the russian ninja (mats helge, dänemark 1989)

Veröffentlicht: August 20, 2010 in Film
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Der ehemalige Agent (?) Mark Robinson (Frederick Offrein) wird vom Staatsbeamten Garland (Timothy Earle) reaktiviert: Der Freund von dessen Tochter Eve wurde von den Russen entführt, um Druck auf Garland auszuüben. Der besitzt nämlich wichtige Geheimdokumente, die alle Friedensbemühungen zwischen Ost und West ein für alle mal beenden könnten. Robinson soll dies verhindern, doch ein russischer Ninja schaltet sich als dritte Partei in das Gerangel ein …

THE RUSSIAN NINJA wurde als Fortsetzung von Helges THE NINJA MISSION vermarktet, hat mit diesem aber eigentlich nur oberflächlich zu tun: Auch THE RUSSIAN NINJA spielt überwiegend bei Nacht, verfügt über eine ähnlich triste Optik wie der Vorgänger und siedelt seine Geschichte inmitten des Kalten Krieges an. Leider war es das aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn Mats Helge kann qualitativ nicht an THE NINJA MISSION anknüpfen, dem es trotz seiner beschränkten Mittel nicht nur gelungen war, eine eisige Atmosphäre zu erzeugen, sondern auch, die nicht unproblematische Ninjathematik von unfreiwilligem Humor zu befreien. THE RUSSIAN NINJA hingegen versäumt es, seine Zuschauer ins Boot zu holen, ist viel zu umständlich erzählt und kommt daher nie richtig in Gang. Doch irgendwie scheint das auch Methode zu haben: Baute schon THE NINJA MISSION auf einem zentralen McGuffin auf – Sinn und Zweck der Erfindung, um die es dort ging, wurde nie geklärt -, so wird das hier ins Extrem gesteigert. Worum sich die drei Parteien in THE RUSSIAN NINJA eigentlich streiten, bleibt völlig unklar, und wie man das Cliffhanger-Ende zu bewerten hat, das eigentlich keine einzige Frage der aufgeworfenen beantwortet, sondern nur neue hinzufügt, muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Diese schon fast an Leere grenzende Offenheit ist natürlich insofern konsequent, als es ja immer schon eine der wichtigsten Erkenntnisse des Agentenfilms und des Politthrillers war, dass der Kampf der Geheimdienste längst zum Selbstzweck verkommen ist, der sich weitestgehend von realen Zwecken gelöst hat. Wenn Helge das abbilden wollte, dann ist THE RUSSIAN NINJA schon fast genial zu nennen: Das Schleichen, Morden, Spionieren, Stehlen und Täuschen füllt den gesamten Film aus, ohne dass es jemals zu irgendetwas anderem führen würde als zu neuerlichem Schleichen, Morden, Spionieren, Stehlen und Täuschen. Die Ränkespiele der Geheimdienste erinnern frappierend an das Räuber-und-Gendarm-Spiel von Kindern, nur das hier mit scharfer Munition geschossen wird und Menschen ihr Leben für die Scharade opfern. Vielleicht ist es vor diesem Hintergrund nur folgerichtig, dass THE RUSSIAN NINJA völlig uninvolvierend bleibt, nur ändert das nichts daran, dass man sich als Zuschauer einfach königlich langweilt.

Erschwerend hinzu kommt, dass Hauptdarsteller Frederick Offrein, eine Mischung aus Reinhold Messner und Werner Lorant (nachzuschauen auf dem Foto links), überhaupt keine Eignung zum Actionhelden mitbringt und die Ausstattung des Films dessen Ernsthaftigkeit mehr als einmal krass unterläuft. Wenn Robinson zu Beginn in seinem neuen Job als Modefotograf gezeigt wird und leidlich attraktive Damen mit ihren potthässlichen Spätachtziger-Winterklamotten für ihn vor einem unmotiviert in die Pampa gestellten Sportflitzer rumposieren, fragt man sich unweigerlich, ob Helge nicht besser eine Beschäftigung für den Mann gewählt hätte, die auch mit dem vorhandenen Minibudget noch halbwegs würdevoll darstellbar gewesen wäre. (Mal ganz davon abgesehen, dass es eine eher ungewöhnliche Karriereentscheidung für einen Agenten ist, in die Modebranche zu wechseln.) Und wenn Robinson dann später seine an eine arbeitslose Christina Plate erinnernde Ehefrau aufsucht und unter seinem Blouson ein Strickpulli mit infantilem Düsenfliegermotiv zum Vorschein kommt, ist er als Identifikationsfigur eigentlich gestorben. Die Kommentare auf IMDb, die THE RUSSIAN NINJA als Baddie mit So-bad-it’s-good-Potenzial verlachen, liegen trotzdem daneben: Denn so glanzlos der Film auch ist, so richtig schlecht gemacht ist er eigentlich nicht. Ihm gelingt es nur weniger als dem Vorgänger, seine Defizite als Stärken zu interpretieren.

Kommentare
  1. […] in den Player schob, die unerwarteterweise zusätzlich in meiner NINJA – IN GEHEIMER MISSION/NINJA 2: RUSSIAN TERMINATOR-DVD-Doppelbox enthalten war. Doch bereits nach ca. zehn Minuten, in denen die oben erwähnte […]

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