seiner eröffnenden Texteinblendung, die eine reale Begebenheit als Grundlage des Films angibt, Authentizität vor, kann aber im Verlauf des Films kaum verleugnen, dass auch dies lediglich nur eines der zahlreichen Mittel seiner Affektstrategie ist. Spätestens wenn im blutigen letzten Drittel auch noch das letzte Slasherfilmklischee ausgepackt wird, um die Spannung zu steigern, sich die vermeintlich lebensnahen Protagonisten plötzlich ebenso doof verhalten wie ihre dusseligen Pendants im xten FRIDAY THE 13TH-Sequel, der Killer wie Jason und Co. lustige Wiederauferstehungen feiert, markige One-Liner absondert und überhaupt an Orten auftaucht, an denen er eigentlich gar nicht sein dürfte, merkt man, dass es mit der Authentizität des Films nicht so weit her ist und man sich eigentlich in einem stinknormalen Scareflick befindet, der lediglich mit viel Politur auf ernst und fies getrimmt wurde. Das ist schade, weil WOLF CREEK durchaus über gute Ansätze verfügt, die aber kaum weiter verfolgt werden und nur Kosmetik bleiben. In der schönsten Sequenz des Films etwa, jenen letzten ruhigen Minuten vor dem Sturm, in dene die drei Hauptfiguren den titelgebenden Krater erkunden, ist McLeans Film unverkennbar vom Hauch des Naturmystizismus beatmet, der auch solche australischen Genrefilmen wie PICNIC AT HANGING ROCK, THE LAST WAVE oder LONG WEEKEND durchweht. Eine fremdartige Stimmung liegt in diesen Minuten über den Bildern, die  man auch in sicherer Entfernung vor dem Bildschirm noch spüren kann und die deutlich nachhaltiger beeindruckt als das schnöde Katz-und-Mausspiel, das den eigentlichen Höhepunkt des Films markieren soll. In den letzten Minuten entpuppt sich aber auch dieser positive Aspekt noch als leerer Style, wenn der letzte Überlebende in eine Sonnenfinsternis hineinstolpert, von der vorher nie die Rede war, die nur dazu da ist, um noch ein paar surreale Bilder zu liefern.

Mag sein, dass ich kleinlich bin, aber WOLF CREEK lässt einfach eine klare Linie vermissen: Für einen True-Crime-Film erlaubt er sich zu viele dichterische Freiheiten und Rückgriffe auf Stilmittel des rein fiktiven Genrekinos, die seine Glaubwürdigkeit massiv unterminieren. Was bleibt, ist ein nicht uneffektiver Terrorfilm, der glänzend besetzt und technisch ordentlich gemacht ist, sich aber aus der Masse vergleichbarer Filme nur marginal hervorhebt. Da lobe ich mir doch das – wie ich in den letzten Wochen bemerkt habe – aufgrund einiger zugegebenermaßen blöder Kommerzschoten viel zu schlecht beleumundete Horrorkino der Achtzigerjahre, dessen Vertreter sich noch viel häufiger trauten, eigene Wege zu gehen, und deren Stil deutlich weniger gleichförmig und trist, sondern von Kreativität, Spielfreude und einer ungebändigten Lust am Erfinden und Fabulieren geprägt war, die dann zwar auch mal geschmackliche Ausrutscher und idiotische Ideen produzierte, die man ihnen aber gern nachsah. Es wird jedenfalls Zeit, dass sich der nur noch nervtötende Zynismus und Nihilismus moderner Genrevertreter, den diese dann auch noch als „Realismus“ ausgeben, aber damit doch nur die eigene Ideenarmut und den Mangel an schöpferischer Vision kaschieren wollen, wieder verabschiedet und von einem konstruktiveren Gestus abgelöst wird. Den xten in Braun- und Sifftönen fotografierten Gewaltfilm, der mir erzählt, wie kaputt und schlecht die Welt ist, muss ich jedenfalls nicht mehr sehen. Ich hab’s begriffen, lebe schließlich auch auf diesem Planeten.

In den endlosen Wäldern des amerikanischen Nordwestens stoßen drei Pfadfinder unter der Leitung des schlitzohrigen Butler (Corey Feldman) auf das Versteck von Waffenschmugglern. Deren Schmuggelware – eine Kiste mit Raketenwerfern sowie passender Munition – verstecken die drei kurz entschlossen und planen, die Polizei zu rufen. Doch dummerweise lassen sie etwas am Fundort zurück, was die Bösewichte auf ihre Spur bringt. Es entbrennt eine gnadenlose Jagd …

Ich hatte den Film, der in Deutschland ziemlich willkürlich betitelt als SLAYER auf Video erschien, vor einer halben Ewigkeit zum letzten Mal gesehen und als überaus feinen Actioner mit hohem Booby-Trap-Einsatz in Erinnerung behalten. Anlässlich meiner kleinen Backwood-Reihe ist mir der Film wieder eingefallen und ich habe ihn in Großbritannien als DVD aufgetrieben. Das Wiedersehen war schön, aber durchaus mit einigen kleineren Ernüchterungen verbunden, denn EDGE OF HONOR hängt – nach allerdings furiosem Auftakt – im Mittelteil ziemlich durch und findet erst zum dann aber wirklich geilen Finale wieder zu seiner Form zurück.

