delta force 3: the killing game (sam firstenberg, usa 1991)

Veröffentlicht: Juli 21, 2010 in Film
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Bei einer Nahost-Friedenskonferenz in Moskau verübt eine Selbstmordattentäterin einen Anschlag auf den Friedenspreisträger. Sie tut dies im Auftrag von Kadal (Jonathan Cherchi), dem Anführer des islamistischen Staates Sudalia, der die Gelegenheit nutzt, um die westliche Welt per Fernsehbotschaft zu erpressen: In den USA soll eine Atombombe von einem seiner Männer gezündet werden. Die Delta Force soll Kadal unter der Führung von Charlie (Nick Cassavetes) aus seiner Festung entführen und ihm den Namen des Attentäters entlocken. Die Mission steht jedoch zunächst unter einem schlechten Stern, denn unverhofft wird den amerikanischen Soldaten eine russische Einheit zur Seite gestellt. Die ehemals verfeindeten Männer müssen sich zusammenraufen, um die Katastrophe zu verhindern …

Es ist irgendwie putzig: Als DELTA FORCE 3 1991 in den deutschen Videotheken landete, da habe ich mich ihm verweigert. Als Verehrer der ersten beiden Teile (das Poster zum Sequel zierte damals meine Zimmertür) konnte ich es nicht gutheißen, dass man eine Fortsetzung ohne den von mir so verehrten Chuck Norris gedreht hatte. Ein Sakrileg! Der Blick auf die wenig beeindruckenden 08/15-Fressen auf dem Cover festigte meine ohnehin bestehende Meinung nur noch. Ich habe Firstenbergs Film jetzt nach fast 20 Jahren der selbstauferlegten Askese gesehen und kann nur sagen: Ich tat damals wohl ganz gut daran, mich ihm zu verweigern. Damit will ich nun aber keineswegs andeuten, dass DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME schlecht ist, sondern lediglich, dass er mir, dem von Eighties-Action geprägten Teenie, damals wahrscheinlich wirklich nicht gefallen hätte. Die Abwendung vom kernig-pflichtbewussten Supersoldaten Norris hin zu den unbekannt-durchschnittlichen Mimen, die den dritten Teil bevölkern, ist durchaus programmatisch und wird auch durch die Tatsache, dass es sich bei diesen um die Söhne weitaus berühmterer Schauspieler handelt (neben Cassavetes agieren Mike Norris, Matthew Penn und Eric Douglas), nicht abgefangen. Anstatt der ikonischen Inszenierung des ersten Teils, der trotz aller Anlehnung an reale Begebenheiten stets auch eifrig bemüht war, Norris als amerikanischen Mythos abzulichten (man denke nur an die Aufnahme, die ihn auf dem Motorrad sitzend als Silhouette vor der aufgehenden Sonne einfängt), gibt es hier sachlich-nüchternes Teamwork ohne herausstechende Helden. Die Mannschaft ist der Star. Zwar ähnelt Firstenbergs Film in Dramaturgie und Setting durchaus noch Golans DELTA FORCE – in seiner Erzählhaltung weckt er Erinnerungen an den dokumentarisch-unterkühlten Agenten- und Söldnerfilm der Siebzigerjahre -, doch verzichtet er auf jene markigen Übertreibungen, die Golan immer wieder einstreute: keine Ballereien mit Panzerfäusten, kein breit angelegter Endkampf gegen den Schurken, kein mit Raketenwerfern bestücktes Motorrad, keine mit dem Star-Spangled-Banner bedeckten Särge und tränenreichen Abschiedszeremonien. Hier wird der Krieg gearbeitet und nicht gelebt.

