Archiv für Juli, 2010

deadly outbreak (rick avery, usa 1996)

Veröffentlicht: Juli 19, 2010 in Film
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Unter der Leitung des unehrenhaft entlassenen Militärmannes Baron (Ron Silver) verschafft sich eine Gruppe von Terroristen Zugang zu einem Forschungszentrum in Israel, in dem Wissenschaftler gerade an der Herstellung eines neuen chemischen Kampfstoffes arbeiten. Als sie das Gebäude unter ihre Kontrolle gebracht haben, erpressen sie die die Weltmächte, weil sie nicht nur eine Chemiewaffe erbeutet, sondern sicherheitshalber auch mehrere Sprengsätze in Washington deponiert haben. Zum Glück befindet sich Sergeant Hatfield (Jeff Speakman), Sicherheitsbeamter der amerikanischen Botschaft, noch auf dem Gelände. McClane-Style räumt er mit den Halunken auf …

Ich habe es ja oben schon angedeutet: DEADLY OUTBREAK ist einer der unzähligen DIE HARD-Klone, die in den Neunzigerjahren um die Gunst der Zuschauer buhlten und sich bemühten, bloß nicht zu weit von der so erfolgreichen Blaupause abzuweichen. Nicht alle dieser Epigonen sind jedoch schlecht und der Film von Stuntspezialist Rick Avery (der Mann hat eine eindrucksvolle Filmografie aufzuweisen) gehört neben etwa Michael Mazos CRACKERJACK oder Paul Lynchs RUNNING OUT eindeutig zu den Höhepunkten des Trends. DEADLY OUTBREAK erinnerte mich gestern etwas an die Blütezeit der Cannon in den Achtzigerjahren – und das liegt nicht nur daran, dass er in Israel spielt: Auch wenn hier und da gespart wurde, sieht alles doch recht aufwändig aus, und das hölzerne Spiel des hauptdarstellenden Kampfsportprofis Jeff Speakman wird vom würdevollen Agieren eines Ron Silver (den ich passenderweise jahrelang mit DIE HARD-Schurke Alan Rickman verwechselt habe) oder Nebendarstellern wie EIS AM STIEL-Star Jonathan Sagall und Cannon-Regular Yehuda Efroni abgefangen. Und das Vorhaben, mehr zu bieten als dumpfe Videothekenware für Actionprolos, führt nicht etwa zum Scheitern des Films, sondern geht tatsächlich auf, weil echtes Können in dem Film steckt, das man ihm ansieht. Der langsame Aufbau, der zur Übernahme des Labors durch die Terroristen führt, wird, wie es sich für einen solchen Film gehört, mit protokollarischer Genauigkeit abgewickelt, der Druck stetig erhöht und wenn der Tisch erst einmal gedeckt ist, entlädt er sich in einer nicht enden wollenden Abfolge von Tötungen, gut choreografierten Fights, Schießereien und Explosionen. Dass man manchmal ein Auge zudrücken muss, gehört ja einfach dazu: Hatfield wird eine kleine Romanze mit der bockigen, aber hübschen Wissenschaftlerin angehängt, die nicht nur überflüssig, sondern aufgrund des, nun ja, fragwürdigen Charmes von Jeff Speakman auch eher unglaubwürdig bleibt (Liebesgeschichten neigen in B-Filmen ja irgendwie immer zur Schmierigkeit) und der Showdown, eine Verfolgungsjagd mit Kleinbussen bei Tempo 30 durch das Tunnelsystem unter dem Gebäude, ist so herrlich suboptimal, dass es mir erschreckend herzlos vorkäme, hier unabsichtlichen Humor zu unterstellen: Nein, ich bin überzeugt, alle Beteiligten wussten, dass das irgendwie beknackt aussieht. Aber die Sequenz gehört mit zu den Gründen, warum DEADLY OUTBREAK feinstes Entertainment darstellt.  Und mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

riot (joseph merhi, usa 1997)

Veröffentlicht: Juli 19, 2010 in Film
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Als an Weihnachten drei schwarze Jugendliche von Polizisten erschossen werden, die sie für Gangmitglieder halten, brechen in einer nicht näher genannten amerikanischen Großstadt Aufstände los. Im allgemeinen Chaos fällt dem Ganganführer Shyboy (Dex Elliot Sanders) die Tochter des britischen Botschafters in die Hände. Dieser wendet sich sogleich an den britischen SAS-Mann Shane Alcott (Gary Daniels), mit dem seine Tochter zufällig verbandelt ist. Alcott soll allein und unbewaffnet ins Zentrum der umkämpften Stadtgebiete vordringen, um dort das Geld zu übergeben: ein Selbstmordkommando, schon bevor sich herausstellt, dass hinter den Aufständen und der Entführung keineswegs ein tragischer Unglücksfall steht, sondern der IRA-Mann O’Flaherty (Patrick Kilpatrick) …

