prime evil (roberta findlay, usa 1988)

Veröffentlicht: Juli 15, 2010 in Film
Schlagwörter:, , , ,

Ein abtrünniger Zweig der christlichen Kirche hat es sich zum Ziel gesetzt, dem Teufel zu einer triumphalen Rückkehr zu verhelfen. Unter der Leitung des charismatischen Pfarrers Thomas Seaton (William Beckwith) soll ihm zu Weihnachten das letzte und entscheidende Opfer dargebracht werden: Alexandra (Christine Moore), die Enkelin eines der Sektenangehörigen, die immer noch daran zu knabbern hat, als Kind von ihrem Vater missbraucht worden zu sein, und leichte Beute für den väterlich-verständnisvollen Seaton ist, von dem aufgrund seines Berufes keine sexuelle Gefahr für Alexandra auszugehen scheint. Doch in den Reihen der Satanisten befindet sich auch Schwester Angela (Mavis Harris), eine Nonne, die von der Kirche als Undercover-Agentin in die Sekte eingeschleust worden ist …

PRIME EVIL ist ein zweischneidiges Schwert, aber zumindest auf beiden Seiten gleichermaßen schlecht geschliffen. Zunächst versteht es die Sleaze- und Trash-erfahrene Roberta Findlay ganz gut, die Klippen des unfreiwilligen Humors zu umschiffen: Anstatt auf Hokuspokus und Effekt-Buhei zu setzen, inszeniert sie ihren Film als „seriösen“ Okkultthriller. Im Mittelpunkt der Geschichte, die sie von mehreren Enden gleichzeitig aufrollt, steht Alexandra, deren Kindheitstrauma ausführlich ausgebreitet wird. Das erzeugt Sympathie und hilft, die Spannung gaaaanz laaaangsam ansteigen zu lassen, das für diese Art von Film so wichtige Gefühl des nahenden Unheils aufkeimen zu lassen. Die nur mittelprächtigen Schauspieler kommen allesamt besser weg, als man annehmen sollte, und dass die einzelnen Erzählstränge und Subplots lange nebeneinander herlaufen, bevor sie schließlich zusammengeführt werden, hält das Interesse lange wach. Diese Aussage impliziert aber bereits, dass die Geduld irgendwann ein Ende hat. Der dramaturgische Bogen wird in PRIME EVIL so weit überspannt, bis das Interesse am Ausgang der Geschichte schließlich völlig verpufft ist. Findlay schafft den Übergang vom glaubwürdigen Okkultismus-Thriller zum apokalyptischen Satanistenhorror einfach nicht: PRIME EVIL ist wie ein nicht enden wollendes Vorspiel, auf das dann schließlich nur noch der pflichterfüllende Quickie folgt, weil die Energie für mehr einfach nicht mehr reicht. So wirkt das Finale, bei dem dann auf einmal auch ein Latexteufelchen seinen Auftritt feiern darf, bevor es mit dem Katzendolch weggemeuchelt wird, reichlich deplaziert; so als wollte Findlay den sich verprellt fühlenden Horrorfans eine kleine Wiedergutmachung bieten, die aber letztlich auch wieder nur die Unschlüssigkeit des ganzen Films spiegelt. Der Subplot um die Undercover-Nonne, der doch eigentlich Stoff für schöne Horror-Exploitation geboten hätte, ist völlig vergeudet, wie man insgesamt sagen muss, dass PRME EVIL den Eindruck macht, als habe sich Findlay mit dem überambitionierten Drehbuch etwas verhoben. Hätte sie den ein oder anderen Subplot rausgeschmissen oder einfach den Kreis der handelnden Personen reduziert, dann hätte PRIME EVIL durchaus das Zeug zum kleinen Okkulttrasher gehabt. Herrlich ist etwa die Szene, in der eine Frau, die zu Hause von einem Meuchelmörder attackiert wird, auf ihren Ohrensessel hüpft und das Gesicht in der Lehne vergräbt. Solcherlei überdrehten Quark gibt es leider viel zu selten. So mutet PRIME EVIL  leider wie ein zwar schundiger, aber vor allem blutleerer und langatmiger Fernsehkrimi mit Okkultbezug an, dem die vielen ins Leere laufenden Handlungsstränge jede Durchschlagskraft rauben. Letztlich bleibt nur ein Satanistenpfarrer, der aussieht wie ein wiedergeborener Francois Truffaut. Immerhin.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.