blue vengeance (j. christian ingvordsen/danny kuchuck, usa 1992)

Veröffentlicht: August 24, 2010 in Film
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Dem geisteskranken Serienmörder Mark Trax (John Weiner) gelingt nach einem gescheiterten Selbstmordversuch die Flucht aus der Anstalt, in der er eingekerkert ist. Nachdem er seinen Unfalltod fingiert hat, kehrt er an seine alte Wirkungsstätte New York zurück und setzt getrieben von inneren Stimmen sein vor zehn Jahren unfreiwillig beendetes Handwerk fort. Der Polizeibeamte Mickey McCardle (J. Christian Ingvordsen), der einst an der Verhaftung des damals noch jugendlichen Killers beteiligt war und dabei nicht nur seinen Partner verlor, sondern auch die Chance auf eine erfolgreiche Laufbahn in der Mordkommission, erkennt in den neuerlichen Morden die Handschrift des angeblich toten Trax. Weil niemand ihm glaubt, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln … 

Nach seinem Jahrhundert-Actioner HANGMEN, der in einer gerechten Welt in einer prächtigen Special Edition mit Soundtrack erschiene, beschert uns der in Dänemark geborene Ingvordsen (ich schreibe ihm jetzt einfach mal den inszenatorischen Löwenanteil am Film zu) mit BLUE VENGEANCE (in seiner spastischen Diktion geradezu kongenialer deutscher Verleihtitel: ZWANG ZUM TÖTEN) den nächsten Hieb in die Magengrube. Wie der genannte lebt auch dieser Film von seinen mit einem beachtlichen Gespür fürs Hässliche ausgewählten Settings, die die Glitzermetropole New York in eine hoffnungslose Endzeitlandschaft verwandeln, den unverbrauchten und natürlich agierenden Schauspielern, die aussehen, als hätte man sie gleich von der Straße weggecastet, einer hart angezogenen Gewaltschraube, dem Verzicht auf jegliche auflockernde oder gar komische Elemente und einer unangenehmen, aber kaum näher identifizierbaren Atmosphäre. Nach furiosem Auftakt mit dem wirres Zeug in die Kamera sprechenden Trax, einer Strafanstalt, die ans finstere Mittelalter denken lässt, und einem Abstecher in die von Barbaren- und Fantasyfilmen inspirierte Gedankenwelt des Killers, in der dieser sich mit einem Schwert bewaffnet gegen einen hünenhaften Krieger zur Wehr setzen muss, steuert BLUE VENGEANCE zwar bald etwas seichtere Fahrwasser an (sprich: er wird etwas konventioneller), verzichtet glücklicherweise aber nicht ganz auf bizarre Einfälle. Es stellt sich heraus, dass Trax als Jugendlicher auf dem Heavy-Metal-Trip hängengeblieben ist, die Texte seiner Kapelle geradezu als sein Evangelium begriffen hat und nun enttäuscht feststellen muss, dass seine einstigen Mitstreiter die gemeinsame Metalvergangenheit als läppische Jugendsünde abgehakt haben. Einer nach dem anderen muss für diesen Verrat blutig bezahlen und als Mordwaffe dienen Trax nicht etwa Revolver oder Messer, sondern Streitaxt, Zweihänder und ähnlich anheimelndes Werkzeug, das er in seinem alten Kinderzimmer versteckt (in dem auch ein hübsches HANGMEN-Plakat an der Wand hängt – Geschmack hat er, das muss man ihm lassen!). Das Finale muss man gesehen haben, um zu glauben, dass es tatsächlich nicht unfreiwillig komisch wirkt: Auf dem Moped respektive Fahrrad (mit Korb am Lenkrad!) treten Trax und McCardle gegeneinander zum Duell an, fahren mit Eisenstangen ausgestattet aufeinander zu und versuchen sich gegenseitig von ihrem Gefährt herunterzustoßen wie weiland die Ritter von ihren Pferden. Das alles ist wie gesagt ohne jedes Augenzwinkern inszeniert und funktioniert tatsächlich. BLUE VENGEANCE bleibt zwar strikt dem exploitativen Gewaltfilm verpflichtet, leistet bei der filmischen Darstellung von Wahnsinn dennoch durchaus Beachtliches: Mark Trax ist eine der merkürdwigsten, irritierendsten, irrsten und schlicht bizarrsten Serienmörder der Filmgeschichte, was umso bemerkenswerter ist, als dieser Eindruck weitestgehend ohne Griff in die große Effektkiste erzeugt wird. BLUE VENGEANCE ist sicherlich kein Meisterwerk, aber zwischen so runterziehenden New-York-Filmen wie Findlays GAME OF SURVIVAL oder Giovinazzos COMBAT SHOCK findet er ein durchaus angemessenes Plätzchen, für das er sich nicht zu schämen braucht. Ich würde ihn, aufs Wesentliche runtergebrochen, so beschreiben: Brutal. Dreckig. Laut. Asozial. Geil.

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