Über die Filme der Produktionsgesellschaft PM – benannt nach Richard Pepin und Joseph Merhi – habe ich hier schon einmal geschrieben. In den Neunzigerjahren hielten sie fast ganz allein die Fahne eines aufwändig produzierten Action-B-Kinos ohne ironische Untertöne und Familienentertainment-Ambitionen hoch und schufen so eine ganze Reihe von sehenswerten Filmen. RIOT wurde (dem Vernehmen nach) fürs Fernsehen produziert und beginnt mit Originalaufnahmen der L.A.-Riots sowie nachgestellten Straßenschlachten schon einmal sehr ansprechend. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände schaffen nicht nur einen guten visuellen Hintergrund für die in den nächsten 90 Minuten anstehenden Zerstörungsorgien, sondern auch einiges erzählerisches Potenzial, das der Genrefilm erstaunlicherweise bislang kaum für sich genutzt hat. Zwar verwandelt sich RIOT dann in eine doch wieder recht bekannt anmutende Geschichte, die ihre Verwandtschaft zu Carpenters ESCAPE FROM NEW YORK oder Hills THE WARRIORS (es gibt sogar einer Rollhockey-Gang!) und DIE HARD (also doch!) nicht verbergen kann, doch ist das ja nur die oberflächliche Maskierung eines Films, der sehr viel mehr zu bieten hat. In RIOT geht es gleich auf mehreren Ebenen um Rassenkonflikte (ein blödes Wort, weil es das Existieren von „Rassen“ voraussetzt, anstatt den Glauben an solche als eigentlichen Kern des Problems zu benennen): Diese kommen nämlich nicht nur in den genannten Aufständen zum Vorschein, sondern sind auch anderweitig evident. Alcott und sein (schwarzer) Partner Williams (Sugar Ray Leonard) sind in den USA tätige Briten, die bei einem Bierchen gleich wegen ihres komischen Akzents von ein paar Baseballrednecks angepöbelt werden, die sich darüber beschweren, dass ihre wunderschöne Tradition eines Weihnachtsspiels dieses Jahr von den asozialen Aufständischen (= den Schwarzen), zu denen ihrem Empfinden nach auch Williams zählen muss, ruiniert worden ist. (Die Helden werden – genretypisch – natürlich erst wehrhaft, als ihnen unterstellt wird, homosexuell zu sein.) Und wenn sich später herausstellt, dass die Erschießung der Kinder durch den Terroristen O’Flaherty mit dem Hintergedanken initiiert wurde, eben jenes Chaos auszulösen, das die Entführung überhaupt erst ermöglichte, dann scheint das nur auf den ersten Blick eine Entkräftung des schwelenden Rassismus zu sein, der in RIOT abgebildet wird: Es ist weiße Herrenmenschenideologie, die den Tod der Unterprivilegierten in Kauf nimmt, wenn es der Erreichung der eigenen schäbigen Ziele dient.

Deswegen hinterlässt Alcott am Schluss der armen schwarzen Familie, die ihm kurz Unterschlupf gewährt hat, auch ein Päckchen mit zwei dicken Geldbündeln: Man kann sich des Eindrucks, das hinter dem Geldgeschenkt keineswegs nur die persönliche Dankbarkeit Alcotts, sondern vielmehr eine kollektive Wiedergutmachung steht, kaum erwehren. Diesem gesellschaftsutopischen Aspekt entspricht, dass RIOT während einer Nacht spielt, auf die erst mit der Lösung des Konflikts der Tag folgt, und der Film von einem Gospelsong eingeleitet und beendet wird, aber das sind ja nur die offensichtlichsten Merkmale: Das zerberstende Glas und die explodierenden Autos sind zwar Standards eines jeden PM-Films (und des Actionkinos allgemein), doch hier kommt diesen Elementen noch eine tiefere Bedeutung jenseits der bloßen Zerstörungssignifikanten zu. Das Zerschlagen von Glasscheiben scheint doch auch auf ein Zerschlagen falscher Überzeugungen hinzudeuten, auf ein Niederreißen trügerischer Projektionsflächen, das lustvolle Zerstören von Autos gewinnt eine geradezu befreiende Wirkung: Erst wenn die letzte Luxuskarosse in Flammen aufgegangen ist, erkennt man, das alle Menschen gleich sind. Noch nicht einmal der Superheld des Films darf aus dieser Utopie hier besonders hervorstechen: Gary Daniels, einer der meistbeschäftigten B-Actiondarsteller der Neunzigerjahre, ist ebenso sympathisch wie er komplett uncharismatisch und austauschbar ist.

Wie gesagt: RIOT ist eine anderthalbstündige, lustvolle Zerstörungsorgie, wunderbar choreografiert und fotografiert und Actionfreunden ohne jede Einschränkung zu empfehlen. Was PM an „Klasse“ fehlt, wird in schierer Quantität aufgewogen und bei einigen Szenen fragt man sich unweigerlich, wie das in diesem eher kleinen Rahmen überhaupt realisierbar gewesen ist. Wer aber nach mehr Ausschau hält, der wird ebenfalls fündig werden. Das Suchen lohnt sich.

In Los Angeles versetzt ein Serienmörder die weibliche Bevölkerung in Angst und Schrecken. Der Killer, ein Vietnamveteran namens Kirk Smith (Nicholas Worth), arbeitet unter anderem als Aktfotograf und verschafft sich so Zugang zu den Frauen, die er mit einem Strumpf erdrosselt. Nahezu besessen ist er von der Psychologin Dr. Lindsay Gale (Flo Lawrence), in deren Radiosendung er immer wieder anruft. Zwei Polizisten (James Westmoreland & Ben Frank) sind dem Killer auf der Spur und hoffen darauf, dass er einen Fehler begeht …

