the unseen (peter foleg, usa 1980)

Veröffentlicht: Juli 2, 2010 in Film
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Drei weibliche Reporter, darunter Jennifer Fast (Barbara Bach), die sich gerade von ihrem Freund, dem Ex-Footballprofi Tony (Douglas „Howie Munson“ Barr), getrennt hat, fahren für eine Reportage aufs Land. Dort angekommen müssen sie leider feststellen, dass ihre Hotelbetten bereits anderweitig vergeben sind. Hilfe naht in Gestalt des drolligen Mr. Keller (Sidney Lassick), der die drei Damen kurzerhand in seinem großen Haus unterbringt, das er mit seiner Frau Virginia (Leila Goldoni) bewohnt. Die scheint über die Ankunft des Besuchs jedoch alles andere als erfreut, bricht sogar in Tränen aus. Sie ahnt wohl schon, was kommen wird, denn der degenerierte Sohn im Keller ist etwas ungeschickt im Umgang mit neuen Spielkameraden …

Dieser einem gewissen „Peter Foleg“ zugeschriebene Film wurde eigentlich von Danny Steinmann inszeniert, der später mit dem herrlichen SAVAGE STREETS und FRIDAY THE 13TH: A NEW BEGINNING (dem „einzigen Teil der Jason-Endlosreihe ohne Jason“, wie es einst Andreas Bethmann, seines Zeichens Poet, Filmemacher und DVD-Philologe extraordinaire in der von ihm herausgegebenen Kulturpostille „Art of Horror“ in seinen unverwechselbar geschliffenen Worten niederschrieb) von sich Reden machen sollte, bevor er seine Karriere frustriert an den Nagel hing. Er hatte nicht so richtig viel Glück im Filmgeschäft und das fing schon bei THE UNSEEN an, mit dessen Final Cut, bei dem seiner Meinung nach zu viele horrible Momente getilgt worden waren, er alles andere als einverstanden war und seinen Namen deshalb aus den Credits entfernen ließ. Zwar ist diese Haltung absolut nachvollziehbar (ich setze voraus, dass die Geschichte stimmt), THE UNSEEN als Horrorfilm tatsächlich nur halb gelungen, doch muss man Steinmann entgegnen, dass die gegen seinen Willen vorgenommenen Änderungen seinen wahrscheinlich guten, aber mutmaßlich doch auch eher wenig nachhaltigen Horrorfilm erst in das makabre, zielsicher zwischen den Abteilungen „Horror“, „Schwarze Komödie“ und „Familientragödie“ landende Absurdion verwandeln, das er ist und das dann auch über die Endcredits hinaus noch einige Fragen aufwirft. Das „Ungesehene“ des Films, der durch die elterliche Verletzung des Inzesttabus degenerierte und im Keller eingesperrte Sohn, darf zwar ein paar hübsche Damen ermorden, doch entpuppen sich diese Morde am Ende schließlich als Unfälle und das vermeintliche „Monster“ als körperlich unbeherrschtes, aber letztlich doch harmloses Menschentier. Das hat zur Folge, dass man sich als Zuschauer am Ende zwar etwas um den Showdown betrogen fühlt – statt blutigem Monsterhorror gibt es eher eine sleazige Hommage an KING KONG oder DIE SCHÖNE UND DAS BIEST – doch verleiht dieser Twist dem Film erst eine gewisse Schwere und Originalität, die ihn von vergleichbarem Geschnatter abhebt.

Die geschilderte inhaltliche Disparität der Elemente setzt sich dann auch in der formalen Umsetzung des Films fort, der auf anämische, plump inszenierte Klischeeszenen, holprige Szenenabfolgen und nur halbgar umgesetzte Ideen immer wieder großartige und vor allem originelle Sequenzen folgen lässt. Ärgert man sich noch über die damals schon abgegriffene und hier vor allem nur bedingt funktionierende Parallelmontage einer Mordszene und einer Hühnerschlachtung, erfreut Steinmann das Herz des Zuschauers mit der cleveren Inszenierung eines inneren Monologs des Schurken mit dessen längst verstorbenem Vater: eine Szene, die vor allem deshalb so clever ist, weil sie ihre Cleverness zunächst hinter einer Fassade der Einfalt verbirgt und ihr wahres Gesicht erst zum Ende hin offenbart. Und rätselt man am Ende, welche Funktion denn eigentlich dem komplett formelhaften und in dieser Form vor allem zwecklosen Subplot um Jennifers Exfreund zugedacht war, so versöhnt einen das traurige Schlussbild, das dem Monster des Films ein beachtliches Maß an Würde zugesteht: Ein Faktum, das umso bemerkenswerter ist, wenn man bedenkt, welche Vorurteile über körperlich Deformierte der Horrorfilm sonst so gern schürt und bedient.

Fazit zum Schluss: THE UNSEEN auf den ich mich aufgrund seiner Thematik – Filme um degenerierte Familienmitglieder, die im Keller herumspuken, üben auf mich einfach eine magische Anziehungskraft aus! –  und der Aussicht auf angeschmuddelten Seventies-/Eighties-US-Horror immens gefreut habe, ist zwar nicht ganz der Kracher, den ich mir erhofft hatte, aber eigentlich doch irgendwie besser als dieser von mir erhoffte Film. In seiner inneren Unentschiedenheit und Uneinheitlichkeit ist er nämlich kaum mit einem anderen Horrorfilm vergleichbar. Und Sidney Lassick, der kugelrunde Giftzwerg aus ONE FLEW OVER THE CUCKOO’S NEST, gibt als Mr. Keller eine brillante Vorstellung ab, die einen gnädig darüber hinwegsehen lässt, dass sein Gegenüber Barbara Bach – ausgestattet mit einem grotesk überformten puppenhaft-schrumpfköpfigen Barbiegesicht – alles ist, nur keine Schauspielerin.

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