paranormal activity (oren peli, usa 2007)

Veröffentlicht: September 8, 2010 in Film
Schlagwörter:, , , ,

Weil Katie (Katie Featherston) glaubt, von einem Poltergeist verfolgt zu werden, kauft ihr Freund Micah (Micah Sloat) eine Kamera, die von nun an alles aufzeichnen soll, was im Haus geschieht – vor allem nachts, wenn das Pärchen schläft. Tatsächlich verschaffen ihnen die Aufnahmen Gewissheit darüber, dass etwas im Haus herumspukt. Doch während Katie zunehmend ängstlicher wird, weil sie glaubt, der Geist habe es auf sie abgesehen, beginnt Micah diesen offen zu provozieren. Mit dem Ergebnis, dass er sich nicht mehr länger mit dem Schlagen von Türen begnügt …

Ich spare mir an dieser Stelle die Ausführungen darüber, was für ein immenser Erfolg dieser günstig produzierte Amateurfilm blablabla, weil es eigentlich dieselbe Geschichte ist, die mich schon zu Zeiten von BLAIR WITCH PROJECT nicht interessiert hat. Interessanter ist da schon, wie ausformuliert das überschaubare Subgenre des neuen Found-Footage-Horrorfilms nach nur wenigen Jahren bereits ist. (Kurzer Exkurs: Mir ist klar, dass dieses Subgenre nicht mit BLAIR WITCH PROJECT, ja wahrscheinlich noch nicht einmal mit CANNIBAL HOLOCAUST erfunden wurde, beziehe mich mit dem Begriff des Found-Footage-Horrorfilms aber der Verkürzung halber – und weil es im populären Verständnis wahrscheinlich tatsächlich als so neu empfunden wird – ausschließlich auf diese neuen Vertreter seit BWP.) Tatsächlich scheint es – vergleicht man seine populärsten Vertreter, also BWP, CLOVERFIELD[REC], WELCOME TO THE JUNGLE oder eben PARANORMAL ACTIVITY miteinander – über ein relativ starres Gerüst zu verfügen, das kaum variiert werden kann/muss, was zumindest teilweise mit der für diese Filme essenziellen Ausrichtung auf Authentizität begründet werden kann. So brechen alle genannten Filme sehr abrupt ab; die meisten darüber hinaus mit einem Schockeffekt, der zugleich die große Enthüllung des Films darstellt (einzige Ausnahme wäre hier CLOVERFIELD). Dies ist jedoch nicht etwa der Einfallslosigkeit der (realen) Filmemacher geschuldet, sondern strukturelle Notwendigkeit: Da der Film ja „gefunden“ und uns Zuschauern zugänglich gemacht wurde, muss er die Hände seiner intradiegetischen Macher notgedrungen irgendwann verlassen haben. Der Tod dieser intradiegetischen Filmer ist als Ende des Films also unumgänglich, ja notwendige Bedingung dafür, dass wir ihn überhaupt zu Gesicht bekommen. Akzeptiert man, dass das Ende der Found-Footage-Filme also quasi prädestiniert ist, so ergeben sich daraus sowohl einige Bedingungen für den Handlungsverlauf des Filmes selbst als auch für dessen Rezeption: Die Vorahnung des (bösen) Endes schreibt sich schon in ihren Verlauf ein, der seine Spannung nicht daraus bezieht, was (wir wissen es ja bereits) und nur in geringem Maße wie es passieren wird. Eigentlich geht es bei diesen Filmen überhaupt nicht um Spannung im herkömmlichen Sinn (auch wenn die Differenz zwischen dem Wissen der Zuschauer und dem Unwissen der Protagonisten per definitionem die Kluft ist, in der Suspense entsteht), sondern vor allem um die Erzeugung eines Gefühls der Unausweichlichkeit. So sehr wir auch mit ihnen fiebern mögen: Es wird den Protagonisten nicht gelingen, die Prophezeiung zu durchbrechen und dem Unausweichlichen zu entgehen. Dieses Gefühl der Machtlosigkeit ist identisch mit der ganz elementaren Furcht vor dem Tod, der als unauslöschliche Gewissheit über uns schwebt und sich nicht wegdiskutieren lässt. Im Handlungsverlauf schlägt sich das auch im zunehmend zerrüteteten Nervenkostüm der Protagonisten nieder, die immer verzweifelter werden, weil ihre Bemühungen nicht fruchten, bis sie schließlich erst den Verstand und dann das Leben verlieren.

In PARANORMAL ACTIVITY wird diese Unausweichlichkeit besonders durch die fast musikalische Gliederung in Strophen und Refrains evident: Der Spuk ist (fast) ausschließlich auf die in gleichmäßigen Abständen wiederkehrenden Nachtaufnahmen reduziert, die sowohl farblich als auch durch ihre Statik aus dem Rest herausstechen. Es ist für den Zuschauer jederzeit klar, wann etwas passieren wird – umso mehr, als ereignislose Minuten sichtbar „vorgespult“ werden. Und so entfaltet sich der Spuk vor uns ohne Überraschung, vielmehr mit dem eisigen Frösteln, das uns in den Nacken kriecht, wenn etwas auf die befürchtete schlimmste Art und Weise geschieht. Davor kann man nur die Augen verschließen und an etwas anderes denken; und genau das scheint ja auch die Moral von PARANORMAL ACTIVITY zu sein, der sich in mehr als nur einer Hinsicht die eigene Grundlage überhaupt erst schafft: Hätten Micah und Katie nur die verdammte Kamera nicht aufgebaut. Oder sich die Bänder einfach nicht angesehen. Alles wäre anders gekommen. Oder doch nicht?

Kommentare
  1. […] THE CONJURING inszenierte James Wan diesen Mystery-Grusler mit den Produzenten der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe. Deren Einfluss macht sich vor allem während der ersten beiden Drittel durchaus positiv […]

Schreibe eine Antwort zu insidious (james wan, usa/kanada 2010) | Remember it for later Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.