humongous (paul lynch, kanada 1982)

Veröffentlicht: Juli 5, 2010 in Film
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1946: Bei einer Feier wird Ida Parsons von einem betrunkenen Verehrer erst bedrängt und dann vergewaltigt, bevor ihr einer ihrer Hunde zu Hilfe kommt und dem Angreifer die Kehle zerfetzt. 30 Jahre später machen fünf Jugendliche eine Bootsfahrt, bis díe typischen Streitereien dazu führen, dass ihr Boot nachts vor der so genannten Hundeinsel aufläuft und explodiert. Wie die Protagonisten erfahren, heißt die Insel so, weil ihre einzige Bewohnerin – eben jene Ida Parsons – dort völlig zurückgezogen mit ihren Hunden lebt, die für jeden, der die Insel betritt, eine Bedrohung darstellen. Diese Erfahrung müssen auch die Gestrandeten machen, bis sie herausfinden, dass weder Mrs. Parsons noch ihre Hunde noch am Leben sind. Aber wer will ihnen dann an die Gurgel?

Paul Lynch erlangte mit seinem in der Hochzeit des Slasherfilms entstandenen PROM NIGHT seine 15 Minuten Ruhm. HUMONGOUS war zwei Jahre später sein nächster Film und egal welches Nachschlagewerk man auch zu Rate zieht, überall ist man sich einig, es hier mit einem Rohrkrepierer erster Güte zu tun zu haben. HUMONGOUS sei langweilig, billig und unambitioniert runtergekurbelt und außerdem auch noch viel zu dunkel fotografiert, sodass man noch nicht einmal sein Monster, das doch der einzige Clou des Filmes ist, richtig zu Gesicht bekommt. Diese Vorwürfe kann ich hier nicht ganz entkräften, verfügt HUMONGOUS doch – wie schon der in meinen Augen höchst mäßige PROM NIGHT – tatsächlich über einige kapitale Mängel. Wenn man sich aber darauf einstellt, dass Lynchs Film zwar beileibe kein Meisterwerk seines Genres ist, aber doch irgendwie ein reichlich abseitiges Nischenprodukt, das sich von zwar besseren, aber nicht unbedingt originelleren Vertretern der Slasherzunft abhebt, lassen sich diese Schwächen durchaus positiv umdeuten. Was spricht für HUMONGOUS? Zunächst einmal sind da das hübsch atmosphärische Setting und die unheimliche Grundidee um die Hundeinsel und ihre einzige menschliche Bewohnerin, die den Film auch dann noch stimmungsvoll unterfüttern, wenn auf der Leinwand eigentlich gar nix passiert (in dieselbe Kerbe haut die schöne Creditsequenz mit dem melancholischen Score und den vergilbten Parsons’schen Familienfotos). Außerdem muss man einräumen, dass Lynchs Film in seiner an Leere grenzenden erzählerischen Reduktion beinahe radikal zu nennen ist: Zeichnen sich Slasherfilme allesamt über eine inhaltliche Einfachheit aus, so steigert Lynch diese in HUMONGOUS noch so weit, bis auf seine Prämisse kaum noch etwas übrig ist. Der Eindruck von Leere wird übrigens von der deutschen Pornosynchro noch unterstrichen, die den Protagonisten auch in höchster Lebensgefahr noch eine fast lebensmüde zu nennende Lustlosigkeit und Lethargie verleiht. Und die Tonabmischung, die die Explosion eines Bootes auf ein sanftes „Puff“ reduziert, trägt zum Eindruck traumgleicher Jenseitigkeit genauso bei wie die jeglicher Spitzen beraubte Farbpalette, die alles auf durch eine Milchglasscheibe betrachtete Grautöne herunterbricht. Nach knapp 90 Minuten, in denen nur wenig passiert und das, was passiert, mit maximaler Unaufgeregtheit (um nicht zu sagen: Teilnahmslosigkeit) inszeniert wird, ist der Spuk vorbei. Ich hänge HUMONGOUS immer noch hinterher, obwohl es weder besonders einprägsame Szenen noch sonstige Eye Candies und Gimmicks gegeben hätte. Ein seltsames Teil, bestimmt kein guter Film, aber doch einer dieser am Rande von „langweilig“ entlangschlitternden Exploiter, die bei mir immer Eindruck machen.

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Kommentare
  1. […] 2 gibt es ein ganz ähnliches Segment) hinwegtäuscht. Während der eben von mir beschriebene HUMONGOUS alle Nebenkriegsschauplätze vermeidet und sich ganz auf seine Prämisse verlässt, also auf einem […]

  2. Alex sagt:

    So richtig Scheiße konnte ich den trotz offensichtlicher Defizite auch nicht finden. Streckenweise gelingt tatsächlich eine recht eigenartige Atmosphäre, was an dem Gothic-Touch des Settings liegen mag – in den 80ern bekam man dergleichen ja eher selten serviert.

    • Oliver sagt:

      Ja, und ich finde sogar, dass der Film von der Nicht-ganz-Enthüllung seines „Monsters“ erheblich profitiert.

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