prison (renny harlin, usa 1988)

Veröffentlicht: Juli 1, 2010 in Film
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Weil Geld für ein modernes Gefängnis fehlt, wird kurzerhand eine Strafanstalt in Wyoming in Betrieb genommen, die seit 20 Jahren geschlossen war. Als Wärter wird Eaton Sharpe (Lane Smith) eingesetzt, ein harter Hund, der eine besondere Bindung zu seinem Arbeitsplatz hat: Vor mehr als 20 Jahren führte er dort den Verbrecher Forsythe wegen Mordes zum elektrischen Stuhl. Doch dessen Geist scheint immer noch sein Unwesen in dem alten Gemäuer zu treiben, denn kurz nachdem die neuen Gefangenen ihre Zellen bezogen haben, gibt es die ersten mysteriösen Todesfälle …

PRISON ist Harlins zweite US-Produktion (nach dem Actionfilm BORN AMERICAN), verschaffte dem mittlerweile renommierten Viggo Mortensen seine erste Hauptrolle und prädestinierte den finnischen Regisseur geradezu für den noch im selben Jahr in Angriff genommenen NIGHTMARE ON ELM STREET IV: THE DREAM MASTER. Sein inszenatorisches Geschick, das er im Verlauf der Neunzigerjahre noch in mehreren erfolgreichen Hollywood-Filmen beweisen sollte (u. a. in DIE HARD 2, CLIFFHANGER, THE LONG KISS GOODNIGHT und DEEP BLUE SEA), kommt in PRISON schon deutlich zum Vorschein: Harlin versteht es ausgezeichnet, eine Geschichte durch geschickten Einsatz von Bild und Schnitt, cleveres Bedienen der Konvention und ohne Rückgriff auf umständliche, erklärende Dialogszenen zu erzählen. So schneidet er etwa von der einleitenden Rückblende, die die Exekution Forsythes schildert, direkt auf den in der Gegenwart schweißgebadet und schreiend aufwachenden Sharpe, und etabliert so nicht nur den zeitlichen Rahmen seiner Geschichte, sondern auch schon das Trauma des Wärters, das – wie man hier schon ahnt – natürlich einen im weiteren Verlauf des Films aufzudeckenden, tiefer liegenden Grund hat. Überhaupt genügen ihm meist vage Andeutungen, um dem Zuschauer eine Ahnung von der Art der Bedrohung zu verschaffen. Harlin entpuppt sich als Genrekenner, der genau weiß, welche Informationen seine Zuschauer benötigen, was man ihnen explizit mitteilen muss und was sie sich aus ihrem Kontextwissen selbst erschließen können. Das eröffnet ihm die Möglichkeit, mit den Genre-Versatzstücken und auch dem Zuschauer zu spielen: Er nutzt etablierte Genreklischees zunächst, um die Erwartungen seiner Zuschauer zu bedienen, ihnen so den „Einstieg“ zu erleichtern, nur um diese Klischees in Folge zu demontieren, den Zuschauer folglich auf dem falschen Fuß zu erwischen. Man betrachte nur einmal, was Harlin hier mit der in keinem Knastfilm fehlen dürfenden „Morgan-Freeman-Figur“ anstellt …

Bevor meine Renny-Harlin-Begeisterung, die leider nicht allzu viele Menschen mit mir teilen, mit mir durchgeht: PRISON ist kein filigranes Regiemeisterwerk, kein mit dem Stempel des Horrorfilms stigmatisiertes und missverstandenes cineastisches Kunstwerk, sondern einfach ein unterhaltsamer, versiert erzählter und ausnahmsweise sogar einmal glaubwürdiger Schocker, der trotz seiner Spieldauer von 100 Minuten gut reinläuft, sein Tempo über die gesamte Zeit hält und niemals mit Offensichtlichkeiten nervt. Seine drei, vier doch recht happigen Szenen bescherten der deutschen Fassung einige unschöne Schnittwunden und sind – um im Bild zu bleiben – die Feile im Kuchen. Das knallige Finale mag vielleicht etwas kurzatmig erscheinen, wenn man es aber mit den unzähligen verkorksten Horrorfilm-Enden vergleicht, in denen der vorher geduldig aufgebaute Schrecken entweder in langen Monologen zerredet wird oder aber so oft Wiederauferstehung feiert, dass es einem irgendwann egal ist, muss man seine Ratzfatz-Attitüde einfach mögen. Ein schöner, richtig gut gemachter Horrorfilm, den ich THE SHAWSHANK REDEMPTION jederzeit vorziehen würde.

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Habsch noch nie jesehn 😦

  2. Oliver sagt:

    Dann aba mal hurtig!

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