Im Horrorfilm-Lexikon von Hahn/Jansen wurde in der kurzen Inhaltsangabe von TODESSCHREI AM TELEFON (so der deutsche Titel) behauptet, der Killer vergewissere sich per anonymem Drohanruf, dass seine weiblichen Opfer allein zu Hause seien, bevor er sie dann aufsucht und umbringt. Das ist Unsinn und beweist, dass die beiden streitbaren Autoren sich den Film wohl gar nicht angeschaut haben, sondern lediglich anhand des Originaltitels ihre Vermutungen angestellt haben. Zu dumm, dass der einigermaßen unpassend ist, denn die einzigen Anrufe des Killers erhält die Psychologin und tut sehr gut daran, sie zu beantworten, weil sie die Polizei doch auf die Spur des Killers führen. Die Freude darüber, die beiden Autoren, die in ihrem Werk Zuschauer, die auch härterem Stoff nicht grundsätzlich abgeneigt sind, als Irre beschimpfen und ihnen einen Platz in der Gummizelle wünschen, als Faulpelze enttarnt zu haben, wird leider dadurch getrübt, dass ich gerade diese angebliche Prämisse so reizvoll fand: Wer mal einen anonymen Anruf bekommen hat, weiß, wie sehr einen das enervieren kann. Zum Glück gibt es EYES OF A STRANGER, der meine Phobie äußerst effektiv bedient, und so lässt es sich verschmerzen, dass Robert Hammers Film tatsächlich ziemlich dröge Kost ist. Man erkennt ihn relativ schnell als unambitionierten Exploiter, der aus der Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger wohl als Nachwirkung auf den Son of Sam bestehenden Angst vor Serienkillern Profit schlagen wollte, ohne wirklich etwas zum Diskurs beitragen zu können. Während der zur gleichen Zeit entstandene MANIAC einerseits die Grenzen des Mach- und Zeigbaren gehörig verschiebt, einen ultradüsteres New-York-Porträt zeichnet und mit Joe Spinell einen Hauptdarsteller hat, der sowohl furchteinflößend wie mitleiderregend ist, kommt DON’T ANSWER THE PHONE nie über die Kolportage disparater Elemente hinaus. Da wird der Zuschauer Zeuge der Therapiesitzungen von Dr. Gale, die zur Geschichte rein gar nichts beitragen, außer sie zu zerdehnen, driftet die Razzia der Polizisten in einem Puff  gar in komödiantische Bereiche ab, was zum einen der Schaffung einer Atmosphäre der Angst und Anspannung denkbar abträglich ist, zum anderen in der Verbindung mit den eher unangenehmen Szenen des Films ziemlich abgeschmackt wirkt. Nicholas Worth, der mir als Kind mit seiner Monstermetamorphose in Cravens SWAMP THING schlaflose Nächte bescherte (und auch in Raimis DARKMAN eine tolle Nebenrolle hat), wird als Killer fast zur Nebenfigur degradiert, was sehr schade ist, weil die Szenen mit ihm eindeutig die Höhepunkte des Films sind. Er liefert ein gelungenes Porträt eines derangierten Geistes ab, ist als freundlich-charmanter Verführer ebenso glaubwürdig (und gruselig), wie als Monster, das seinen Körper mit Hanteltraining stählt, oder als flennender Geisteskranker. In den Szenen mit ihm ist dann auch so etwas wie eine (visuelle) Linie erkennbar, die man im Film sonst vergeblich sucht.

Weil ich aufgrund akuter Langweile in den letzten 30 Minuten mehrfach in den Sekundenschlaf gesunken bin, kann ich kaum eine echte Empfehlung aussprechen: DON’T ANSWER THE PHONE lässt jeden Flow, der einen mitfiebern ließe, vermissen, hat – wie angesprochen – weder eine klare Linie noch eine funktionierende Dramaturgie aufzuweisen. Das ist schon fast wieder erstaunlich, wie ein Film mit einer solchen Thematik einen so dermaßen kalt lassen kann. Lediglich als Fenster in eine andere Zeit hat DON’T ANSWER THE PHONE einigen Reiz: Er bietet stimmungsvolle Bilder von einem schmuddeligen Los Angeles voller schmieriger Pornokinos, Plakatwänden, auf denen die Bee Gees in zeitlos schönem Airbrush beworben werden, und Kinos, die ALIEN zeigen und sich vor Zuschauern kaum retten können. Die Welt, die hier abgebildet wird, ist also fast genauso disparat wie ihre Abbildung. Das mag einen dann schon wieder für den Film einnehmen, der, wie ich oben schrieb, ein typischer Exploiter ist: Hammer kann sein überwiegend ökonomisches Interesse nie verleugnen und weil er daher eben versucht, alle möglichen Zuschauer anzusprechen, erinnert DON’T ANSWER THE PHONE eher an eine drittklassige Salatbar als an einen Film. Aber auch an einer solchen Salatbar findet man ja immer eine Kleinigkeit, die einem schmeckt.

Ein abtrünniger Zweig der christlichen Kirche hat es sich zum Ziel gesetzt, dem Teufel zu einer triumphalen Rückkehr zu verhelfen. Unter der Leitung des charismatischen Pfarrers Thomas Seaton (William Beckwith) soll ihm zu Weihnachten das letzte und entscheidende Opfer dargebracht werden: Alexandra (Christine Moore), die Enkelin eines der Sektenangehörigen, die immer noch daran zu knabbern hat, als Kind von ihrem Vater missbraucht worden zu sein, und leichte Beute für den väterlich-verständnisvollen Seaton ist, von dem aufgrund seines Berufes keine sexuelle Gefahr für Alexandra auszugehen scheint. Doch in den Reihen der Satanisten befindet sich auch Schwester Angela (Mavis Harris), eine Nonne, die von der Kirche als Undercover-Agentin in die Sekte eingeschleust worden ist …

