blue city (michelle manning, usa 1986)

Veröffentlicht: August 16, 2010 in Film
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Billy Turner (Judd Nelson) kehrt nach fünfjähriger Abwesenheit in seine floridianische Heimatstadt Blue City zurück, die er nach einer Auseinandersetzung mit seinem Vater verlassen hatte. Mit diesem will er sich nun versöhnen, muss aber erfahren, dass er – immerhin der Bürgermeister von Blue City – vor einem Jahr von einem unbekannten Täter erschossen wurde.  Weil sich in der Stadt niemand wirklich für den Mord zu interessieren scheint – auch nicht die Polizei -, ermittelt Billy auf eigene Faust. Sein Verdacht fällt bald auf den dubiosen Geschäftsmann Kerch (Scott Wilson): Der hat nicht nur die ganze Stadt eingeschüchtert, sondern sich auch gleich noch Billys Stiefmutter Malvina (Anita Morris) und mit ihr das Familienvermögen unter den Nagel gerissen. Zusammen mit seinem alten Schulfreund Joey (David Caruso) und dessen Schwester Annie (Ally Sheedy) beginnt Billy Druck auf Kerch auszuüben …

BLUE CITY vereint die THE BREAKFAST CLUB-Stars Judd Nelson und Ally Sheedy vor der Mitte der Achtzigerjahre schwer angesagten Kulisse Floridas und spinnt um sie herum eine Hardboiled-Geschichte, die von niemand geringerem als Walter Hill nach einem Roman des renommierten Krimiautoren Ross Macdonald für die Leinwand adaptiert wurde. Die Rückkehr-und-Rache-Geschichte ist aber letztlich kaum mehr als Genrestandard, der hier zudem nicht durch die Inszenierung gebrochen wird, wie das etwa in einem Hill-Film unzweifelhaft der Fall wäre: Es ist ausschließlich die Jugend seiner Protagonisten, die BLUE CITY von vergleichbaren Filmen abhebt. Der Rachefeldzug ist dann auch nicht von söldnerhaftem Know-how und heldenhaftem Mut, sondern vielmehr von Tollkühnheit und pubertärem Omnipotenzwahn geprägt. Die Gefahr, der sich Billy und Joey aussetzen, scheint ihnen kaum bewusst zu sein: Kerchs Casino zu überfallen ist für sie nicht mehr als ein lustiger Jungenstreich, ein Abenteuer, dessen erfolgreiche Ausführung später übermütig mit Dosenbier begossen und ausgelassenem Gelächter quittiert wird. Mir stellte sich während der Sichtung schon die Frage, ob diese Gewichtung so beabsichtigt war (was letztlich egal ist) oder ob sie nicht vor allem auf das Konto von Nelson geht: Dem nimmt man den verwegenen Badass aufgrund der von ihm schon im BREAKFAST CLUB ausgeloteten Teenage-Angst-Symptome nur schwerlich ab. Billys Renitenz hat immer eher etwas von Bockigkeit und jugendlichem Selbstmitleid als von gerechtem Zorn und wenn er tonlos vor sich hin nuschelt, fällt es schwer, ihn als Bedrohung wirklich ernst zu nehmen. Ally Sheedy trägt mit ihrem etwas manisch wirkenden, stieren Blick ihren Teil genauso dazu bei wie David Caruso, der mit Zahnlücke, Käppi, Lockenschopf und aufgemalt wirkendem Dreitagebart kaum weiter entfernt sein könnte von seiner in Coolness erstarrten CSI-Inkarnation. BLUE CITY, den man mit einigem Recht als Teenieversion von WALKING TALL bezeichnen könnte, ersetzt so die existenzialistische Schwere des Action- und Crimefilms durch jugendlichen Leichtsinn und Übermut, inszeniert den Kampf gegen die Bösewichte als Cowboy-und-Indianer-Spiel, ohne dabei jedoch völlig auf die Wahrnehmung seiner Protagonisten hereinzufallen: Als Zuschauer neigt man weniger dazu, Billy & Co. anzufeuern oder mit ihnen zu fiebern, als vielmehr die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen angesichts ihres Leichtsinns und zu hoffen, dass das alles gut ausgeht. Leider geht BLUE CITY ein wenig das inszenatorische Profil ab, um diesen Aspekt stärker herauszuarbeiten: Klar, die Kulisse wird postkartenverdächtig eingefangen, der Score heizt ganz gut ein und Langeweile kommt auch keine auf, aber es wäre schon interessant zu wissen, was etwa ein Walter Hill aus dem Stoff gemacht hätte. Regisseurin Manning durfte sich später noch an zwei MIAMI VICE-Folgen versuchen, für die sie sich hiermit sehr empfohlen hatte, hat zu BLUE CITY aber nur wenig eigene Ideen beizusteuern, inszeniert im positiven Sinne unauffällig und zweckdienlich. Die beste Leistung absolviert ohne Zweifel Paul Winfield, stets zuverlässiger Nebendarsteller, der hier ausnahmsweise mal eine etwas gewichtigere Rolle abbekommen hat, die ihm ausgesprochen gut zum markanten Gesicht steht. Fazit: Nicht ohne Schwächen, aber doch sehr unterhaltsam.

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Sehr schön, was du da mal wieder hervorbeförderst aus alten Tagen. Würde ich auch gern mal wieder sehen 🙂

  2. Oliver sagt:

    Habe noch einiges in der Hinterhand … 🙂

  3. Funxton sagt:

    Seufz.

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