galaxy of terror (bruce d. clark, usa 1981)

Veröffentlicht: September 23, 2010 in Film
Schlagwörter:, , , , , , , , , , ,

Als auf dem Planeten Xerxes ein Notsignal der Besatzung des aus ungeklärten Gründen auf dem Planeten Morganthus gelandeten Raumschiffs Remus eingeht, wird Commander Ilvar (Bernard Behrens) vom „Master“ beauftragt, eine Rettungsmission anzuführen. Auf Morganthus angekommen, muss die vom Master aus denkbar schwierigen Charakteren zusammengestellte Crew feststellen, dass alle Besatzungsmitglieder der Remus tot sind. Auf der Suche nach der Bedrohung findet einer nach dem anderen einen schrecklichen Tod durch Monstren, die offenbar dem Unbewussten ihres jeweiligen Opfers entsprungen sind …

Im inoffiziellen Double Feature Corman’scher ALIEN-Ripoffs ist GALAXY OF TERROR gegenüber dem schmierigen FORBIDDEN WORLD der deutlich aufwändigere und kreativere Film. Inhaltlich begibt man sich mit den Attacken fleischgewordener Phobien in die Nähe eines zumindest halbverstandenen Sigmund Freud und von Filmen wie FORBIDDEN PLANET oder auch Tarkovskys SOLARIS, optisch lässt der hauptverantwortlich von James Cameron gestaltete Film mit seiner tristen Planetenoberfläche und der organischen Architektur schon die desolaten Zukunftswelten von THE TERMINATOR oder ALIENS erahnen. Stimmungsmäßig ähneln sich beide Filme hingegen deutlich: Wie Holzmans Mutantenstadl so mutet auch Bruce D. Clarks Film reichlich expressiv, psychedelisch und wild an, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass das Drehbuch einen größeren Brocken abbeißt, als der Film dann zu schlucken vermag. Vieles wirkt nur angerissen, unvollständig, halb durchdacht und unterentwickelt. So z. B die Phobien der einzelnen Crewmitglieder – unter ihnen etwa der spätere Regisseur des Mickey-Rourke-Vehikels WILD ORCHID Zalman King als schießwütiger Baelon, Robert Englund als Mechaniker Ranger, Eddie Albert jr. als Cabren, Sid Haig als stummer Krieger Quuhod, Ray Walston als Schiffskoch Kore und Grace Zabriskie als psychotischer Captain Trantor – die entweder gar nicht eingeführt oder nur kurz in einem Nebensatz erwähnt werden. Erstaunlicherweise schadet das GALAXY OF TERROR aber nicht, sondern gereicht ihm gar zum Vorteil, weil es für den Zuschauer noch ein Geheimnis zu bergen gibt, ihm nicht alles bereits schön vorgekaut serviert wird, auf dass er es dann nur noch runterzuschlucken hat. Mal ganz davon abgesehen, dass der Verzicht auf lange Expositionen und Erklärungen den Film einfach immens kurzweilig macht. Nach der kurzen und ziemlich merkwürdigen Einleitung, bei der der „Master“, der statt eines Kopfes ein rotes Leuchten auf den Schultern trägt, mit einem zahnlosen Hutzleweib ein futuristisches Brettspiel spielt, geht es auch schon an Bord des Schiffes, wo Captain Trantor ihrer Besatzung nicht einmal genug Zeit gibt, Platz zu nehmen und sich anzuschnallen. Kaum gestartet wird der Hyperspace-Antrieb angeworfen und – schwupps! – befindet man sich auf Morganthus, wo es ohne Umschweife ans Eingemachte geht. Höhepunkt des Films ist neben den ziemlich beeindruckenden Bauten natürlich die berüchtigte Vergewaltigung der schönen Dameia (Taaffe O’Connell) durch eine gigantische Made, die man gesehen haben muss, um es zu glauben. Garantiert eine der abseitigeren Ideen der an solchen nun nicht gerade arm zu nennenden Exploitationfilm-Historie. Clark und Drehbuchautor Marc Siegler waren von diesem Einfall nur wenig begeistert, ließen sich von Corman aber eines besseren belehren, was wieder einmal beweist, dass man als junger Mensch auf die Weisheit des Alters hören sollte. Der Film endet kaum weniger bizarr, als er begonnen hat, und ich schätze, dass GALAXY OF TERROR den Hippothalamus ziemlich zum Glühen brächte, schaute man sich den Film mit einer richtig schönen Fiebererkrankung an. Danach fühlt man sich wahrscheinlich ähnlich gut durchgenudelt wie die schleimbedeckte Dameia nach ihrem multiplen Madenorgasmus.