PRIME EVIL ist ein zweischneidiges Schwert, aber zumindest auf beiden Seiten gleichermaßen schlecht geschliffen. Zunächst versteht es die Sleaze- und Trash-erfahrene Roberta Findlay ganz gut, die Klippen des unfreiwilligen Humors zu umschiffen: Anstatt auf Hokuspokus und Effekt-Buhei zu setzen, inszeniert sie ihren Film als „seriösen“ Okkultthriller. Im Mittelpunkt der Geschichte, die sie von mehreren Enden gleichzeitig aufrollt, steht Alexandra, deren Kindheitstrauma ausführlich ausgebreitet wird. Das erzeugt Sympathie und hilft, die Spannung gaaaanz laaaangsam ansteigen zu lassen, das für diese Art von Film so wichtige Gefühl des nahenden Unheils aufkeimen zu lassen. Die nur mittelprächtigen Schauspieler kommen allesamt besser weg, als man annehmen sollte, und dass die einzelnen Erzählstränge und Subplots lange nebeneinander herlaufen, bevor sie schließlich zusammengeführt werden, hält das Interesse lange wach. Diese Aussage impliziert aber bereits, dass die Geduld irgendwann ein Ende hat. Der dramaturgische Bogen wird in PRIME EVIL so weit überspannt, bis das Interesse am Ausgang der Geschichte schließlich völlig verpufft ist. Findlay schafft den Übergang vom glaubwürdigen Okkultismus-Thriller zum apokalyptischen Satanistenhorror einfach nicht: PRIME EVIL ist wie ein nicht enden wollendes Vorspiel, auf das dann schließlich nur noch der pflichterfüllende Quickie folgt, weil die Energie für mehr einfach nicht mehr reicht. So wirkt das Finale, bei dem dann auf einmal auch ein Latexteufelchen seinen Auftritt feiern darf, bevor es mit dem Katzendolch weggemeuchelt wird, reichlich deplaziert; so als wollte Findlay den sich verprellt fühlenden Horrorfans eine kleine Wiedergutmachung bieten, die aber letztlich auch wieder nur die Unschlüssigkeit des ganzen Films spiegelt. Der Subplot um die Undercover-Nonne, der doch eigentlich Stoff für schöne Horror-Exploitation geboten hätte, ist völlig vergeudet, wie man insgesamt sagen muss, dass PRME EVIL den Eindruck macht, als habe sich Findlay mit dem überambitionierten Drehbuch etwas verhoben. Hätte sie den ein oder anderen Subplot rausgeschmissen oder einfach den Kreis der handelnden Personen reduziert, dann hätte PRIME EVIL durchaus das Zeug zum kleinen Okkulttrasher gehabt. Herrlich ist etwa die Szene, in der eine Frau, die zu Hause von einem Meuchelmörder attackiert wird, auf ihren Ohrensessel hüpft und das Gesicht in der Lehne vergräbt. Solcherlei überdrehten Quark gibt es leider viel zu selten. So mutet PRIME EVIL  leider wie ein zwar schundiger, aber vor allem blutleerer und langatmiger Fernsehkrimi mit Okkultbezug an, dem die vielen ins Leere laufenden Handlungsstränge jede Durchschlagskraft rauben. Letztlich bleibt nur ein Satanistenpfarrer, der aussieht wie ein wiedergeborener Francois Truffaut. Immerhin.

Nach den Ereignissen des ersten Teils begibt sich Randolph Carter (Mark Kinsey Stephenson) gemeinsam mit dem Wissenschaftler Professor Warren (John Rhys-Davies) in das Tunnelsystem unter dem Winthrop-Haus, um dort das Monster aufzuspüren, das sich als die von einem Dämon besessene Tochter des alten Winthrop herausgestellt hat. Mit einer Dosis Insulin (!!!) schaffen die beiden es, Tochter und Dämon zu trennen, wofür sie mit der wunderschönen, nackten und leicht begriffsstutzigen Alyda Winthrop (Maria Ford) und einem amoklaufenden Monster (Pin-Up-Girl und Andy-Sidaris-Muse Julie Strain, leider in zentnerdickem Monster-Make-up) belohnt werden, das es in der Folge unschädlich zu machen gilt.

