undisputed 3: redemption (isaac florentine, usa 2010)

Veröffentlicht: September 8, 2010 in Film
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Nachdem der verurteilte Mörder und Kampfsportler Uri Boyka (Scott Adkins) in Teil 2 zum Krüppel geschlagen wurde, fristet er sein Dasein mit dem Toilettenschrubben in einem heruntergekommenen russischen Knast. Mit seinem erfolgreichen Comebackkampf, den er dem Knastfight-Veranstalter Gaga (Mark Ivanir) abringt, qualifiziert er sich für ein groß angelegtes Turnier, in dem die besten und härtesten Knastfighter der ganzen Welt gegeneinander antreten. Nach einigen Streitereien freundet sich Boyka dort mit dem großmäuligen Amerikaner Turbo (Mykel Shannon Jenkins) an. Beide werden sich noch brauchen, denn was sie nicht wissen: Das Turnier ist von den Veranstaltern fingiert, der Sieger steht schon fest und alle anderen Teilnehmer sollen den Austragungsort nicht lebend verlassen …  

Auf Isaac Florentine ist Verlass: UNDISPUTED 3: REDEMPTION braucht zunächst ein bisschen Zeit, um auf Touren zu kommen, schraubt sich dann aber erneut in Sphären empor, die zurzeit kaum ein Actionregisseur erreicht. Die Kampfsequenzen sind wieder einmal von beeindruckender Musikalität und Virtuosität und der von Florentine bekannte Kniff, blitzartig zwischen Zeitlupe und Zeitraffer zu wechseln, ist längst nicht nur schnöde Augenwischerei wie bei so vielen Regisseuren, sondern macht die Zweikämpfe tatsächlich „lesbar“, arbeitet förmlich die ihnen innewohnende Grammatik heraus. Sieht man einmal davon ab, dass Florentine für UNDSIPUTED 3: REDEMPTION auf die bereits in etlichen Filmen herausgearbeitete Turnierkampf-Schablone zurückgreift und diese mit den ebenfalls etablierten Subplots anreichert – die Selbstüberwindung des Protagonisten, die Freundschaft zwischen den ungleichen Rivalen, die Un- bzw. Übermenschlichkeit des Bossfighters, die illegalen Machenschaften der Veranstalter -, für seine Verhältnisse also sehr viel Erzählung in kurzer Zeit anhäuft, bleibt er sich in seiner Strategie, den Actionfilm zum Tableau für kraftvolle, ja beinahe religiös anmutende Bilder und einen existenzialistischen Reduktionismus zu nutzen, treu. Gerade das ja zurzeit bei so vielen Autoren des neuen Actionkinos so beliebte brutalkapitalistische Russland liefert ihm dafür den perfekten Hintergrund, vor dem er seine krass zugespitzten moralischen Fabeln entwickeln kann. Hier ist ein Menschenleben nichts wert, muss es demzufolge mit roher Gewalt verteidigt werden. Jeder ist käuflich und korrumpierbar, Werte existieren nur in Form von Zahlen auf dem Kontoauszug. Und Boyka ist ebenso Produkt dieser Welt, wie er gleichzeitig ein jeden gesellschaftlichen Kontextes beraubtes Individuum ist, ein auf den bloßen Körper, die nackte Existenz reduzierter Kämpfer, der sich seines Wertes deshalb nur im Zweikampf mit einem Gegener vergewissern kann und der deswegen gerade nicht käuflich ist. Gott habe ihm ein einziges Talent mitgegeben – zu kämpfen – und dass müsse er immer wieder unter Beweis stellen, um zu wissen, dass er jemand sei, sagt er einmal. Dieser doch recht pessimistisch-resignative Blick auf die Welt erfährt jedoch durch die Anwesenheit des Amerikaners Turbo eine Horizonterweiterung: Für ihn gibt es nämlich noch etwas jenseits der Gefängnismauern: seine Kinder. Und deshalb eben auch Hoffnung: Das Regime der Turnierveranstalter kann durchbrochen werden, eine Freundschaft zwischen Kontrahenten entstehen und auf Boykas abgehärmtem, kantigem Gesicht am Ende tatsächlich ein befreites Lachen erstrahlen, das die „Erlösung“ aus dem Titel verkündet und den Weg in eine bessere Zukunft freiräumt.

Es ist eine einfache Botschaft, die sich Florentine nicht scheut, entsprechend abzulichten. Nur ist das eben keine Einfalt, sondern Aufrichtigkeit. In einer Szene, in der Boyka und Turbo zusammen in einem Steinbruch schuften und sich Boyka mit Schmerzen das verkrüppelte Knie hält, fällt der Blick der Kamera auf eine zwischen den grauen Steinen wachsende Blume – ein einsamer Farbfleck in einer unwirtlichen Welt, die nur aus Schweiß, Dreck und Blut besteht. Doch dabei bleibt es nicht: Turbo reißt sie aus, gibt sie Boyka und fordert ihn dazu auf, sie zu pressen und das austretende Öl auf sein Knie zu reiben, um die Schmerzen zu lindern. Ich habe noch nie etwas Schöneres in einem Actionfilm gesehen.

Kommentare
  1. […] Florentine habe ich hier schon mehrfach geschrieben (siehe THE SHEPHERD: BORDER PATROL, NINJA, UNDISPUTED 3: REDEMPTION). COLD HARVEST ist einer seiner früheren, ausschließlich für den Videomarkt produzierten Filme […]

  2. Ghijath Naddaf sagt:

    Entdecke jetzt, dank dir, gaaanz langsam die Welt der DTV Action.Mir ist schon klar,das vieles davon auch
    Schrott ist,aber Florentine und Hyams haben mir den Glauben an das moderne Action Kino zurückgegeben.
    UniSol:Regeneration und Undisputed 3 sind moderne Klassiker.
    In einer besseren Welt würden die im Kino laufen,und sowas wie Hänsel und Gretel:Witchhunter(meine Fresse)
    ging DTV.

    • Oliver sagt:

      Sag ich doch. Vielleicht ist es aber auch ganz gut, dass diese Filme nicht mit Riesenbrimborium un dMarketingkampagnen ausgestattet werde, sondern im kleinen Rahmen und mit bescheideneren kommerziellen Erwartungen auf DVD veröffentlicht werden. So können Leute wie die von dir genannten Hyams, Florentine, Reine oder Kaufman ihr Ding machen, ohne Rücksicht auf Geschäftsinteressen nehmen oder sich von irgendwelchen Hirnis reinreden lassen zu müssen.

      Wenn „bessere Welt“ aber bedeutet, dass Film endlich wieder nur Film sein darf, dann hast du freilich Recht.

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