the wolfman (joe johnston, großbritannien/usa 2010)

Veröffentlicht: August 29, 2010 in Film
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Als dem Schauspieler Lawrence Talbot (Benicio Del Toro) von seiner Schwägerin (Emily Blunt) die Nachricht überbracht wird, dass sein Bruder unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist, begibt er sich in seine alte Heimat Blackmoor, die er einst nach einem Streit mit seinem Vater (Anthony Hopkins) verlassen hatte. Es stellt sich heraus, dass sein Bruder einem aggressiven Wolf zum Opfer fiel, der bei einer einberufenen Hetzjagd auch Lawrence verwundet. Nachdem  die schwere Verletzung erstaunlich schnell verheilt ist, bemerkt Lawrence zunächst nur eine Steigerung seiner Sinneswahrnehmungen. Doch das ist nur der Anfang …

Das Remake von George Waggners Universal-Klassiker aus dem Jahr 1941 bemüht sich zum einen natürlich, den Werwolfstoff gemäß der neuen technischen Möglichkeiten optisch aufzumöbeln und ist dabei – wenn auch nicht besonders originell – recht erfolgreich. Griff Waggner noch auf die bereits erprobten und mit viel Trockeneisnebel zugerauchten Studiosettings zurück, die den Universal-Horrorklassikern ihre wunderschön düstergothische Stimmung verliehen, so darf Johnston viel weiträumiger inszenieren, das im graugrünen Moor gelegene britische Örtchen Blackmoor und den an die Familienvilla der Ushers erinnerndern von dunklen Wäldern umgebenen Landsitz der Talbots in stimmungsvollen (aber leider auch mit viel typischer Computer-Colorierung bearbeiteten) Bildern einfangen. Und wenn eine längere Sequenz in London spielt, der Wolfsmensch im Mondschein nicht nur über die Dächer der Großstadt springt, sondern auch die Tower Bridge dekorativ anheult, dann wird auch dem WOLFMAN-Vorläufer WEREWOLF IN LONDON von 1935 Referenz erwiesen.

Man könnte Johnstons Film schon vorwerfen, dass er sich in diesem visuellen Update erschöpft: Aber solcher Vorwurf übersieht, dass Johnston kaum versucht, das eigentlich wichtigste Elemtent des Werwolffilms zu revolutionieren: die Metamorphose, deren bahnbrechende Umsetzung Filmen wie Landis‘ AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON oder mit Abstrichen auch Dantes THE HOWLING Klassikerstatus verschaffte. Ein kluger Schachzug, denn die physische Kraft dieser Effektsequenzen, ihre fast greif- und fühlbare Pein lässt sich mit CGI-Animationen nur unzureichend reproduzieren, wie die fast schon verschämt eingefügte, kurz und pflichtschuldig abgewickelte Verwandlung beweist (die eigentlich nur Einstellung aus Landis‘ Film „übersetzt“). Johnston geht in seinem ganzen Wolfdesign dann auch eher einen Schritt zurück: Sein Wolfman ist tatsächlich ein Mensch mit bloß wölfischen Zügen, anstatt eines Wolfes mit leicht menschlichen Zügen. Es ist auch dieses Design, das den Film für mich – durchaus überraschend – so liebenswert gemacht hat. Johnston holt den Stoff zurück in eine Legenden- und Märchenwelt, anstatt ihn, wie die Werwolffilme der vergangenen 30 Jahre, möglichst „realistisch“ zu gestalten. Und damit fährt er sehr gut. Die einzige nennenswerte inhaltliche Änderung, die sich Drehbuchautor Andrew Kevin Walker hat einfallen lassen, steht dem zwar entgegen, ist aber trotzdem recht schlau: Er verankert die Wolfsthematik in einer dysfunktionalen Vater-Sohn-Beziehung, macht die tierischen Mordtouren als krasse Auswirkungen eines tief verwurzelten ödipalen Konflikts lesbar.

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