Sequels, die unmittelbar an den Vorgänger anschließen, haben bei mir ein Stein im Brett. So punktet auch THE UNNAMABLE RETURNS zunächst, weil er sich jedes lange einleitende Geplänkel klemmt und ohne Umschweife zur Sache kommt. Alles sieht ein kleines bisschen besser aus als im ersten Teil, die wiederkehrenden Hauptdarsteller haben in der Zwischenzeit etwas dazugelernt und die beiden Veteranen Rhys-Davies und David Warner (als Universitätsdekan), die auch den Karl-May-Festspielen von Reit-im-Winkel noch shakespearianische Gravitas verleihen würden, werten das Geschehen gehörig auf. Es ist einfach eine Wonne, mitanzusehen, wie Rhys-Davies diesen Schwachsinn mit größtmöglichem Einsatz und ohne mit der Wimper zu zucken absolviert, seine Meinung zur Empirie mit den Worten „I am a scholar, not a field man“ auf den Punkt bringt und mit der Dialogzeile „Scholarly vanity triumphs over common sense!“ hinabsteigt in das Pappmaché-Höhlensystem, was man durchaus auch als Metapher für den Zustand seiner Filmkarriere verstehen darf. Ouellette legt sein Sequel deutlich als Horrorkomödie an und fährt damit zunächst ganz gut: Wenn sich die unbedarfte Alyda, die die letzten Jahrhunderte im Körper eines Monsters eingesperrt war und demzufolge nicht ganz auf der Höhe des Geschehens ist, sich splitterfasernackt mit gerecktem Popo auf dem Bett von Randolphs Studentenbude räkelt, ohne etwas daran zu finden, Randolph angesichts dieser schweren Prüfung seinerseits ganz dem Körperlichen abholder Geistesmensch bleibt, die Situation also mit der Souveränität eines wahren Asketen meistert, ist das ein früher Höhepunkt (ähem …) des Films. Über die gesamte Spieldauer von knapp 100 Minuten nutzt sich der Witz allerdings etwas ab und weil der Horroranteil bis dahin sträflich vernachlässigt wurde, hat THE UNNAMABLE RETURNS ein echtes Problem. Das Monster sieht immer noch gut aus, wird aber sowohl seiner Tragik als auch seiner Bedrohlichkeit beraubt. Man sieht es zu früh, zu oft und zu gut und weil sich der Film gegenüber dem Vorgänger in deutlich besiedelteren Gefilden abspielt, will einfach keine echte Stimmung aufkommen. Lovecraft ist bis auf das Plot-Device des Necronomicon und ein paar Wortbrocken in Cthulhuanisch logischerweise ebenfalls denkbar weit entfernt und so plätschert THE UNNAMABLE RETURNS nach herrlichem Auftakt wie ein versickerndes Bächlein seinem Finale entgegen, bevor er sich wie die adrette Alyda zur ew’gen Ruhe bettet. 

Wirklich schade: Der erste Teil ist atmosphärisch dichter und eben ein echter Horrorfilm, dafür aber über weite Strecken recht zäh und unaufregend, das Sequel zwar deutlich unterhaltsamer, aber eben kaum noch als Horrorfilm zu bezeichnen. Amateurregisseure und -Editoren seien hiermit aufgefordert, sich an einem Remix zu versuchen, das Beste aus beiden Filmen zu kombinieren, den Tinnef über Bord zu werfen und so einen halbwegs zufriedenstellenden UNNAMABLE-Film zu kreieren, der dann via Youtube seiner wahren Bestimmung zugeführt werden kann. Nur Julie Strain bekommt man auch dann noch nicht in voller Pracht zu Gesicht. Ein Jammer aber auch …

Auf F.LM – Texte zum Film habe ich die preisgekrönte und mit viel Lob bedachte Dokumentation über die Metal-Veteranen von Anvil rezensiert. Die DVD erscheint via Rapid Eye Movies am 16. Juli und sei hiermit nicht nur Metalfans ans Herz gelegt, sondern allen, die ein Herz für Außenseiter und Underachiever haben. Klick hier.

In einem längst verlassenen und verfallenen Haus in der Nähe der Miskatonic University von Arkham soll angeblich ein Monster sein Unwesen treiben, zumindest ist Randolph Carter (Mark Kinsey Stephenson), studentischer Autor von Gruselgeschichten, davon überzeugt. Als ein skeptischer Freund von ihm und dem wohlmeinenden Howard (Charles King) das Haus betritt, um das Gegenteil zu beweisen, verschwindet er spurlos. Auf Howards Aufforderung, nach ihm zu suchen, reagiert Randolph aber abweisend. Das ändert sich, als wenig später Howards heimlicher Schwarm Tanya (Laura Albert) und Wendy (Alexandra Durrell) von zwei Jocks dazu überredet werden, das berüchtigte Haus aufzusuchen. Die beiden machen sich auf den Weg, die vier vor Unheil zu bewahren …

THE UNNAMABLE fußt auf Lovecrafts gleichnamiger Kurzgeschichte (deutscher Titel: „Das Unnennbare“) und krankt wie eigentlich alle filmischen Umsetzungen daran, dass sich die sprachliche Kluft, die sich bei Lovecraft in zahlreichen Begriffen des Unbeschreiblichen ausdrückt (siehe auch der Titel der Kurgeschichte), nicht ohne Verlust überbrücken lässt. Es ist fast so, als ob sich Lovecraft mit seiner blumigen, paradoxerweise ebenso speziellen wie dabei merkwürdig unkonkret bleibenden Sprache gegen eine Vereinnahmung durch bildliche Medien versperrt habe. Von ihm häufig benutzte Wörter wie „monolithisch“, „zyklopisch“ , „unsagbar“ etc. sind ebenso vielsagend und bildlich wie sie gleichzeitig vage und diffus bleiben, und wenn er seine Monstren ausführlich und wortreich beschreibt, werden diese Beschreibungen immer wieder von solchen gezielt eingesetzten, interpretationsbedürftigen Begriffen unterlaufen. Teilweise verweist er gar auf eine fremdartige, dem Menschen unbegreifliche Geometrie und Formenlehre, die zu beschreiben dem Menschen die kognitiven und physischen Voraussetzungen und somit auch die sprachlichen Begriffe fehlen, seine Beschreibungen von vornherein als mangelhaft apostrophieren. Dazu passt auch Lovecrafts erzählerische Strategie, seine Geschichten in Rückblenden – etwa in Form von Tagebucheinträgen oder Briefen von langsam dem Wahnsinn Verfallenden- zu erzählen, die seine Beschreibungen nicht nur durch die beeinträchtigte Subjektivität, sondern auch durch die verstrichene Zeit verwischen. Fast alle Versuche, seine Schöpfungen abzubilden, münden somit in eine Enttäuschung, weil Lovecrafts Sprache dem Leser viel mehr verspricht, als sich abbilden ließe. Als Lovecraft-Leser und Betrachter der filmischen Adaptionen hat man sich daran längst gewöhnt und ist geneigt, dieses „Versagen“ nicht mehr als Mangel zu begreifen, sondern als Notwendigkeit, die daraus folgt, dass man sich den Lovecraft’schen Schöpfungen nur annähern kann, nie aber sie adäquat abbilden. Die Hoffnung stirbt bekanntlich trotzdem zuletzt.

