cyber tracker (richard pepin, usa 1994)

Veröffentlicht: September 15, 2010 in Film
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In nicht allzu ferner Zukunft: Das Rechtssystem der USA wird durch die Firma Cybercore, die unter der Schirmherrschaft von Senator Dilly (John Aprea) steht, komplett computerisiert, für die sprichwörtliche Exekutive sind keine Polizisten, sondern so genannte CoreTracker (Jim Maniaci) zuständig, nahezu unverwundbare und zum Töten programmierte Androiden. Als der neu im Dienst Dillys stehende Secret-Service-Agent Eric Phillips (Don „The Dragon“ Wilson) erfährt, wie Dilly mit seinen zahlreichen Kritikern umgeht, nimmt er kurzerhand Reißaus und steht fortan sowohl auf der Abschussliste von Secret-Service-Chef Ross (Richard Norton mit seinem putzigen Aussie-Akzent) als auch der CoreTracker. Auf der Flucht wird Phillips von einer radikalen Menschenrechtsorganisation aufgegriffen, die sich von ihm wertvolle Hilfe im Kampf gegen Dilly und Cybercore erhofft …

Nach meinen Lobeshymnen über die Filme von PM Entertainment musste zwangsläufig mal ein schwächerer Film der Firma des Weges kommen: Hallo CYBER TRACKER, setz dich hin und nimm dir ’nen Keks, ich rede gerade über dich. Die Frage nach den moralisch-philosophischen Implikationen einer automatisierten Rechtsprechung, wie sie etwa ROBOCOP oder MINORITY REPORT stellen, um nur mal zwei Beispiele zu nennen, bietet eigentlich genug Stoff auch noch für den xten Film, der sich ihr annimmt. Leider jedoch dient sie Pepin – der mir gegenüber seinem Spezi Merhi der deutlich schlechtere Regisseur zu sein scheint – nur als relativ willkürliche Prämisse für Science-Action von der Stange. Die Problematik wird in einer Szene zu Beginn, in der sich der Senator einer kritischen Menge aus Demonstranten und Reportern stellt, grob umrissen (sein schönstes Argument pro Computerexekutoren: endlich würden keine Polizisten mehr in Ausübung ihrer Pflicht erschossen), um danach zugunsten eines etwas faden und unterentwickelten Cyborg-on-the-loose-jagt-einen-Unschuldigen in den Hintergrund zu treten. Hinter Cybercore stecken letztendlich keine politischen Hardliner, die für eine Zero-Tolerance-Politik eintreten, sondern ein diabolischer Mad Scientist, der die als minderwertig empfundene Menschheit komplett durch bessere Maschinen ersetzen möchte. Es ist klar, dass Differenzierungen da auf der Strecke bleiben müssen.

So richtet Pepin sein Augenmerk auf das, wofür PM Entertainment in erster Linie steht: dicke Explosionen und Feuerstunts, zerstörungswütige Autocrashes, Martial-Arts-Fights und Schießereien sowie ein paar nur wenig überzeugende visuelle Effekte. Gegenüber Filmen wie RIOT, RAGE oder T-FORCE kommt CYBER TRACKER aber auch in dieser Hinsicht nicht über unteren Durchschnitt hinaus, was nicht zuletzt darin begründet ist, dass der ganze Film einen etwas schlampigen und hingeworfenen Eindruck macht. Vor allem mit der inneren Logik und Kohärenz hapert es: Da wird einmal behauptet, der CoreTracker sei aus einem völlig neuartigen, physikalischen Gesetzen trotzenden Material gefertigt, dass quasi immateriell ist und somit nicht beschädigt werden kann, nur um dann wenig später zu zeigen, wie Phillips dem Androiden einen Arm abschießt. Und sieht man zu Beginn in einer Subjektiven, dass der CoreTracker mit einer Zielautomatik ausgestattet ist, die absolute Treffsicherheit gewährleistet, ist er bei einem späteren Schusswechsel in einem mit Personen geradezu vollgestopften Raum, in dem selbst ein Blinder nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung mal einen Glückstreffer landen müsste, nicht in der Lage, einen seiner Gegner auch nur zu verwunden. Ganz ohne Meriten ist CYBER TRACKER trotzdem nicht: Der Film ist durchaus kurzweilig, hat hier und da seine Momente – etwa in einem selbstmörderischen Feuerstunt am Ende -, das Finale macht Einiges wieder gut, was vorher verbockt wurde, und Filtereinsatz und die Ausleuchtung mit einem eisigen Blau sind teilweise so exzessiv, dass sie fast zu einer Disintegration der Oberflächenstruktur des Bildes führen: Manchmal weiß man nicht mehr, ob man da einen Spiel- oder einen Zeichentrickfilm vor sich hat. Überdies fällt CYBER TRACKER durch die völlige Abwesenheit jeglichen auflockernden Humors auf: Der ganze Film ist von einer verbissenen Ernsthaftigkeit geprägt, die im harten Kontrast zu seinem infantilen Inhalt steht.

Kommentare
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