Als Backwood-Film ist EDGE OF HONOR eher am Rande interessant, erweitert das Inventar aber durchaus durch ein interessantes Detail: Die Waffenschmuggler sind nämlich ehemalige Holzfäller, die durch den Konkurs ihrer Arbeitgeber gezwungen waren, in andere „Branchen“ umzusatteln. Das Vergessen-Sein der Hinterwäldler, das im Backwood-Film ja immer der Status quo ist, wird hier somit thematisiert und problematisiert. Das sollte man aber nicht überbewerten, weil es von Spence nicht weiter ausgearbeitet wird. Ihm geht es vor allem um die Action und das ist auch eines der Hauptprobleme des Films: Denn angesichts der annähernd ausweglosen Situation der Protagonisten geht alles dann doch irgendwie ziemlich glimpflich aus. Da hatte man auf Seiten der Macher wohl doch Bedenken, die minderjährigen Hauptfiguren einfach so wegzupusten. Das fällt vor allem deshalb so (negativ) auf, weil EDGE OF HONOR in den Auftaktminuten, in denen die Schurken vorgestellt werden, alles andere als zimperlich ist und die Brustkörbe gleich in Reihe explodieren. Realismus sollte man also beim besten Willen nicht erwarten und Suspension of Disbelief ist auch Voraussetzung, um das erwähnte Finale, in dem ausgesprochen wirkungsvolle und elaborierte Booby Traps zum Einsatz kommen, die die schwachbrüstigen Kids in der Kürze der Zeit und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln niemals hätten bauen können, genießen zu können. Das fällt aber recht leicht, weil die Inszenierung dieses Finales ziemlich gut gelungen ist und es einfach schön anzusehen ist, wenn ein Bösewicht von zwei herabschnellenden Baumstämmen zermatscht wird.

Fazit: Ein auf der guten Seite von mittelmäßig stehender Film, der durch seine feinen Naturaufnahmen, einen obereklen Don Swayze, einen brutalen Auftakt und ein einfallsreich-absurdes Finale die Punkte reinholt, die er im lahmen Mittelteil und mit seiner partiellen Eierlosigkeit verspielt. Gucken schadet nicht, Nichtsehen tut aber auch nicht weh.

Die USA in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts: Im beschaulichen Green Town, einer Kleinstadt in Illinois, kommt in einer Herbstnacht der geheimnisvolle Mr. Dark (Jonathan Pryce) mit seiner Kirmes an. Die beiden Schuljungen Will Halloway und Jim Nightshade erkunden nachts die bunten Zelte und Buden und kommen dahinter, dass Mr. Dark mit fremden Mächten im Bunde ist. Doch für einige der Einwohner Green Towns ist es da schon zu spät: Denn die Wünsche, die auf Mr. Darks Kirmes erfüllt werden, gehen für ihre Nutznießer meist nach hinten los …

SOMETHING WICKED THIS WAY COMES ist die Verfilmung des in den USA überaus beliebten gleichnamigen Romans des bedeutenden Science-Fiction- und Fantasy-Autoren Ray Bradbury. Veteran Jack Clayton, der mit THE INNOCENTS für den vielleicht besten Gothic-Horror-Film ever verantwortlich ist, machte aus dem epischen Stoff, der vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, aber auch von einer ergreifenden Vater-Sohn-Beziehung und einer auf eine harte Probe gestellten Kinderfreundschaft erzählt, einen aufwändigen, im vollen Bewusstsein von dessen metaphorischer Kraft inszenierten Fantasyfilm, der zwar in erster Linie auf ein kindliches Publikum zielt (der Film wurde von Disney produziert), aber auch Erwachsenen zu Herzen gehen dürfte, die sich einen Funken Kindlichkeit bewahrt haben. Die Geschichte des kleinen Will, dessen Vater (Jason Robards) an seinem hohen Alter und dem schwachen Herzen vor allem deshalb leidet, weil sie ihn von seinem Sohn von Geburt an „getrennt“ haben, dürfte empfindsame Gemüter kaum kalt lassen, zumal die Schauspieler ihre Rollen mit sehr viel Herzblut und Einfühlsamkeit interpretieren.

Die wunderschöne Ausstattung und der durchaus in Würde gealterte Effektzauber des Film tun ihr Übriges, sodass man auch über einige kleinere, nur kosmetische Schwächen hinwegsieht: Man merkt etwas, dass sehr viel Stoff in ein knappes Drehbuch gepackt wurde und wünscht sich während des Sehvergnügens manchmal, der Film würde sich ein wenig mehr Zeit nehmen, ausharren, und Gelegenheit zum Staunen und Verweilen geben. Gerade in der ersten Hälfte legt der Film ein enormes Tempo vor und überstürzt die Dinge geradezu. Dass die 95 Minuten am Ende wie im Flug vergangen sind, bedauert man zwar nicht wenig, doch scheint mir das letztlich ein Kritikpunkt zu sein, mit dem sich ausgesprochen gut leben lässt.

