straight into darkness (jeff burr, usa/rumänien 2004)

Veröffentlicht: Juli 26, 2010 in Film
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Irgendwo in Europa im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs: Nach einem tödlichen Zwischenfall in einem Minenfeld können die amerikanischen Deserteure Losey (Ryan Francis) und Deming (Scott MacDonald) der Militärpolizei entkommen. Ohne zu wissen, wo sie sind, und ohne Möglichkeit, sich zu orientieren, wandern sie durch die unwirkliche Winterlandschaft, treffen auf verstörte Opfer des Krieges und zerbombte Ortschaften. Das leerstehende Haus, in dem sie Unterschlupf finden, entpuppt sich als Heim eines Lehrerehepaars (David Warner & Linda Thorson) und ihrer Schüler: Waisen- und kriegsversehrte Kinder, die von den beiden zu einer schlagkräftigen Guerillaarmee ausgebildet wurden. Die beiden Soldaten ernten zunächst nur Misstrauen, doch als plötzlich ein Battalion Nazis vor der Tür steht, müssen sich die beiden Parteien zusammenraufen …

Ich kann kaum sagen, wie sehr ich mich diesen Film gefreut habe. Er ist mir durch bloßen Zufall in die Hände gefallen, ich wusste nichts von ihm und wäre sehr wahrscheinlich über ihn hinweggegangen, wenn mir nicht der Name „Jeff Burr“ ins Auge gefallen wäre. Jeff Burr ist Vielen wahrscheinlich kein Begriff, ich mag ihn sehr gern, umso mehr, weil nur sehr selten die typischen Lobeshymnen auf ihn angestimmt werden, und dass, obwohl er doch überwiegend in einem Genre tätig war, dessen Fans alles Mögliche zu fragwürdigem Kultstatus erheben. Burr zeichnete in den Achtzigern und Neunzigern für einige Horrorfilme und -sequels verantwortlich, die allesamt und keineswegs selbstverständlich sehr ordentlich gerieten (THE OFFSPRING, STEPFATHER 2, PUMPKINHEAD 2, PUPPET MASTER 4 & 5, NIGHT OF THE SCARECROW), aber natürlich kein Stoff waren, mit dem man sich selbst als Künstler verwirklichen kann oder aus dem der Weltruhm gemacht ist. Das Fiasko mit LEATHERFACE – der leider nie das werden durfte, was er werden sollte (und trotzdem besser ist als sein Ruf) -, beendete für ihn größere Hollywood-Ambitionen. STRAIGHT INTO DARKNESS hat Jeff Burr zu einem nicht unbeträchtlichen Teil selbst finanziert. Es ist der Film, den er machen wollte, und in den ihm kein Studio, kein Marketingexperte und kein Produzent reingeredet hat. Es ist ein Herzensprojekt und das sieht man dem Film, der unter misslichen Bedingungen in Rumänien mit einer rumänischen Crew gedreht wurde, in jeder Sekunde an. STRAIGHT INTO DARKNESS wird stärker als durch eine Handlung durch ein Gefühl, eine Vision, eine Ästhetik, eine Atmosphäre zusammengehalten, die ihm eine starke Präsenz verleihen, die aber paradoxerweise kaum greifbar ist. Und gerade das passt zu diesem Kriegsfilm, der auf den Spuren des Horrorfilms wandert, ausgezeichnet, lässt ihn zu etwas anwachsen, dass das rein Materielle transzendiert. Wie für die beiden Protagonisten, für die die Wanderung durch fremdes Kriegsgebiet sich in eine Wanderung in die Abgründe der eigenen Seele verwwandelt und eine Konfrontation mit eigenen Ängsten und Erinnerungen bedeutet, die erst zum Schluss, wenn die beiden dann tatsächlich einmal für die gute Sache gekämpft haben, einen Sinn erhalten. Die visuelle Gestaltung von STRAIGHT INTO DARKNESS ist herausragend – die unwirklichen, dunkelromantischen Settings in den Karpathen werden vom rumänischen DoP Viorel Sergovici perfekt eingefangen – und trägt gemeinsam mit dem minimalistischen Score von Michael Convertino und den bei einer solchen kleinen Produktion zwangsläufg etwas ungeschliffenen Kanten zur dichten Stimmung des Films bei.  

Man liest es meinem Text vielleicht an: Ich weiß noch nicht genau, was ich sagen soll, wie ich meine Begeisterung adäquat in Worte fassen kann. Auch interpretatorisch kann ich mich dem Film nach einer Sichtung überhaupt nicht annähern, allerhöchstens Allgemeinplätze formulieren. Der Film verschließt sich förmlich vor einer Vereinnahmung durch schlaue Worte. Was von ihm bleibt, ist vor allem dieses schöne und seltene Gefühl, bei einer Filmsichtung tatsächlich gespürt zu haben, dass alle Beteiligten ihr Allerbestes in die Wagschale geworfen haben, weil sie an den Film glaubten. Und so wird der Film vor den eigenen Augen lebendig, nimmt einen gefangen, ganz und gar. Man nimmt Anteil am Traum des Filmemachers und seiner Crew und für die 90 Minuten Spielzeit gibt es nichts anderes mehr. Es ist einfach nur schön, dass es so etwas gibt.

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Liest sich sehr vielversprechend!

  2. […] DER SCHREIE) bekannt und dürfte wohl nicht nur Jeff Burrs bester Film bis zu seinem fulminanten STRAIGHT INTO DARKNESS sein, sondern auch einer der schönsten Horror-Episodenfilme überhaupt. Die Mischung aus deftigem […]

  3. Alex sagt:

    Dem schließe ich mich an! Noch nie gehört von dem Streifen, aber FROM A WHISPER TO A SCREAM fand ich auch dufte…

  4. Oliver sagt:

    Na dann mal ran an die Buletten! Habe heute festgestellt, dass es sogar ne deutsche DVD-VÖ gegeben hat …

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