the ninja mission (mats helge, schweden 1984)

Veröffentlicht: August 11, 2010 in Film
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Der Kernphysiker Markov (Curt Broberg), der eine Erfindung gemacht hat, die seinen eigenen Worten zufolge die Welt verändern wird, wird von den Russen festgehalten, die seine Erfindung natürlich in ihren Händen wissen wollen. Doch Markov traut den Roten nicht mehr, will deshalb überlaufen und seiner Tochter, der Nachtclubsängerin Nadia (Hanna Pola), das große Geheimnis anvertrauen. Agenten des CIA sollen Markov zu diesem Zweck aus Russland rausholen und zu ihr nach Schweden bringen. Doch der Plan geht schief: Die Russen greifen Markov auf der Flucht wieder auf, täuschen ihn jedoch über ihre wahre Identität und geben sich als wohlgesonnene Amerikaner aus. Auftritt Mason (Krzysztof Kolberger), ein Söldner und Ninja, der für den CIA arbeitet und die Aufgabe hat, Markov zu befreien. Ein hübsches Waffenarsenal soll ihm dabei helfen …

Eigentlich hatte ich einen handfesten Baddie erwartet, als ich mir diesen Film besorgt habe: Ein schwedischer Ninjafilm, das konnte ja eigentlich kaum was geben. Nach zweimaliger Sichtung muss ich nun mehr als verdutzt einräumen, dass ich THE NINJA MISSION nicht nur ziemlich knorke finde, sondern ihn sogar zu den besten Filmen des kurzlebigen, aber umfangreichen Ninjafilm-Subgenres zählen würde. (Interessenten lassen sich also bitte nicht von den miesen Bewertungen auf IMDb beirren, die Menschen haben einfach keine Ahnung.) Der Ninjafilm krankt ja generell an seinen meist nichtvorhandenen Budgets, die in Verbindung mit der Effektorientierung des Subgenres unfreiwillige Lacher provozieren, und einer derben Schlagseite Richtung Fantasyquatsch, die es zusätzlich erschwert, den gebotenen Hokuspokus als Erwachsener ernst zu nehmen. Mats Helge scheint das erkannt zu haben, umschifft geschickt beide Klippen, reduziert den Ninjafilm auf das Wesentliche und orientiert sich zudem an einem inszenatorischen Vorbild, das wahrlich nicht das schlechteste ist, wenn die Mittel beschränkt sind: John Carpenter. THE NINJA MISSION erinnert frappierend an dessen Meisterwerk ESCAPE FROM NEW YORK und damit an einen Film, bei dem es unter strenger Einhaltung der in Aristoteles‘ Dramentheorie geforderten Einheit von Raum, Zeit und Handlung gelungen war, eine immense Spannung aufzubauen, die nicht in erster Linie auf gewaltige Effektschlachten angewiesen war. Wie dieses Vorbild spielt auch THE NINJA MISSION fast ausschließlich bei Nacht, bringt Erzählzeit und erzählte Zeit fast überein, verfügt über einen dräuenden Synthiescore und erzeugt eine Atmosphäre, die vom Gefühl der herannahenden Apokalypse und dem unaufhaltsamen Verrinnen der Zeit geprägt ist, welche für die Achtzigerjahre so charakteristisch war. In Verbindung mit der konsequenten Entmystifizierung der Ninjafigur gelingt Helge so tatsächlich ein düsterer und ernster Ninjafilm: Mason und seine Ninjas sind keine magisch begabten Krieger, die sich von A nach B beamen können, sich in Rauch auflösen oder sonstige Zaubertricks beherrschen, sondern lediglich eine gut geschulte Eliteeinheit. Was sie zu Ninjas macht, welche Ausbildung sie genossen haben und woher sie kommen, das bleibt völlig offen. Der fernöstliche Exotismus, auf den der Ninjafilm sonst nur ungern verzichtet, erschöpft sich in diesem Film in der Creditsequenz, in der schwarze Ninjasilhouetten vor rotem Hintergrund zu asiatisch anmutenden Klängen choreografiert werden und die stimmungsmäßig kaum Bindung zum restlichen Film hat. Wer den Ninjafilm gerade wegen seiner Gimmicks liebt, wird von THE NINJA MISSION trotzdem nicht enttäuscht werden: In bester Bondmanier werden Mason und seine Männer nämlich mit hübschen Waffen ausgestattet, die zum großen Finale dann für einige Klappbewegungen der Kinnlade sorgen. Wenn die Helden mit Giftpatronen um sich schießen, die zu einer Explosion innerer Organe führen, dann bleibt kein Auge trocken, fliegt die blutrote Hirse meterweit. Ja, Helges Film ist ziemlich hart und es macht durchaus Sinn, ihn im Rahmen eines schwedischen Actionspecials zusammen mit WAR DOG zu konsumieren, weil beide von einer Tristesse und Düsternis geprägt sind, die beachtlich ist. All diese Elemente habe ich als untrügliche Stärken wahrgenommen, die die kleineren Verfehlungen des Films – warum ausgerechnet eine Nachtclubsängerin, die ihre letztklassige Laura-Brannigan-Kopie mit einem Netzhemd über dem blanken Busen absolviert, die geeignete Empfängerin für Geheimformeln von weltveränderndem Format sein soll, erschließt sich etwa nicht unmittelbar – weit überlagern. Wer sich über THE NINJA MISSION lustig macht, ist ein ahnungs- und humorloser Besserwisser, der besser keine Actionfilme sehen, sondern sich auf todsterbenslangweiligen Vertreter des durchnormierten Qualitätskinos beschränken sollte. THE NINJA MISSION ist jedenfalls große Klasse.

Kommentare
  1. […] erwarten würde, als ich die DVD in den Player schob, die unerwarteterweise zusätzlich in meiner NINJA – IN GEHEIMER MISSION/NINJA 2: RUSSIAN TERMINATOR-DVD-Doppelbox enthalten war. Doch bereits nach ca. zehn Minuten, in […]

  2. […] RUSSIAN NINJA wurde als Fortsetzung von Helges THE NINJA MISSION vermarktet, hat mit diesem aber eigentlich nur oberflächlich zu tun: Auch THE RUSSIAN NINJA […]

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