spawn of the slithis (stephen traxler, usa 1978)

Veröffentlicht: September 20, 2010 in Film
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In Venice werden erst grausam verstümmelte Tiere und dann schließlich auch Menschen aufgefunden. Die Polizei vermutet hinter den Morden das Treiben einer Sekte, doch der Journalist und Lehrer Wayne Connors (Alan Blanchard) entdeckt an einem der Tatorte eine merkwürdige schlammartige Substanz, die er seinem Freund, dem Wissenschaftler Dr. John (J. C. Claire) zur Analyse überlässt. Der stellt fest, dass der Schlamm – vermutlich durch ein Leck in einem Kernkraftwerk – Schlamm radioaktiv verseucht ist und außerdem einige weitere merkwürdige Eigenschaften aufweist. Tatsächlich ist unter dem Einfluss von austretender Radioaktivität ein Monster entstanden, dass nun den Ort unsicher macht …

SPAWN OF THE SLITHIS (die DVD von Code Red nennt den Film nur SLITHIS) ist ultrabillig nach dem Vorbild der Monsterfilme der Fünfzigerjahre gefertigter Monsterschlock, der ein bisschen mithilfe von JAWS-Anleihen (die abschließende Jagd mit dem Schipperkahn) aufgepeppt wurde, aber seinen eigentümlichen Reiz vor allem einigen merkwürdigen Drehbuch- und Regieeinfällen sowie dem heruntergekommenen Lokalkolorit der Strandpromenade von Venice mit ihren zahlreichen Saufköpfen und Verlierertypen verdankt verdankt. So gibt es zwischendurch eine auf authentisch getrimmte Sequenz, in der sich der objektive Kamerablick völlig unvermittelt in eine diegetische Subjektive verwandelt und einer der angesprochenen Alkoholiker direkt in diese hineinspricht, als würde er vom Fernsehen interviewt werden. Und kurz vor Beginn des letzten Aktes verabschiedet sich der Film dann für gut zehn Minuten komplett von den bisherigen Protagonisten – und zunächst auch ganz von der Handlung – um zwei Opfer einzuführen, die nach einer ziemlich ausgedehnten Szene vom Monster dahingerafft werden: Bei diesen handelt es sich um einen ca. 45-jährigen Burt-Reynolds-Look- und auch -Behave-alike, der eine 18-Jährige bei einem gut besuchten und frenetisch bejubelten Schildkrötenwettrennen (!) aufreißt und für ein Schäferstündchen auf sein Boot entführt. Dort nimmt er mit ihr an einem Tisch platz, auf dem ein gerahmtes Foto von ihm in smarter Verführerpose steht, öffnet eine Flasche Pennerglück und schaltet mit den Worten „instant atmosphere“ das Pufflicht aus dem Baumarkt an als sei er Casanova persönlich und nicht der Kinderschänder, der mit seinem Zuhälterschlitten vor der Grundschule wartet. In einer anderen Szene suchen die Protagonisten einen Wissenschaftler auf, der zunächst immer genau so abgelichtet wird, das man sein Gesicht nicht sieht, bis er dann aus dem Schatten tritt und – huibuh! – eine entstellte Fratze zum Besten gibt. Wiesoweshalbwarum interessiert dann jedoch nicht mehr, der besagte Wissenschaftler hat mit dieser Szene seine Schuldigkeit getan und verschwindet aus dem Film. So bewegt sich SPAWN OF THE SLITHIS, dessen Handlung eigentlich bereits nach der Exposition keine Überraschungen mehr bereithält, von einer zarten Zuschauerirritation zur nächsten und hält so das schnell zu erlahmen drohende Interesse wach. Auch die zwischen nur doof und skurril-humorvoll schwankenden Dialoge („I detest bathrobes!“) tragen ihren Teil dazu bei, dass es zumindest mir schwerfällt, den Film so als völlig missratenen Schund abzutun, wie das die Bewertungen im Netz auszudrücken scheinen. Trashig ist die Soße natürlich, wer hätte das gedacht, darüber hinaus – und wie es sich für einen Monsterfilm aus den Siebzigern gehört – aber auch ziemlich dreckig und schmuddelig. Das Monster – ein Mann im Gummianzug – sieht ganz ordentlich aus, das blutige und abrupte Ende passt wie der Arsch auf den Eimer. Wer findet, das Seventies-Tristesse und Monsterspaß sich nicht ausschließen und viel zu selten eine Ehe miteinander eingegangen sind, wird wohl seinen Spaß haben. Nur Mimi Leder, die für SPAWN OF THE SLITHIS noch als Script Supervisor fungierte, dachte wohl, es sei besser, Eventmovie-Kacke wie THE PEACEMAKER und DEEP IMPACT zu inszenieren. Selbst Schuld.

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Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Ja, der ist herrlich. Empfehle Dir diesbezüglich mal die Arbeiten Don Dohlers. NIGHT BEAST und ALIEN FACTOR sind noch mal eine gute Spur unterhaltsamer. Da wirkt selbst SLITHIS wie Hollywood.

    • Oliver sagt:

      NIGHT BEAST kenne ich. Das ist der, wo Dohler völlig begeistert von seinen „Spezialeeffekten“ (= Wunderkerzen) zehn Minuten lang die Explosion eines UFOs filmt. Der ist wirklich toll.

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