conan the barbarian (john milius, usa 1982)

Veröffentlicht: Oktober 4, 2010 in Film
Schlagwörter:, , , ,

Mit dieser Sichtung von CONAN THE BARBARIAN habe ich mich von einem mir seit meiner Erstbegegnung mit dem Film anhaftenden Makel befreien können: Ich zählte nämlich bislang zu den unglücklichen Seelen, die mit Milius‘ Barbarenfilm, Fantasyklassiker und Lieblingsfilm zahlreicher junggebliebener Männer nicht so richtig warm werden wollten und konnten. Zwar fand ich ihn keinesfalls schlecht – welcher Actionfreund könnte einen Film mit halbbekleideten Muskelprotzen, die sich zu Basil Poledouris‘ testosterongeschwängerter und pathosgetränkter Musik gegenseitig die Köpfe einschlagen, auch schlecht finden? -, aber er hatte – ähnlich wie BLADE RUNNER – immer eine immens einschläfernde Wirkung auf mich. Diesmal bin ich also wachgeblieben, habe den Film sehr genossen und seine bleierne Atmosphäre, die ich bisher immer als Mangel empfunden hatte, als absolut adäquat für einen Film erkannt, der seine vulgärnietzscheanische Übermenschen- und Selbstüberwindungsphilosophie ins Gewand einer nahezu wortlosen Gewaltoper kleidet.

Milius‘ Film beginnt mit dem Nietzsche-Zitat „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ programmatisch-plump und weicht von der damit zum Ausdruck gebrachten Ein-Eindeutigkeit auch in den folgenden zwei Stunden nie ab. CONAN THE BARBARIAN dürfte Milius‘ Evangelium sein: Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der jede ihm auferlegte Prüfung besteht, mag sie auch noch so hart sein, der an erlittenen Qualen zum Übermenschen und König wächst und keine Autorität jenseits seines eigenen Leibes braucht. Dass Conan zunächst noch seinem Gott Krom huldigt, ist ein Zeichen der Schwäche und Unreife, die er – so darf man vermuten – überwindet, als ihm sein Kamerad Subotai (Gerry Lopez) entgegnet, dass es keinen mächtigeren Gott als den Himmel und die vier Winde – also das Universum selbst – geben könne und jeder, der darunter stünde, mithin nicht mehr als ein falscher Götze sei.

CONAN THE BARBARIAN könnte man vielleicht als antiaufklärerisch missverstehen: Die Haudrauf-Mentalität seines Helden, die Verortung in einer vorzivilisatorischen, von Aberglauben geprägten Zeit, in der der Stahl das Maß aller Dinge ist und Menschen sich ausschließlich auf körperlicher Ebene miteinander messen, der fast vollständige Verzicht auf Dialoge und sogar auf einen konventionellen Spannungsbogen ließen sich in diese Richtung interpretieren. Doch bedeutete dies, den radikal-emanzipatorischen Gestus von Milius‘ Film gründlich zu übersehen: CONAN THE BARBARIAN ist zutiefst antiautoritär, indem er jede Religion und mit ihr jede Ordnung, die den Menschen von außen auferlegt wird, verwirft. Das Böse kommt durch Thulsa Doom (James Earl Jones) und seinen Schlangenkult in Conans einfache, nur aus Leben und Tod bestehende Welt, er unterjocht die Menschen, macht sie willenlos und treibt sie in ritualistische Selbstmorde. Conans Reise, die er in Anlehnung an klassische Heldenerzählungen unternimmt, ist demnach auch ein Reifeprozess: von der totalen Abhängigkeit über die Selbsterfahrung hin zur völligen Autonomie. Demzufolge tritt auch seine zunächst ganz konkret persönliche Motivation – Rache am Mörder seiner Eltern – zugunsten eines urspünglichen und a priorischen Überlebenstriebs in den Hintergrund, der jedoch nicht mehr bloß passiv verstanden, sondern von ihm ganz offensiv ausgelegt wird: Was gegen Conan ist, muss getötet werden, damit nur noch Conan übrig bleibt. Das finale Bild, das ihn auf dem Thron als König zeigt, ist nicht bloß ein Bild des Triumphs, sondern auch eins der Einsamkeit: Wie aus Stein gehauen, regungslos, sitzt Conan da und sinniert über sein Schicksal wie ein Gott ohne Jünger.

CONAN THE BARBARIAN ist – abgesehen natürlich von seinem reizvollen Äußeren: weder zuvor noch danach ist die Umsetzung einer gezeichneten Vorlage in Film so gut und nahezu ohne Reibungsverlust gelungen wie hier  – ein schwieriger, ja sogar ein böser Film. Weil er trotz seines Voice-Over-Kommentars keine reflektierende Instanz zwischen Film und Zuschauer schiebt, sich jeden ironisierenden Unterton verkneift, der den grimmen Ernst des Films relativieren würde, und seine Philosophie anhand einer Welt entwickelt, in der es zwischen dem nackten Leben und dem grausamen, mitleidlosen Tod nichts zu geben scheint und die nur, wenn man über ein besonders pessimistisches Menschenbild verfügt, zum Vergleich mit unserer Welt einlädt. Es ist aber vor allem diese einlullende Gleichförmigkeit, das stete und völlig unaufgeregte Wechselspiel aus Sterben und Morden, das den Film vor allem auszeichnet, ihn aber für mich zu einer wahrlich körperlichen Herausforderung gemacht hat. Und ich fühle mich ein bisschen wie Conan, jetzt, wo ich diese Herausforderung bestanden habe.

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Danke von Herzen für deinen prächtigen Text. Jetzt bin ich sogar ein bisschen stolz auf mich, auch wenn ich mich sowieso jedes Mal, da ich mich wieder an „Conan“ delektieren durfte, ohnehin mindestens acht Tage lang wie ein Barbar aus Cimmeria fühle – viel schöner ist natürlich noch das Gemeinschaftserlebnis 🙂

  2. Oliver sagt:

    Gern geschehen! 🙂

  3. Doch, doch: Das reizvolle Äussere. Aber ich will das Tuckentreffen nicht stören. 😉 – Hach! Was für ein Genuss, das zu schreiben, nachdem der junge Schwarzenegger seinen beneidenswert grossen – Charakter in jedem Schwulemagazin zur Schau stellte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.