Kommentare
  1. Harry sagt:

    Hi,
    hab den Film in (viel) jüngeren Jahren auf VHS ausgeliehen und später auch gekauft. Warte jetzt auf eine reguläre, ordentliche DVD-Veröffentlichung. Leider wird deren Erfolg aber nur auf Fans beschränkt bleiben, da das Rezept mit dem Geheimnisvollen heute nicht mehr aufgeht. Da werden die Kids schon nach 10 Minuten fragen, wo endlich die Erläuterung zu dem Ganzen bleibt. Auch wenn der Film nun soooo komplex wirklich nicht ist, gegenüber den derzeitigen Sehgewohnheiten ist er verschachtelter als die Ausnahmeerfolge „Memento“ oder „Inception“.
    Wo gräbst Du nur die alten Perlen aus?
    Gruß
    Harry

  2. Oliver sagt:

    Hi Harry,

    die letzte Frage lässt sich leicht beantworten: In den USA gibt es eine herrliche Reihe namens „Roger Corman Cult Classics“, in der seine Produktionen auf absoluten Referenzscheiben veröffentlicht werden. Dort gibt es derzeit etwa auch DEATH RACE 2000, HUMANOIDS FROM THE DEEP (der heute folgt), PIRANHA, DEATHSPORT/BATTLE TRUCK oder ROCK N ROLL HIGH SCHOOL. Demnächst folgen etwa STAR CRASH oder eine SLUMBER PARTY MASSACRE-Box. Alle DVDs sind mit vielen schönen Extras ausgestattet und kommen mit Top-Coverdesign.

    Dass ein Film wie GALAXY ein eher nostalgisches Publikum anspricht, ist ja klar. Aber ich habe ja auch Filme entdeckt, die vor meiner Zeit entstanden ist. Ich würde nicht sagen, dass GALAXY verschachtelter als die Nolan-Filme sind. Aber er präsentiert seine Komplexität eben nicht als Gimmick oder Zusatz. Er ist einfach so, ohne das zum Thema zu machen.

  3. Harry sagt:

    Ich wollte damit auch nicht behaupten, dass er verschachtelter wäre als die genannten Filme „Memento“ oder „Inception“ (will mich ja nicht noch mehr blamieren als bisher), sondern dass er für die Masse der heutigen Filmkonsumenten einen solchen Eindruck erwecken üwrde. die meisten Kinogänger heutzutage sind doch schon mit Filmen „Beilight“ überfordert.

  4. Oliver sagt:

    Hast dich doch nicht blamiert!

    Eigentlich hatte ich dich auch so verstanden, wollte es nur etwas genauer formulieren. 🙂

  5. HomiSite sagt:

    So, jetzt habe ich „Planet des Schreckens“ auch noch mal, äh, gefunden und angeschaut. Ich hatte den vor vielen Jahren mal nachts im Fernsehen gesehen und da hat sich natürlich die dralle Blonde im hautengen Anzug samt irritierendem Raupententakelsex eingebrannt. Mehr wusste ich von dem Film nicht mehr, auch wenn beim Schauen mir wieder viel einfiel („ah, stimm ja“).
    Ansonsten stimme ich deiner Einschätzung zu: Atmosphärische Settings, aber halbdurchdachte/-formulierte Geschichte. Ergibt die ganze Meister-Sache überhaupt Sinn? Wirklich komplex ist der Film ja nicht, aber verweigert sich halt typischen heutigen Strukturen (z.B. das fast vollständige Weglassen von Charaktereinführungen).

    PS: Die Rucksäcke sind auch ein Brüller!

    • Oliver sagt:

      Ich glaube zwar auch eher, dass der Finaltwist (und das Intro) vor allem dem Selbstzweck geschuldet sind, aber Sinn macht er durchaus: Der Rang des Meisters wird eben dadurch „vererbt“, indem in der Pyramide der geeignete Kandidat ermittelt wird.

      • HomiSite sagt:

        Ja, aber das ganze Team besteht doch nur aus Honks und psychischen Wracks. Insofern war das handverlesene Team des Meisters doch ein Witz bzw. er hatte eh einen bestimmen Kandidaten im Blick. Und wieso crasht dann am Anfang des Films ein Schiff auf dem Planeten? Na ja, vielleicht nicht so viel drüber nachdenken, hehe.

  6. Oliver sagt:

    Denke auch, dass das am besten ist. 🙂

  7. Jan Bantel sagt:

    „ich schätze, dass GALAXY OF TERROR den Hippothalamus ziemlich zum Glühen brächte, schaute man sich den Film mit einer richtig schönen Fiebererkrankung an. Danach fühlt man sich wahrscheinlich ähnlich gut durchgenudelt wie die schleimbedeckte Dameia nach ihrem multiplen Madenorgasmus.“

    Genau das habe ich gerade hinter mir und kann diesen Satz nur bestätigen. 😉
    Mit einer schönen Erkältung im Gepäck nehme ich Filme sowieso komplett anders wahr und ein solch schicker Vertreter wie der hier, nimmt mich da besonders mit auf eine irre Wahnsinns-Reise. Da will ich gar nicht erleben, wie sich die Wirkung ausmacht, wenn ich ihn im genesenen Zustand sehen würde. ^^

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.