the unholy (camilo vila, usa 1988)

Veröffentlicht: September 13, 2010 in Film
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Nachdem er wie durch ein Wunder einen Sturz aus einem Hochhaus vollkommen unverletzt überlebt hat, wird Father Michael (Ben Cross) eine Gemeinde in New Orleans übertragen, deren Kirche nach dem mysteriösen Tod seines Vorgängers Father Dennis mehrere Jahre lang geschlossen war. Er erfährt, dass seine Vorgesetzten (Hal Holbrook und Trevor Howard) hinter dem Tod das Werk eines Dämons vermuten und sich von Father Michael erhoffen, dass er diesen besiegen könne …

Ich erinnere mich noch an eine Ausgabe der Fangoria in den späten Achtzigern, in der THE UNHOLY mit einem ausladend bebilderten Drehbericht als kommende Hoffnung am Horrorhimmel gepriesen wurde. Ein paar Augaben später, als THE UNHOLY dann erschienen und massiv gefloppt war, entschuldigte man sich etwas peinlich berührt für die ungerechtfertigten Vorschusslorbeeren – ein nicht ganz unüblicher Brauch in jenen Tagen der populären Horrorzeitschrift, in denen der Horrorfilm seinen vorübergehenden Abstieg vom Publikumsmagneten zur Videothekenware erlebte. Weil ich derzeit das übel beleumundete Achtzigerjahre-Horrorkino einer kleinen Revision unterziehe und Trebbin in seinem Nachschlagewerk zudem enthusiasmiert von „Erwachsenenhorror“ faselte, habe ich mir THE UNHOLY jetzt endlich mal angesehen – zumal es die ungeschnittene DVD im Midprice-Sektor gibt. Ich habe mehrere Anläufe für die Sichtung gebraucht, was keinem Film gut tut, diesem aber wohl keinen echten Schaden zugefügt hat: Er ist einfach ziemlich dröge und langweilig. Ben Cross spielt seinen Priester zwar angemessen blutarm, das macht ihn aber immer noch nicht zu einer Sympathie- und Identifikationsfigur, im Gegenteil. Der ganze Film hat etwas Einlullendes: Die Studiosettings – dass der Film in New Orleans spielt, merkt man zu keiner Sekunde – sind allesamt schick blau und rot ausgeleuchtet, sodass sie herrlich plastikmäßig und unecht aussehen, darüber wurde noch ein zeitlos schöner Weichzeichner gelegt, der dem Ganzen einen irgendwie pornösen Anstrich gibt, der Synthiescore klimpert preiswert vor sich hin wie die Musikuntermalung in einem Kaufhaus zur Weihnachtszeit, die Story schleppt sich ereignisarm dahin und die steril wirkende Synchronisation (ich war zu faul für den O-Ton) tötet jeden Anflug von Atmosphäre schon im Keim. Man merkt, dass Vila wohl tatsächlich einen erwachsenen Horrorfilm im Sinn hatte: Statt Blood & Guts sowie Sex & Crime gibt es ausladende Dialoge, bedeutungsschwangere Blicke und schwere existenzielle Krisen, die aber dank der visuellen Gestaltung und eines albernen Drehbuchs eher an Seifenopern denn an großes Drama denken lassen. Und es ist bezeichnend, dass der Film dann doch immer erst in Fahrt kommt, wenn er wippende Brüste oder zerfetzte Leichen in Szene setzt. In den letzten zehn Minuten, wenn sich der Schlund der Hölle öffnet und seine Kreaturen auf den armen Father Michael loslässt, die ihm einen Blick in des Teufels Heimstatt ermöglichen, kommt zwar endlich etwas Stimmung auf, allerdings führt sich der vorher so auf sonor und kontemplativ getrimmte Schinken mit den nun zum Einsatz kommenden Effektkreationen – Lilliputaner in Gummikostümen und einem fußkranken Gummidämon, der eher dazu anregt, ihm den Kopf zu tätscheln – dann auch endgültig ad absurdum. Die Gaststars Holbrook, Howard und Beatty stehen für ihre Szenen einfach nur in den Kulissen rum und erzählen einen vom Pfer und ein wahrhaft teuflischer Nachtclubbesitzer, der Seancen und anderen Schabernack zum Kundenfang inszeniert, sieht mit seinem platinblonden Dauerwellen-Vokuhila aus wie ein dyslektischer Bademeister. Kann sein, dass ich dem Film Unrecht tue, aber das Leben ist nunmal hart. Vielleicht gebe ich THE UNHOLY irgendwann nochmal eine Chance, etwa wenn ich an Einschlafschwäche leiden sollte oder der meine größte Horrorvorstellung die ist, dass im angestammten Supermarkt der Melissentee ausgegangen ist. Sprich in 30 bis 40 Jahren. Dann könnte es aber durchaus sein, dass die weibliche Inkarnation des Dämons, die sich stets in einem durchsichtigen Nylondinsgbums vor dem armen Pfaffen zu winden pflegt, meinem klappernden Herzen den Garaus macht.

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