dog tags (romano scavolini, usa 1988)

Veröffentlicht: September 13, 2010 in Film
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Einer Gruppe amerikanischer Soldaten, die vom Vietcong gefangen gehalten werden, gelingt die Flucht. Statt jedoch von ihren Leuten aus dem Feindgebiet geholt zu werden, erhalten sie eine neue Mission: Sie sollen sich zum Absturzort eines amerikanischen Hubschraubers durchkämpfen und dessen kostbare Ladung – Goldbarren – bergen. Der entbehrungsreiche und mit Leichen gesäumte Weg lässt in den Soldaten die Idee heranreifen, auf eigene Rechnung zu arbeiten …

Was für ein merkwürdiger Film. Von Romano Scavolini kannte ich bisher nur den in Deutschland beschlagnahmten NIGHTMARE. Den fand ich damals während meiner Splatterjahre ebenfalls ziemlich eigenartig und warte derzeit sehnsüchtig auf die Veröffentlichung der seit geraumer Zeit angekündigten Code-Red-DVD, um ihn mir noch einmal ansehen zu können. Wenn DOG TAGS ein Maßstab für NIGHTMARE ist, dann darf ich mich wohl auf Einiges gefasst machen, denn dafür, dass man es hier eigentlich mit einem vordergründig recht gewöhnlichen Vietnamkriegs-Exploiter zu tun hat, wandelt Scavolini auf alles anderem als ausgetretenen Pfaden. Schon nach ganz oberflächlicher Betrachtung fällt es mir schwer, den Film einzuordnen: Die deutsche Synchro ist ziemlich rotzig geraten und unterwandert ein möglicherweise ernsteres Anliegen des Regisseurs und die namenlose Besetzung, aus der lediglich die Italotrash-Veteranen Mike Monty und Jim Gaines herausstechen, hat es mir nahezu unmöglich gemacht, den Film überhaupt als US-Produktion betrachten zu können. Hinzu kommt die schon fast als parabelhaft zu bezeichnende Ministory, die eigentlich schon nach wenigen Minuten zu Ende erzählt ist, dann nur noch konsequent abgespult wird und zudem von einer unbeholfenen  narrativen Klammer umrahmt ist: Die oben umrissene Geschichte lässt sich nämlich ein zu Recherchezwecken nach Vietnam gereister US-Reporter – wenn man so will der eigentliche Protagonist des Films – erzählen. DOG TAGS verfügt dann auch über gleich zwei unbefriedigende Enden: Die Vietnamkriegsgeschichte endet sehr abrupt damit, dass die überlebenden Soldaten ihre Hundemarken ablegen, als sie feststellen, dass ihnen der Fluchtweg verbaut ist. Das Ende der Rahmenhandlung setzt dem aber noch die Krone auf: Der Reporter erhält zum Beweis für die Wahrheit der erzählten Geschichte ein kleines Kästchen, in dem er einen Goldbarren sowie die Hundemarken findet. Er kommentiert das dann aus dem Off mit einer Dialogzeile, die – so vermute ich mal – auf einen Übersetzungsfehler der Synchronisation zurückgeht: Ich habe sie jedenfalls absolut nicht verstanden, obwohl nun beim besten Willen kein komplexer Sachverhalt geschildert wird. Vielleicht war auch mein Geisteszustand Schuld an der Verwirrung, die der Film bei mir gestiftet hat. Eigentlich gibt es an DOG TAGS nichts, was man nicht auch mit durchschnittlicher Auffassungsgabe verstehen könnte, aber unter Scavolinis Regie wird das zu einer höchst rätselhaften Angelegenheit. Dabei würde ich noch nicht einmal sagen wollen, dass der Film schlecht inszeniert ist, sondern einfach nur … anders. Um wenigstens etwas mit Gewissheit sagen zu können, sei noch erwähnt, dass DOG TAGS in seinen Gewaltdarstellungen alles andere als zimperlich ist und zudem ein ziemlich hohes Tempo anschlägt: Nach 30 Minuten sind bereits zwei Drittel der Protagonisten dahingerafft worden, erst danach schaltet Scavolini einen Gang runter, erfreut das Herz aber u. a. noch mit einer ziemlich unangenehmen Beinamputation. Ich ringe mit Worten, wie ich diesen Text beenden soll: Eine Empfehlung für DOG TAGS auszusprechen ist mir ebenso unmöglich, wie von ihm abzuraten. Mir bleibt nichts anderes übrig als es bei einer erneuten Verkündung meiner Ratlosigkeit zu belassen.

Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Das klingt ja richtig vielversprechend. Wir arbeiten uns gerade durch diverse „Copy-and-paste“-movies von Godfrey Ho und Thomas Tang durch. Da kommt mir sowas gerade recht.

  2. Oliver sagt:

    Teil zwei von DOG TAGS ist dann passenderweise auch von Irvin Johnson aka Teddy Page. Viel Vergnügen!

  3. […] TO NOWHERE, der in Deutschland als Fortsetzung von DOG TAGS (deutscher Titel: PLATOON TO HELL) firmiert, ist gestern laut, aber folgenlos an mir […]

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