Das führt mich nun wieder zu THE UNNAMABLE, der den eindeutigen Vorteil hat, dass ich mich an seine literarische Vorlage nicht erinnern kann, aber dafür mit dem bei einer Lovecraft-Verfilmung nicht ganz unerheblichen Nachteil eines sichtbar begrenzten Budgets geschlagen ist. Ist es also ausnahmsweise einmal nicht das wirklich gut gelungene Monster, das im Finale neben dem Lovecraft’schend Schauder vor dem Unbegreiflichen auch eine gehörige Portion Mitleid evoziert, so muss man den Schwarzen Peter in diesem Fall der etwas uneleganten Inszenierung, den mäßigen Akteuren und den unansehnlichen Settings zuschieben, die verhindern, dass sich die so wichtige abseitig-außerweltliche Atmosphäre einstellte. Vor allem die Rückblenden zu Beginn des Films, die teilweise mithilfe von nur mäßig gelungenen Modellbauten realisiert wurden, erweisen dem Film einen Bärendienst: Statt neogothischen Grusel zu erzeugen, gemahnen sie an eine nur gut gemeinte Inszenierung im örtlichen Laientheater. Aber über solche wirtschaftlich bedingten Mängel ließe sich hinwegsehen, wenn nicht der Plotverlauf so schrecklich egal und 08/15 wäre. Warum Ouellette dem fantastisch-unheimlichen Lovecraft-Stoff das Gewand eines nur mäßig aufregenden Teenie-Slashers verleiht, verstehe wer will. Mir will es sich nicht erschließen, warum man die Vorlage auf ein wenig involvierendes Fünf-Kleine-Negerlein reduziert. Letztlich sind es die paar Goreszenen, das Monster-Make-up und das kurze Finale, die den Film am Ende noch retten und über manche Unbeholfenheit hinwegtäuschen. Verteidigen kann man THE UNNAMABLE vor allem aus der Nostalgieperspektive, aus der er heute wie so viele seiner Zeitgenossen aller genannter Mängel zum Trotz sympathisch harmlos und unbedarft erscheint, dass man ihm nicht so richtig böse sein will. Ich freue mich trotz kleiner Ernüchterung auf das Sequel, in dem das Monster hoffentlich ein bisschen seiner verlorenen Würde zurückerhält

Das frischverliebte Pärchen Lisa (Jill Schoelen) und Clark (J. Eddie Peck) fährt geradewegs durch ein schlangenverseuchtes Atomtestgebiet. Bei einer Reifenpanne gelangt eines der Tiere ins Auto und beißt Clark wenig später in die Hand. Zwar ist ein hilfsbereiter Handelsvertreter zur Stelle, der ein Gegenmittel verabreicht, doch stellt sich dieses als wirkungslos gegen das Gift von Schlangen heraus, die radioaktiver Bestrahlung ausgesetzt waren und mutiert sind. Clark beginnt sich zu verändern: Erst wird er aggressiv, dann entwickelt sein befallener Arm ein reptileskes Eigenleben … 

CURSE II: THE BITE hat mit dem Vorgänger rein gar nichts zu tun, es sei denn, man wolle aus der Parallele, dass sich in beiden Filmen Menschen schleimig verwandeln, einen engeren inneren Zusammenhalt konstruieren. Er steht somit exemplarisch für die in den Achtzigerjahren zur vollen Blüte gereifte Sequelmanie, die noch jedem für den Videomarkt produzierten B-Film eine hübsche Ziffer in den Titel klebte und darauf hoffte, mit diesem genialen Marketingstreich ein ertragreiches Franchise erschaffen zu haben. Die CURSE-Reihe brachte es so immerhin auf drei „offizielle“ Teile, die durch das obligatorische Alternativtitel-Sequel (David Schmoellers CATACOMBS firmiert auch unter CURSE IV: BLOOD SACRIFICE, ist aber interessanterweise drei Jahre vor dem „echten“ dritten Teil entstanden) ergänzt werden. Unter diesen Voraussetzungen fällt es natürlich recht schwer, CURSE II: THE BITE besonders ernst zu nehmen, aber das ist zum Glück auch nicht nötig. Prosperis (unter dem Namen Fred Goodwin inszenierter und unter seinem echten Namen gescripteter) Film entpuppt sich von Anfang an als inhaltlich dusseliger, inszenatorisch zweckmäßiger, aber gar nicht mal so uneffektiver kleiner Horrorfilm, der alle bestehenden Klischees aufgreift und seine Erfüllung und Daseinsberechtigung vor allem im ekligen Finale findet, in dem sich Effektzauberer Screaming Mad George so richtig austoben durfte. Nach recht hübschem Auftakt – wirklich gelungen ist die Sequenz auf der über und über mit Schlangen übersäten Landstraße, über die die beiden Protagonisten kurzentschlossen drüberbrettern und so einen echten Schlangengenozid verursachen – verzettelt sich der Film leider etwas in dem gut gemeinten, aber misslungenen Versuch, echten Thrill und Drama zu erzeugen, und kommt dann erst zum genannten Showdown in einem Schlammloch wieder in Gang, bei dem fleißig Babyschlangen erbrochen werden, bevor der arme Clarke schließlich der Länge nach aufplatzt, um eine Superschlange zu gebären, der Bo Svenson (mit Nasenpflaster) dann schließlich die Birne wegpusten darf.

