c.h.u.d. (douglas cheek, usa 1984)

Veröffentlicht: August 4, 2010 in Film
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In Manhattan verschwinden mehrere Menschen, vor allem zahlreiche in den unterirdischen Tunneln der Stadt lebende Obdachlose, spurlos. Neben dem ermittelnden Captain Bosch (Christopher Curry), werden auch AJ (Daniel Stern), der Betreiber einer Suppenküche für Obdachlose, und der Fotograf George Cooper (John Heard) in den Fall hineingezogen und kommen schließlich einem Umweltskandal von wahrhaft monströsen Ausmaßen auf die Schliche …

C.H.U.D. sticht aus den grellbunten, plastik- bis gummihaften Horrorfilmen seiner Dekade heraus wie das Schwarze Schaf der Familie – und das darf man durchaus nicht nur im sprichwörtlichen, sondern auch im ganz direkt wörtlichen Sinne verstehen. Douglas Cheeks Film ist dreckig und siffig, hält dem Bild von New York als Big City of Dreams ein weniger schmeichelhaftes entgegen, lenkt den Blick weg von den Glitzerboulevards hin zu den vernachlässigten Straßenzügen abseits der Touristenmeilen und von den Reichen und Schönen zu den Verlierern des Kapitalismus: Der Film spielt zu einem Großteil in den Tunneln unter der Stadt, die den Ärmsten der Armen ein Zuhause bieten, aber auch die maroden überirdischen Behausungen verströmen urbane Tristesse im Übermaß. So soll der Mensch leben? Nach den 90 Minuten von C.H.U.D. möchte man zwar dringend ein reinigendes Bad nehmen und den Geruch von Ruß, Teer und Schmieröl aus der Nase bekommen, trotzdem ist Cheeks Film keine Rosskur, kein Schlag in die Magengrube des Zuschauers, sondern ein aller impliziter Kritik zum Trotz sehr herzlicher und optimistischer Film. Das liegt vor allem an den drei Hauptfiguren: Cheeks gibt ihnen Zeit zu wachsen und stattet sie mit einer Geschichte aus, die über bloße Zweckdienlichkeit weit hinausgeht, und die drei Hauptdarsteller erwecken sie mit ihrer sympathischen Interpretation zum Leben.

Der Plot von C.H.U.D. ist im Grunde genommen ein alter Hut – das Treiben von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hat ein Monster geschaffen, das nun die Zivilbevölkerung und damit gerade die Unschuldigen dezimiert –, doch die genannten Eigenschaften heben den Film weit über den Rahmen bloßer Genreware hinaus. Ein Horrorfilm, der als charaktergetriebenes Drama funktioniert: Das gibt es sehr, sehr selten, was ihn umso wertvoller macht. Leider ist C.H.U.D. aber über einen kleinen Kultstatus nicht hinausgekommen, obwohl er doch – ähnlich wie der kürzlich besprochene ALONE IN THE DARK – unbedingt zu den originellsten und schönsten Genrebeiträgen zu zählen ist. Und als New-York-Film ist er absolut essenziell. Freigeister schauen ihn vielleicht sogar im Double Feature mit Scorseses AFTER HOURS.

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Kommentare
  1. […] ich über C.H.U.D. schrieb, kann ich hier wiederholen: Innerhalb seines Jahrzehnts steht SOLE SURVIVOR als […]

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