forbidden world (allan holzman, usa 1982)

Veröffentlicht: September 21, 2010 in Film
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Der Weltraum-Haudegen Mike Colby (Jesse Vint) wird in eine Forschungsstation auf dem entlegenen Planeten Xarbia abkommandiert, wo Wissenschaftler nach einer Lösung für die intergalaktische Ernährungskrise suchen. Das Ergebnis dieser Suche ist Subject 20: ein durch Genexperimente mit einem außerirdischen Mikroorganismus entstandener Mutant, der jedoch außer Kontrolle geraten ist …

Nach dem italienischen ALIEN-Klon CONTAMINATION folgt nun Holzmans Film aus der Corman-Schmiede New World Pictures: Im Eiltempo von 20 Tagen mit einem Minibudget realisiert, ist FORBIDDEN WORLD (auch bekannt als MUTANT) ein ziemlich bizarrer kleiner Film, der die unterschwellige Sexualität von Scotts Film auf den Siedepunkt erhitzt und so in einen dampfenden Eintopf aus schwülem Sleaze verwandelt. Die weibliche Besatzung der Forschungsstation trippelt auf transparenten Fetisch-Pantoletten und in körperbetonenden Stretchhosen rum, die einen jeden Wunsch von den Lippen ablesen ließen, würde es einem gelingen, den Blick von den sekundären Geschlechtsorganen abzuwenden, die stets schweißbeperlt aus halb geöffneten Blousons lugen. Kein Wunder, dass dem tapferen Colby, dessen einziger Gefährte auf den Raumflügen durch die Unendlichkeit ein dissonant fiepender Roboter ist, da schon bald ein amtliches Zelt in der Hose wächst. Als er unmittelbar nach dem absolvierten Schäferstündchen mit der feschen Dr. Barabar Glaser (June Chadwick) die nicht minder attraktive Tracy Baxter (Dune Dunlap) im Dampfbad bedrängt, ihm die Geilheit förmlich aus dem feist grinsenden Gesicht springt, ist das aber durchaus unangenehm für den Zuschauer. Kein Wunder, möchte man meinen, dass sich die beiden Damen wenig später in homoerotischer Eintracht unter der Dusche wiederfinden, wo sie beschließen, dem Killermutanten nicht mit Waffengewalt, sondern mit weiblichem Einfühlungsvermögen auf die Pelle zu rücken. Doch der hat kein grundlegend anderes Verständnis von intersexueller Koexistenz als Colby und präsentiert der armen Barbara den Phallus. Kreisch! Wenn sich das jetzt so anhört, als sei FORBIDDEN WORLD ein vor allem auf den Unterleib abzielendes Männervergnügen, so sei hinzugefügt, dass Holzman (der später unter anderem PROGRAMMED TO KILL drehen sollte, den der Aussenseiter und ich bereits eingehend seziert haben) sich durchaus in der Erzeugung einer außerweltlichen und geradezu halluzinatorischen Stimmung versteht, die nur wenig mit der sachlichen Unterkühlung von Scotts Film zu tun hat. Der Score pendelt zwischen an 2001: A SPACE ODYSSEY gemahnende Klassikkompositionen und elektronischem Wabern und Stampfen, der Cutter wird zu strategisch günstigen Zeitpunkten von der Leine gelassen, um sich in hochfrequentigen dissoziativen Schnittfolgen zu ergehen, und das Drehbuch liefert mit seinen abseitigen Einfällen den passenden Stoff für diese wildgewordene Form. Dass bei den Effekten und Bauten Meister Schmalhans Küchenmeister war, tut dem Gelingen keinen Abbruch, im Gegenteil. Die aus der Not geborenen Designs würde man heute vielleicht als Steampunk-meets-Camp bezeichnen, das wahrscheinlich aus mehreren schwarzen Müllsäcken zusammengeklebte Monster ist wohl die beste Alien-Kopie, die man mit ohne Geld auf die Beine stellen kann, und bei den Splatterszenen hat man einfach einen Extrazentner Rindermett und Schweineblut verwendet. Am billigsten kommt ironischerweise tatsächlich die Eröffnungssequenz daher, die Colby als hansoloesken Weltraumtausendsassa, der feindliche Schiffe abschießt, einführt und mit dem Rest des Film rein gar nix zu tun hat. „Ironischerweise“, weil dies die erste Sequenz ist, die für den Film gefertigt wurde und mit der sich Holzman überhaupt erst als Regisseur bei Corman empfahl. Der hat wahrscheinlich nur gesehen, dass man mit ein paar geschickt im Trailer platzierten Bildern Kasse bei der STAR WARS-Zielgruppe machen kann und den Zuschlag gegeben. Für ihn hat es sich genauso gelohnt wie für den Zuschauer, denn FORBIDDEN WORLD ist nichts anderes als ein Klassiker des neueren B-Films.

Kommentare
  1. Marcos sagt:

    An das rauschartige bei MUTANT kann ich mich auch noch gut erinnern. Da werden schon geschickt die halluzinatorischen Bilderwelten eines post-psychedelischen Designs mit der noch kommenden Oberflächenästhetik glatter Spiegelwelten kombiniert. An die Schnittechnik kann ich mich noch vage erinnern. Wirklich ein kleines Erlebnis.

  2. HomiSite sagt:

    Die eher dreckigen Sets selbst sind überraschenderweise gar nicht sooo billig, wird aber von den Plastikwummen und dem Monster mehr als wett gemacht. Die Schnittkaskaden sind aber echt wirr, zusammen mit der Musik, die gerne von einer Sekunde zur anderen von „interessant-atmosphärisch“ zu „unpassend“ wechselt. Die Geschichte ist natürlich mal extrem dümmlich bzw. lässt Wissenschaftler wie die größten Idioten aussehen. Und June Chadwick hat eigentlich immer einen lasziven Blick aufgelegt.

    PS: Ich liebe B-Filmcover – ob man einen Zusammenhang zwischen der Größe des Unterschieds von Cover und Filminhalt und der Qualität eines Filmes herstellen könnte? 🙂

  3. Oliver sagt:

    Du relativierst es ja selbst, indem du „sooo billig“ schreibst. Klar ginge es noch billiger und vor allem deutlich weniger überzeugend – die Sets sehen eben nach deutlich „mehr“ aus -, aber billig waren sie ja dennoch, gemessen an dem, was dann etwa dem Vorbild Scott zur Verfügung stand. GALAXY OF TERROR – der teurere der beiden – hatte ein Budget von ca. 2 Millionen und selbst für den wurden Burger-King-Styroporpackungen zum Bau der Sets verwendet, nur um das mal in Perspektive zu bringen.

    Oh ja, das Plakatmotiv ist in der Tat herrlich. Der Zusammenhang dürfte kompliziert herzustellen zu sein: FORBIDDEN PLANET ist ja tatsächlich so geil wie sein Poster – nur eben ein bisschen … mmmh … anders. 🙂

  4. […] Fährte sexuell konnotierter Alien-Invasion-Filme, zu der etwa auch der zuletzt hier besprochene FORBIDDEN WORLD oder Norman J. Warrens toller INSEMINOID zählen, nur dass Kincaid sich kaum die Mühe macht, […]

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