witchboard (kevin tenney, usa/großbritannien 1986)

Veröffentlicht: August 25, 2010 in Film
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Auf einer Party überredet Brandon (Stephen Nichols) seine Ex-Freundin Linda (Twany Kitaen) dazu, mit ihm gemeinsam ein Ouija-Brett zu benutzen und einen Geist zu rufen, sehr zum Missfallen ihres aktuellen Partners Jim (Todd Allen), der das alles nicht nur für weltfremden Blödsinn, sondern darüber hinaus vor allem für einen Annäherungsversuch von Brandon hält. Insofern ist er auch nicht sonderlich beeindruckt, als Brandon und Linda Kontakt zum Geist des zehnjährigen David aufnehmen. Im Folgenden ist er aber gezwungen, gegen seine Überzeugungen zu handeln und seine bisherige Haltung zu überdenken, denn Linda gerät durch die wiederholte Benutzung des Brettes in ein Abhängigkeitsverhältnis. Und je häufiger sie zu David Kontakt aufnimmt, umso aggressiver wird der zuvor so freundliche Geist. Zusammen mit Brandon versucht Jim herauszufinden, was es mit David auf sich hat …

WITCHBOARD war in den USA seinerzeit ein kleiner Hit, der ein paar Jahre später auch noch das unvermeidliche Sequel nach sich zog. Trotzdem hat mich der Film nie so wirklich interessiert, was wohl daran liegt, dass ich Geisterbeschwörungen und Ouija-Brett-Spielereien weder besonders faszinierend noch wirklich unheimlich finde. Ich erinnere mich aber noch daran, dass dieses Thema in meiner Jugend medial recht präsent war, von besorgten Eltern und Pädagogen immer wieder angesprochen wurde, so als sei es ein echtes gesellschaftliches Problem, dass Jugendliche versuchen, sich mit Geistern zu unterhalten. Natürlich ging es in dieser Debatte nicht wirklich um Übersinnliches: Dahinter stand vor allem die Befürchtung, dass charakterlich noch nicht gefestigte Minderjährige die Spielereien allzu ernst nehmen und infolgedessen seelischen Schaden erleiden könnten – oder vielleicht sogar körperlichen, wenn sie darüber mit den falschen Menschen in Kontakt kämen.

Tenney wählt für seinen Film den absolut richtigen Ansatz, indem er genau das thematisiert, sich nicht Hals über Kopf auf den fantastischen Gehalt seiner Geschichte stürzt, sondern zumindest in den ersten beiden Dritteln die Möglichkeit offenlässt, der „Spuk“ könne rein psychische Ursachen haben, und die Veränderungen, die die Beschäftigung mit dem „Hexenbrett“ in Lindas Verhalten nach sich zieht, in den Fokus rückt. Der Schluss, dass WITCHBOARD vielleicht erfolgreicher als Film über Suchtverhalten gelesen werden kann als über den Einfluss des Übersinnlichen auf unser Leben, wird von Tenney aber auch dadurch nahegelegt, dass er immer wieder den Alkoholismus von Jims verstorbenen Eltern und die infolgedessen stattgefundene emotionale Verkarstung von Jim selbst anspricht und zum Ausgangspunkt der interpersonellen Konflikte seiner Protagonisten und damit auch der Geistergeschichte macht. Die Beilegung dieser Konflikte – vor allem zwischen Brandon und Jim, aber auch zwischen Jim und Linda – überlagert über weite Strecken den Geisterbefall-Plot: Mehr als um den erfolgreichen Exorzismus geht es darum, dass die drei einstigen Freunde das Kriegsbeil begraben und mit ihrem Leben weitermachen können.

Dass WITCHBOARD daher über weite Strecken an eine Soap Opera erinnert, ist kaum verwunderlich, sondern nur folgerichtig. Inszenatorisch eher unauffällig, hält sich Tenney mit den damals modernen Splattereinlagen zurück, die Spezialeffekte sind eher zweckdienlich, als dass sie zum Mittelpunkt des Geschehens avancierten. Weil WITCHBOARD aber dann doch irgendwie auch ein Horrorfilm ist, müssen gegen Ende die Mechanismen des Kintopps greifen, ein böser Geist herbeifabuliert und die Protagonistenliste dezimiert werden. Die finale Auseinandersetzung zwischen Jim und seiner besessenen Linda passt dann auch nur noch bedingt zum zurückhaltenden Rest und muss wohl als Zugeständnis ans Publikum bewertet werden, das allerdings nicht nur in der Erwartung eines schönen Scareflicks ins Kino gerannt war.

Mit Tawny Kitaen konnte Tenney nämlich eine Darstellerin gewinnen, die Mitte der Achtzigerjahre kurzzeitig zur Szeneikone avanciert war. Als Tom Hanks‘ Gspusi in BACHELOR PARTY machte sie erstmals von sich reden, zierte danach leichtbekleidet diverse Hardrock-Plattencover und räkelte sich dekorativ durch eine Handvoll Videoclips von Whitesnake, mit deren Sänger Davoid Coverdale sie liiert und später dann auch mal kurz verheiratet war. Hier bleibt sie bis auf eine kurze Duschszene zwar stets züchtig bekleidet, sieht aber trotzdem ziemlich schnuckelig aus und macht ihre Sache darüber hinaus durchaus ordentlich. Heute macht sie wie so viele vergleichbare deutsche Promis vor allem mit Skandälchen und Entziehungskuren auf sich aufmerksam und vermarktet ihr Privatleben in demütigenden Reality-Soaps. Ob da böse Geister ihre Finger im Spiel hatten? WITCHBOARD jedenfalls, um jetzt mal wieder zum Thema zurückzukommen, ist ein respektabler kleiner Film, der aber bestimmt niemandem schlaflosen Nächte bereiten wird. Und Tawny Kitaen sehen meine Leser in diesem Kino demnächst in Just Jaeckins GWENDOLINE, wo sie dann auch weniger anhat als hier.

Kommentare
  1. Marcos sagt:

    GWENDOLINE haben wir erst vor kurzem gesehen. Trash trifft Kunst trifft Comic trifft Trash. 🙂

  2. Oliver sagt:

    So etwas in der Art erwarte ich auch. Bin sehr gespannt, zumal Jaeckins EMMANUELLE letztes Jahr eine immens positive Überraschung für mich war.

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