Rätseln muss man als deutscher Zuschauer vor allem, warum es dieser in jeder Hinsicht erstklassige Film mit Ausnahme einer Fernsehaufführung Mitte der Neunzigerjahre unter dem Titel DAS BÖSE KOMMT AUF LEISEN SOHLEN weder in die deutschen Kinos noch auf Video geschafft hat. Hier bleibt nur zu wünschen, dass der Film wiederentdeckt wird und vielleicht doch noch eine DVD-Auswertung hierzulande erfährt. Gerade wenn man bedenkt, welchen Einfluss Bradburys Roman auf die „Genreliteratur“ in den anglophonen Nationen – und somit natürlich auch auf Genrefilme – hatte, ist eine solche Veröffentlichung eigentlich überfällig: Stephen King beruft sich gleich in mehreren seiner Werke auf Bradburys Geschichte (am deutlichsten m. E. in „Needful Things“, der aus der Kirmes lediglich einen Kramladen macht) und auch in Barkers „The Hellbound Heart“ bzw. HELLRAISER lassen sich Parallelen finden (die Cenobiten sind lediglich eine sadomasochistisch verzerrte Version von Mr. Darks „Autumn People“). Abgesehen von solchen paratextuellen Verbindungen ist Clayton aber einfach ein wunderschöner, emotionaler Film gelungen, wie sie heute einfach nicht mehr gemacht werden und deshalb umso wertvoller sind. Ich hoffe jedenfalls, dass sich einige meiner Leser von diesem Text haben überzeugen lassen und sich schleunigst die RC-1-DVD zulegen.

Zwei Grabräuber benutzen die Gruft, die sie ausräumen wollen, auch gleich noch als Giftmülldeponie. Als das Gift durch ein Beben austritt, wird eine der Leichen zum Leben erweckt. Die junge Untote (Francoise Blanchard) begibt sich gleich zu ihrem ehemaligen Zuhause: dem Schloss Valmont, wo ihre einstige beste Freundin Hélène (Marina Pierro) immer noch wohnt. Beide verband als Mädchen eine Blutsschwesternschaft, die auch den Tod überdauert zu haben scheint …

Ich bin geneigt zu sagen, dass LA MORTE VIVANTE je nach Persepktive entweder eine idealer oder aber ein denkbar schlechter Einstieg ins Werk Rollins ist. Für mich war es anno dunnemals ebenfalls der erste Rollin und interessiert hatte er mich vor allem wegen der Beschlagnahmung, die ihn unter seinem deutschen Titel LADY DRACULA (nicht zu verwechseln mit dem Siebzigerjahre-Lustspielfilmchen) ereilt hatte. Die sanfte Irritation, die er damals bei mir auslöste, kann ich mit der bis heute erworbenen Kenntnis zahlreicher weiterer Filme des Franzosen ganz gut einordnen: LA MORTE VIVANTE scheint ein Versuch (ob von Rollin oder seinen Produzenten initiiert, kann ich nicht beurteilen) gewesen zu sein, im damals von Zombies und Kannibalen geprägten europäischen Splatterfilm Fuß zu fassen. Die wahrhaft bestialischen FX brauchen den Vergleich mit den bekannteren Werken dieser Strömung nicht zu scheuen, muten aber gleichzeitig wie Fremdkörper in einem Film an, der trotz einiger Zugeständnisse an ein breiteres Publikum – es gibt eine amerikanische Pseudoprotagonistin, die Geschichte ist recht linear und eingängig erzählt – unverkennbar Rollin ist.

Im Kern des als Zombiefilm maskierten LA MORTE VIVANTE steht wieder einmal die an homoerotische Liebe grenzende Freundschaft zweier Frauen, die durch dunkelromantische Vorgänge auf eine harte Probe gestellt wird. Wie gewohnt gibt es barocke Settings zu bestaunen, geht der Film ein ganz eigenes schlafwandlerisch-verträumtes Tempo und kümmert sich – bis auf die genannten Ausnahmen, die vor diesem Hintergrund umso stärker als solche hervortreten – nur wenig um gängige Konventionen. Und deshalb fällt es mir auch nach wie vor schwer, mich im Anschluss an meine Einstiegsbehauptung für eine „Antwort“ zu entscheiden: Den Rollin-Freund wird das unpassende Blutvergießen in gleichem Maße stören, wie er die pulpig-surrealen Umwege, auf denen sich der Regisseur sonst so schön zu verlieren pflegt, vermisst. Der unbedarfte Horrorfan hingegen könnte mit LA MORTE VIVANTE von allen Rollins zwar vielleicht noch am ehesten warm werden, doch steht zu vermuten, dass ihm für echte Begeisterung immer noch zu viel Rollin in diesem angeblichen Zombiefilm steckt. Mir hat der Film gestern eigentlich ganz gut gefallen, was dafür spricht, dass man LA MORTE VIVANTE doch am besten einschätzen kann, wenn man sich im Werk des Regisseurs vorher ein bisschen orientiert hat. Dann wird einem das tragische Finale den wohligen Schauer bescheren, den Rollins Filme im besten Fall evozieren.