Vorher besteht ein nicht unbeträchtlicher Teil des Spaßes an diesem Timewaster jedoch vor allem darin, die Logiklöcher und Inszenierungsklischees zu zählen: Warum begnügen sich die um die bestehende Gefahr Wissenden (meistens Tankwarte) stets mit halbgaren Andeutungen, anstatt mit der ganzen Wahrheit rauszurücken, vor allem, wenn das wie in diesem Fall doch recht unverfänglich wäre? Warum haben junge Liebespärchen – Er Typ „angehendes, dann aber doch erfolgloses  Jeansmodel“, Sie Typ „selbstbewusste junge Frau, die sich aber doch nach dem Traumprinzen sehnt“ –  immer eine Klampfe dabei? (Antwort: Damit Sie darauf furchtbar schmierige Countrylieder darauf spielen kann, während Er fährt.) Worin soll eigentlich die „Liebe“ dieser nur nach körperlichen Attributen zusammegecasteten Hilfsschauspieler überhaupt bestehen? Chemie ist hier jedenfalls Fehlanzeige und so verwundert es auch nicht, als nach dem ersten Streit bereits Schicht im Schacht ist. Warum bekommt man als Fremder stets Ärger in Countrykneipen? Warum versteht sie nicht, dass es keineswegs völlig im Rahmen ist, wenn sie sich von einem schmierigen Redneck beim Tanzen am Arsch rumgrabbeln lässt? Und warum befindet sich das Männerpissoir in diesem Etablissement auf dem Flur vor den eigentlichen Toiletten? Warum glaubt man als Filmschaffender, dass es eine gute Idee sei, einer Schlange via Tonspur das Fauchen einer Katze zuzuschreiben? Warum lässt man sich von einem salbadernden Vetreter impfen, anstatt zu einem Arzt zu fahren? Diese Fragen scheinen aber letztlich hinfällig in einem Film über mutierte Schlangen, deren Gift nicht etwa zum Tode führt, sondern dazu, dass sich der Gebissene ebenfalls in eine Schlange verwandelt. Angucken, Spaß haben, vergessen. Oder einfach mal früher ins Bett gehen und auf einen kreativen Traum mit guten Production Values hoffen.

Zack (Wil Wheaton) lebt mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester auf der Farm seines streng gläubigen Stiefvaters Nathan (Claude Akins). Als eines Nachts ein Meteorit auf dem Grundstück der Familie einschlägt und der herbeigeholte Doktor eine Untersuchung anordnet, melden sich die üblichen Bedenkenträger, die ihre Profite davonschwimmen sehen und jegliche Sorgen wegwischen. Auch Nathan zeigt sich hoch erfreut über die riesigen Früchte, die er bald schon ernten kann. Doch die Freude währt nur kurz: Nicht nur ist sämtlicher Ertrag ungenießbar, über das Trinkwasser hat die unbekannte außerirdische Substanz auch den Weg in den menschlichen Organismus gefunden. Für Zack, der als einziger skeptisch geblieben ist, wird es zunehmend gefährlich auf der Farm seines Stiefvaters …

THE CURSE basiert auf H. P. Lovecrafts Erzählung „The Color out of Space“ und steht aus diesem Grund schon seit langer, langer Zeit auf meiner virtuellen Movies-to-watch-Liste; dass ihm diverse Horrorlexika eine Vielzahl schleimiger Effekte bescheinigen, verstärkte mein Interesse nur noch. Dem hauptberuflichen Schauspieler David Keith ist mit seinem Regiedebüt ein sehr schöner Horror/Science-Fiction-Hybrid gelungen, dessen Drehbuch mit vielen guten Einfällen und spürbarer Sympathie für seine Figuren und deren Geschichte über die nicht allzu originelle Prämisse (in CREEPSHOW gibt es ein ganz ähnliches Segment) hinwegtäuscht. Während der eben von mir beschriebene HUMONGOUS alle Nebenkriegsschauplätze vermeidet und sich ganz auf seine Prämisse verlässt, also auf einem fast skizzenhaften Plot basiert, profitiert THE CURSE von seinen vielen Subplots, die ihn erst wirklich lebendig machen. Das beginnt bei dem Familienkonflikt, der nicht nur darin besteht, dass hier zwei unterschiedliche Familien zusammenfinden müssen, sondern vielmehr darin, dass der patriarchische Nathan mit seinen unnachgiebigen Wertvorstellungen aus einer anderen Zeit zu kommen scheint: Diese Konstellation lässt einen erst mit dem eigentliche Helden Zack mitfiebern, verbindet die Seuchenthematik mit einem schönen Coming-of-Age-Subtext. Hinzu kommt aber noch eine weitere, eine wirtschaftliche Ebene: Ein Grundstücksmakler hat seine eigenen Pläne mit dem Anwesen, ein großer Stausee soll hier bald entstehen und all diese Interessen konfligieren ganz erheblich mit der Bekämpfung der noch unsichtbaren Bedrohung, die von dem Meteoriten ausgeht. Man kennt das aus zahreichen anderen Filmen, trotzdem hat man hier nie das Gefühl, Standardware verabreicht zu bekommen. Zu diesem Eindruck gesellen sich zu guter Letzt die ekligen und einfallsreichen Spezialeffekte, die reichlich Gebrauch von Latex, Schleim und Maden machen und vor allem mit letzterer Zutat auf einen ihrer prominenten Urheber verweisen: Unter dem Namen „Louis Fulci“ werkelte nämlich niemand geringerer als Zombieopa Lucio Fulci an den FX für THE CURSE mit und die Italo-Connection wird noch vervollständigt durch den Komponisten Franco Micalizzi und Kameramann Roberto Forges Davanzati. Vielleicht ist es auch dieser europäische Einfluss, der THE CURSE eine eigene Note verleiht und ihn davor bewahrt, sich in die Reihen allzu oft allzu gleichförmiger US-amerikanischer Horrorfilme einzuordnen: Aller über den Protagonisten erreichter Familienfreundlichkeit und quietschbunter Optik zum Trotz bleibt THE CURSE angemessen unheilvoll und reizt sein horribles Potenzial nie ganz aus, sondern lässt immer noch ein bisschen Raum für eigene Albträume. Das Warten hat sich gelohnt!

