contamination (luigi cozzi, italien/deutschland 1980)

Veröffentlicht: September 21, 2010 in Film
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Im Hafen von New York läuft ein führerloser Frachtdampfer ein. Bei der Begehung des Schiffes durch die Polizei unter der Führung von Lieutenant Tony Aris (Marino Masé) stellt sich heraus, dass die gesamte Besatzung tot ist, im Frachtraum finden sich zudem Hunderte von Kartons, die mit merkwürdigen eierartigen Gebilden gefüllt sind. Deren Inhalt entpuppt sich schon kurz darauf als ausgesprochen tödlich, was den Einsatz von Colonel Stella Holmes (Louise Marleau) erforderlich macht. Experimente zeigen, dass die Eier außerirdischen Ursprungs sind und offensichtlich von einer Marsexpedition auf die Erde gebracht wurden. Den Astronauten Hubbard (Ian McCulloch) hatte man noch für verrückt erklärt, als er die Eier in seinem Bericht erwähnte, nun weiß man es besser. Und sein Partner Hamilton (Siegfried Rauch), der angeblich tot sein soll, ist quicklebendig und bereitet von Südamerika aus die Invasion der außerirdischen Lebensform vor …

CONTAMINATION ist einer von zwei frühen italienischen Versuchen, sich eine Scheibe vom Erfolg von Ridley Scotts ALIEN abzuschneiden (der andere ist der frech betitelte ALIEN 2 – SULLA TERRA von Ciro Ippolito) und gilt nicht zuletzt aufgrund seiner exzessiven Splattereffekte, die man als wenig subtile Interpretation des Original-Chestbursters verstehen darf, als kleiner Klassiker des Italosplatters. Und das sehr zu Recht, wie ich nach meiner erst jetzt absolvierten Erstsichtung erfreut festgestellt habe: Im Blick hatte ich ihn zwar schon seit etlichen Jahren, aber irgendwie ist mir immer etwas dazwischen gekommen bzw. schien mir dringlicher als dieser Film, der ja zudem jederzeit verfügbar war. Aber was ist mir da für ein prächtiges Schätzchen entgangen! Die Parallelen zum Vorbild sind zwar unverkennbar, die Eier sehen tatsächlich fast genauso aus wie in Scotts Meisterwerk, aber Cozzi hat dann doch wesentlich dickere als der inszenierende Werbefuzzi aus England: Statt eines mageren aufplatzenden Brustkorbs gibt es hier etliche davon und die Eingeweide spritzen meterweit und zudem in Zeitlupe, dass einem förmlich das Herz überläuft. Und handlungstechnisch schreitet Cozzi durchaus auf eigenen Wegen: Der Hauptunterschied ist wohl die (budgetbedingte) Verlegung der Handlung von einem Raumschiff/fremden Planeten auf die Erde, die Abwesenheit eines killenden Monsters, das aus den Eiern schlüpft, und eine deutliche Akzentverschiebung in Richtung Bondfilm’scher Weltbeherrschungsfantasien. Die fremde Alienbrut hat nämlich die telepathische Herrschaft über einen Menschen übernommen, der wie ein megalomanischer Superschurke die Invasionspläne „leitet“ und zudem die „Mutter“ der Aliens beherbergt. Das Finale mit dem bizarr aussehenden – und tricktechnisch sehr gut gelungenen – Zyklopenwesen ist der Zuckerguss auf einem ohnehin schon äußerst wohlschmeckend geratenen Alienkuchen und man könnte sogar fast sagen, dass Cozzi hier die erst in Camerons Sequel auftretende Alienmutter vorwegnimmt.

Was CONTAMINATION im direkten Vergleich mit ALIEN fehlt, ist neben den ganz offenkundigen production values und dem superioren Giger-Design vor allem die Atmosphäre repressiver Sexualität samt der entsprechenden Symbolik – Cozzis Film ist einfach nur straighter, aber sehr stimmungsvoller Alien-Invasion-Splatter ohne jedweden Subtext – sowie die so genial erdachte Genese der fremden Rasse. Die lückenlos-zyklische Entwicklung der Aliens von der Mutter zum Ei zum Facehugger zum Chestburster zum fertigen Alien weicht in CONTAMINATION einer traurigen Eintagsfliegen-Existenz: Die Alienmama brütet Eier aus, die dann platzen und Menschen töten. Der Freude tut dies aber, wie gesagt, keinen Abbruch: Mithilfe von Kameramann Giuseppe Pinori und Editor Nino Baragli gelingen einige formidabel umgesetzte Szenen – sehr gut hat mir etwa das Zusammenspiel der beiden in einer eigentlich eher unspektakuläre Szene auf einem Hotelflur gefallen, aber auch die Mars-Rückblende ist toll -, Goblin hat einen hübschen Score beigesteuert, die Effekte sind spitze und Siegfried Rauch hat eine wahrhaft saftige Rolle abbekommen. Wenn es etwas zu meckern gibt, dann nur, dass das arg schematische offene Ende dem Film rein gar nichts bringt. Verschmerzbar im Gegensatz zu seinem platzenden Brustkorb, möchte man meinen.

Kommentare
  1. […] dem italienischen ALIEN-Klon CONTAMINATION folgt nun Holzmans Film aus der Corman-Schmiede New World Pictures: Im Eiltempo von 20 Tagen mit […]

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