All diese Abweichungen und Modifizierungen haben natürlich eine Ursache: Der Konflikt zwischen den Amerikanern und Russen, der mit zunehmender Dauer erst dem gegenseitigen Respekt und dann der Freundschaft weicht, ist das deutlichste Zeichen für den geopolitischen Wandel, der sich in den Jahren zwischen Teil 1 und 3 vollzogen hat und sich entsprechend in einem anderen Ton von Firstenbergs Film niederschlägt. Zwar müssen sich – wie auch in Zitos RED SCORPION – vor allem die Russen ändern und bewähren, um als gleichwertige Menschen gelten zu dürfen, aber immerhin gesteht man ihnen diese Fähigkeit nun überhaupt zu. In der Partnerschaft zwischen Sam (Eric Douglas) und Pietre (Mark Ivanir) wird das ganz explizit gemacht: Als der Russe dem Amerikaner vor dem Einsatz gesteht, nach erfüllter Mission in den USA bleiben zu wollen, beziffert Sam die Wahrscheinlichkeit der Erfüllung dieses Wunsches mit 60 : 40, nur um dieses Verhältnis im Verlauf des Films immer weiter zu korrigieren. Freilich, man ahnt es schon, wird die 50 : 50-Marke erst erreicht, wenn Pietre sterbend darniederliegt, was Sam dann die Gelegenheit gibt, den genretypischen Amoklauf zu starten, der auch seinen Tod zur Folge hat. Die Annäherung der beiden Blöcke wird durch zwei Fakoren begünstigt: Zum einen durch die Anwesenheit der attraktiven Irenka (Hana Azoulay-Hasfari), die alle Zweifel mit ihrem Sex-Appeal wegwischt, zum anderen durch die Existenz eines neuen gemeinsamen Feindes, auf den man den Hass projezieren kann, den man vorher füreinander reserviert hatte. Die Moslems sind – natürlich – vollkommen undifferenziert gezeichnet, oszillieren zwischen den sympathischen Charaktereigenschaften „religiös verblendet“, „gewissenlos und machtgeil“ und „tierhaft brutal“. Selbst die Zivilbevölkerung kommt nicht gut weg: Als den verkleideten Soldaten ein Junge vor den Transporter läuft und erschrocken, aber ohne verletzt zu werden, zu Boden geht, bildet sich sogleich ein hysterisch kreischender, die Hände gen Himmel reckender Mob um den Wagen, der erst durch das Eingreifen des Militärs aufgelöst werden kann – wohlgemerkt nachdem Irenka die Waffen der Frau am Kommandanten entsprechend abgewetzt hat.

Man merkt DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME an, dass er in einer Zwischenperiode entstanden ist: Die Sowjetunion war zwar nicht mehr der Feind, aber was wirklich folgen würde, welche Konsequenzen sich daraus ergeben würden, war noch ungewiss. Man konnte sich die Welt offensichtlich noch nicht ohne das Blockdenken vorstellen und so ersetzte man die Russen einfach durch einen neuen gemeinsamen Feind. Es müssen zwar keine Fahnen mehr geschwenkt werden, um das eigene Ego zu stärken, aber ansonsten wird sich nichts Wesentliches ändern. Vielleicht ist es dieser Glaube, der im Untertitel THE KILLING GAME steckt: Der Mensch ist des Menschen Wolf und die Regeln des Spiels sind nun einmal wie sie sind. Aber die Welt vor dem Bösen zu retten, ist keine heilige Aufgabe mehr, sondern nur noch ein Job.  Die karatekämpfenden Superhelden sind passé, die nächste Generation kann ins Feuer geschickt werden, eine, die zwar ihre eigenen Methoden hat, aber durch deren Adern eben noch das Blut der Väter fließt. So ist DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME: Ein bisschen was Anderes, aber eben noch nichts ganz Neues. Nicht mehr ganz Achtzigerjahre, aber längst noch nicht Neunzigerjahre. Die Witze sollten erst noch folgen.

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    @ „Delta Force 3“ – Verweigerungshaltung: Genau so geht es mir; habe mich bis dato auch noch nicht rangewagt. Dein Bericht ist da ja nur ernüchternd 🙂

  2. Oliver sagt:

    Nee, nee, guck dir den ruhig mal an. Ist wie gesagt nichts zum Mitgehen und Abfeiern, aber sehenswert ist er trotzdem.

    • Funxton sagt:

      Na gut, ich habe ja noch einen Abzug von Marcos hier und momentan ausreichend Zeit. Vll. ein DF mit „Marine Fighter“…

  3. Ich bin – gelinde gesagt – ein wenig erschüttert, in welchen Zusammenhängen ich so auf das Bubi von Gena Rowlands stosse. Schon seine Regiearbeiten (insbesondere „The Notebook“) haben etwas seiner Eltern Unwürdiges; und jetzt erinnerst du mich auch noch an seine Sünden als Schauspieler…

  4. Oliver sagt:

    @ Whoknows Best

    Ich kenne noch einen ganz schmierigen „Erotikthriller“ aus den Neunzigern mit ihm, in dem er einen Psychotherapeuten spielt, der es überwiegend mit nymphomanen Damen zu tun bekommt – eine von ihnen ist Sandahl Bergman … Einer dieser üblen BASIC INSTINCT-Nachzieher halt, wie sie vor 15 Jahren noch gern im Spätprogramm von RTL liefen. Mittlerweile ist der Gute ja ins Regiefach gewechselt, vielleicht hat er da mehr Erfolg. In QUIET COOL ist er aber tatsächlich … quite cool. 🙂

  5. Oliver sagt:

    @ Whoknows

    Oh Mann, du hast ja selbst schon erwähnt, dass auch seine Regiearbeiten nix taugen. Sorry …

  6. […] reichte (u. a. zeichnete er verantwortlich für AMERICAN NINJA 1 & 2, AVENGING FORCE, DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME, AMERICAN SAMURAI und CYBORG COP 1 & 2), kann man indes keinen Vorwurf machen. Er […]

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