the unnamable returns (jean-paul ouellette, usa 1993)

Veröffentlicht: Juli 14, 2010 in Film
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Nach den Ereignissen des ersten Teils begibt sich Randolph Carter (Mark Kinsey Stephenson) gemeinsam mit dem Wissenschaftler Professor Warren (John Rhys-Davies) in das Tunnelsystem unter dem Winthrop-Haus, um dort das Monster aufzuspüren, das sich als die von einem Dämon besessene Tochter des alten Winthrop herausgestellt hat. Mit einer Dosis Insulin (!!!) schaffen die beiden es, Tochter und Dämon zu trennen, wofür sie mit der wunderschönen, nackten und leicht begriffsstutzigen Alyda Winthrop (Maria Ford) und einem amoklaufenden Monster (Pin-Up-Girl und Andy-Sidaris-Muse Julie Strain, leider in zentnerdickem Monster-Make-up) belohnt werden, das es in der Folge unschädlich zu machen gilt.

Sequels, die unmittelbar an den Vorgänger anschließen, haben bei mir ein Stein im Brett. So punktet auch THE UNNAMABLE RETURNS zunächst, weil er sich jedes lange einleitende Geplänkel klemmt und ohne Umschweife zur Sache kommt. Alles sieht ein kleines bisschen besser aus als im ersten Teil, die wiederkehrenden Hauptdarsteller haben in der Zwischenzeit etwas dazugelernt und die beiden Veteranen Rhys-Davies und David Warner (als Universitätsdekan), die auch den Karl-May-Festspielen von Reit-im-Winkel noch shakespearianische Gravitas verleihen würden, werten das Geschehen gehörig auf. Es ist einfach eine Wonne, mitanzusehen, wie Rhys-Davies diesen Schwachsinn mit größtmöglichem Einsatz und ohne mit der Wimper zu zucken absolviert, seine Meinung zur Empirie mit den Worten „I am a scholar, not a field man“ auf den Punkt bringt und mit der Dialogzeile „Scholarly vanity triumphs over common sense!“ hinabsteigt in das Pappmaché-Höhlensystem, was man durchaus auch als Metapher für den Zustand seiner Filmkarriere verstehen darf. Ouellette legt sein Sequel deutlich als Horrorkomödie an und fährt damit zunächst ganz gut: Wenn sich die unbedarfte Alyda, die die letzten Jahrhunderte im Körper eines Monsters eingesperrt war und demzufolge nicht ganz auf der Höhe des Geschehens ist, sich splitterfasernackt mit gerecktem Popo auf dem Bett von Randolphs Studentenbude räkelt, ohne etwas daran zu finden, Randolph angesichts dieser schweren Prüfung seinerseits ganz dem Körperlichen abholder Geistesmensch bleibt, die Situation also mit der Souveränität eines wahren Asketen meistert, ist das ein früher Höhepunkt (ähem …) des Films. Über die gesamte Spieldauer von knapp 100 Minuten nutzt sich der Witz allerdings etwas ab und weil der Horroranteil bis dahin sträflich vernachlässigt wurde, hat THE UNNAMABLE RETURNS ein echtes Problem. Das Monster sieht immer noch gut aus, wird aber sowohl seiner Tragik als auch seiner Bedrohlichkeit beraubt. Man sieht es zu früh, zu oft und zu gut und weil sich der Film gegenüber dem Vorgänger in deutlich besiedelteren Gefilden abspielt, will einfach keine echte Stimmung aufkommen. Lovecraft ist bis auf das Plot-Device des Necronomicon und ein paar Wortbrocken in Cthulhuanisch logischerweise ebenfalls denkbar weit entfernt und so plätschert THE UNNAMABLE RETURNS nach herrlichem Auftakt wie ein versickerndes Bächlein seinem Finale entgegen, bevor er sich wie die adrette Alyda zur ew’gen Ruhe bettet. 

Wirklich schade: Der erste Teil ist atmosphärisch dichter und eben ein echter Horrorfilm, dafür aber über weite Strecken recht zäh und unaufregend, das Sequel zwar deutlich unterhaltsamer, aber eben kaum noch als Horrorfilm zu bezeichnen. Amateurregisseure und -Editoren seien hiermit aufgefordert, sich an einem Remix zu versuchen, das Beste aus beiden Filmen zu kombinieren, den Tinnef über Bord zu werfen und so einen halbwegs zufriedenstellenden UNNAMABLE-Film zu kreieren, der dann via Youtube seiner wahren Bestimmung zugeführt werden kann. Nur Julie Strain bekommt man auch dann noch nicht in voller Pracht zu Gesicht. Ein Jammer aber auch …

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Wenn wir uns (hoffentlich in Bälde, hab ja heute erfolgreich den letzten Schuljahrstag hinter mich gebracht) das nächste Mal treffen, würde ich mir gern die beiden „Unnamable“-Filme ausleihen. Mochte die früher sehr gern 🙂

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