the book of eli (albert & allen hughes, usa 2010)

Veröffentlicht: September 28, 2010 in Film
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30 Jahre nachdem die Erde von einem Atomkrieg zerstört wurde, wandert Eli (Denzel Washington) mit dem letzten verbliebenen Exemplar der Bibel durch die einstigen Vereinigten Staaten gen Westen, weil ihm eine Stimme dies befohlen hat. In einer Siedlung begegnet er Carnegie (Gary Oldman), der eine neue menschliche Zivilisation begründen will und dafür auf der Suche nach ebenjenem Buch aller Bücher ist – vor allem, weil er sich davon erhofft, so selbst zum Führer messianischen Ausmaßes zu werden …

Fast zehn Jahre nach ihrer letzten gemeinsamen Regiearbeit FROM HELL versuchen sich die Hughes-Brüder mit THE BOOK OF ELI am Endzeitgenre, allerdings wie schon beim Vorgänger mit eher mittelmäßigem Erfolg. Das größte Problem des Films ist wohl, dass er ästhetisch absolut vorhersehbar ist: In ausgewaschenen monochromen Farben wird die postnukleare Welt als endlose Staubwüste gezeichnet, die marodierenden Banden streunen in aus der MAD MAX-Requisite entliehenen Klamotten herum, hin und wieder suggeriert eine Aufnahme aus der Vogelperpektive den göttlichen Blick, der über Elis Mission wacht und sich anschaut, was die Menschen aus der Schöpfung gemacht haben. Ich vermute mal, dass man hinterher nicht mehr weiß, wo der eine Film aufgehört und der andere angefangen hat, wenn man THE BOOK OF ELI im Double Feature mit THE ROAD schaut. Denzel Washington, der eine ganze Karriere lang am Image des rechtschaffenen Ehrenmannes, hinter dessen kultivierter Fassade der Badass schlummert, gefeilt hat, ist zwar die Idealbesetzung für den Endzeitpropheten Eli, der sich vom gewiesenen Weg nicht abbringen lässt und unter göttlicher Protektion steht, doch raubt dieser Besetzungscoup dem Film auch noch die letzte Spannung. Und weil die Hughes-Brüder wohl selbst wussten, dass ihr Film nicht besonders aufregend ist, müssen am Ende gleich drei große Enthüllungen her, die THE BOOK OF ELI nichts Wesentliches hinzufügen, außer zu beweisen, dass Einfallslosigkeit nicht durch schnöde Gags kompensiert werden kann.

THE BOOK OF ELI ist, machen wir uns nichts vor, nicht mehr als Hollywood-Mainstream. Als solcher ist er zwar eine ganze Ecke besser als vieles, was man mittlerweile über sich ergehen lassen muss, krankt aber immer noch daran, dass er viel zu viele Standards inkorporiert, die dem Zuschauer zwar schnell die Orientierung ermöglichen, aber eben auch verhindern, dass irgendetwas wirklich Spuren hinterlässt. Man muss den Hughes-Brüdern dankbar dafür sein, dass sie auf einen aufgeblasenen Showdown und allzu großen Lärm verzichtet haben: THE BOOK OF ELI endet angemessen unspektakulär und nicht im religiös-pathetischen Überschwang, den man sich bei dieser Thematik längst gewöhnt hat, schlucken zu müssen. Und auch sonst profitiert er sehr davon, dass vergleichbare Werke sonst deutlich dümmer sind. Das macht ihn aber entgegen landläufiger Meinung im Umkehrschluss noch nicht zu einem intelligenten Film.

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Kommentare
  1. rom sagt:

    Hallo Oliver,
    gut geschriebene Kritik. Finde meine Wahrnehmung in vielen Punkten bestätigt. Zum Film:
    Wenn man vorher weiß das „the book of eli“ eher ein träges Erzähltempo hat (der Trailer wirkte aber anders) sind die Erwartungen auf spektakulären Actionszenen nicht mehr so hoch (obwohl der Kampf um das Haus in der Wüste recht rasant war).Visuell ist der Film stark (wenn auch nicht wirklich „neu“), die Schauspieler gut. Grundsätzlich finde ich eine Auseinandersetzung über die Bedeutung von Religion/Glaube (speziell das Christentum) in Krisenzeiten in Form eines Endzeit – Western eine interessante Idee(habe „the road“ nicht gesehen) Aber: muss es sooooooooo DICKE aufgetragen werden (besonders der üble Schlussmonolog). Hier wirkt der Film wie schlechter Religionsunterricht und bietet fetten „religiös-pathetischen Überschwang“. Auch das Ende ist bescheuert: (Spoiler) Das Eli blind ist kann sehr Symbolisch gedeutet werden wirkt aber angesichts des Handlungsverlaufes total unrealistisch. Und muss dann auch noch das Mädchen als Gottes Rächerin los ziehen? Echt dämlich. Schade eigentlich. Aber wie du schon schreibst, nur müde Gags…
    Gruß

    • Oliver sagt:

      Vielen Dank!

      Ich finde auch die Gegenüberstellung von Carnegie und Eli sehr scheinheilig: Carnegie ist böse, weil er die Bibel als politisches Machtinstrument begreift, was – so könnte man mit einigem Recht sagen – von Beginn an die Funktion der Bibel war. Und Eli ist gut, weil … ja, warum eigentlich? Was das „Wort Gottes“ für ihn wirklich bedeutet, bleibt völlig unbeantwortet. Er ist der Gute, weil es das Drehbuch so will, das sich in Spiritualität verscuht, ohne zu wissen, was das eigentlich sein soll.

      THE BOOK OF ELI ist m. E. nur vordergründig ein Gegenentwurf zum fundamentalistischen Christofaschismus des jüngeren Hollywoodkinos. Eigentlich macht er genau das gleiche.

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