humongous (paul lynch, kanada 1982)

Veröffentlicht: Juli 5, 2010 in Film
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1946: Bei einer Feier wird Ida Parsons von einem betrunkenen Verehrer erst bedrängt und dann vergewaltigt, bevor ihr einer ihrer Hunde zu Hilfe kommt und dem Angreifer die Kehle zerfetzt. 30 Jahre später machen fünf Jugendliche eine Bootsfahrt, bis díe typischen Streitereien dazu führen, dass ihr Boot nachts vor der so genannten Hundeinsel aufläuft und explodiert. Wie die Protagonisten erfahren, heißt die Insel so, weil ihre einzige Bewohnerin – eben jene Ida Parsons – dort völlig zurückgezogen mit ihren Hunden lebt, die für jeden, der die Insel betritt, eine Bedrohung darstellen. Diese Erfahrung müssen auch die Gestrandeten machen, bis sie herausfinden, dass weder Mrs. Parsons noch ihre Hunde noch am Leben sind. Aber wer will ihnen dann an die Gurgel?

Paul Lynch erlangte mit seinem in der Hochzeit des Slasherfilms entstandenen PROM NIGHT seine 15 Minuten Ruhm. HUMONGOUS war zwei Jahre später sein nächster Film und egal welches Nachschlagewerk man auch zu Rate zieht, überall ist man sich einig, es hier mit einem Rohrkrepierer erster Güte zu tun zu haben. HUMONGOUS sei langweilig, billig und unambitioniert runtergekurbelt und außerdem auch noch viel zu dunkel fotografiert, sodass man noch nicht einmal sein Monster, das doch der einzige Clou des Filmes ist, richtig zu Gesicht bekommt. Diese Vorwürfe kann ich hier nicht ganz entkräften, verfügt HUMONGOUS doch – wie schon der in meinen Augen höchst mäßige PROM NIGHT – tatsächlich über einige kapitale Mängel. Wenn man sich aber darauf einstellt, dass Lynchs Film zwar beileibe kein Meisterwerk seines Genres ist, aber doch irgendwie ein reichlich abseitiges Nischenprodukt, das sich von zwar besseren, aber nicht unbedingt originelleren Vertretern der Slasherzunft abhebt, lassen sich diese Schwächen durchaus positiv umdeuten. Was spricht für HUMONGOUS? Zunächst einmal sind da das hübsch atmosphärische Setting und die unheimliche Grundidee um die Hundeinsel und ihre einzige menschliche Bewohnerin, die den Film auch dann noch stimmungsvoll unterfüttern, wenn auf der Leinwand eigentlich gar nix passiert (in dieselbe Kerbe haut die schöne Creditsequenz mit dem melancholischen Score und den vergilbten Parsons’schen Familienfotos). Außerdem muss man einräumen, dass Lynchs Film in seiner an Leere grenzenden erzählerischen Reduktion beinahe radikal zu nennen ist: Zeichnen sich Slasherfilme allesamt über eine inhaltliche Einfachheit aus, so steigert Lynch diese in HUMONGOUS noch so weit, bis auf seine Prämisse kaum noch etwas übrig ist. Der Eindruck von Leere wird übrigens von der deutschen Pornosynchro noch unterstrichen, die den Protagonisten auch in höchster Lebensgefahr noch eine fast lebensmüde zu nennende Lustlosigkeit und Lethargie verleiht. Und die Tonabmischung, die die Explosion eines Bootes auf ein sanftes „Puff“ reduziert, trägt zum Eindruck traumgleicher Jenseitigkeit genauso bei wie die jeglicher Spitzen beraubte Farbpalette, die alles auf durch eine Milchglasscheibe betrachtete Grautöne herunterbricht. Nach knapp 90 Minuten, in denen nur wenig passiert und das, was passiert, mit maximaler Unaufgeregtheit (um nicht zu sagen: Teilnahmslosigkeit) inszeniert wird, ist der Spuk vorbei. Ich hänge HUMONGOUS immer noch hinterher, obwohl es weder besonders einprägsame Szenen noch sonstige Eye Candies und Gimmicks gegeben hätte. Ein seltsames Teil, bestimmt kein guter Film, aber doch einer dieser am Rande von „langweilig“ entlangschlitternden Exploiter, die bei mir immer Eindruck machen.