stunt rock (brian trenchard-smith, australien/niederlande 1978)

Veröffentlicht: Oktober 7, 2010 in Film
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Der australische Stuntman Grant Page (Grant Page) reist für die Dreharbeiten zur Fernsehserie „Undercover Girl“ nach Los Angeles. Dort trifft er die Band „Sorcery“, die ihre Liveshow mit Zaubertricks und Pyroeffekten aufmotzen, und gewährt einer Journalistin (Margaret Gerard) Einblicke in seine Tätigkeit …

Wer Brian Trenchard-Smiths TURKEY SHOOT aka BLOOD CAMP THATCHER aka INSEL DER  VERDAMMTEN aka ESCAPE 2000 kennt und also zwangsläufig verehrt, der braucht auch die euphorischen und natürlich hochverdienten Liebesbekundungen Tarantinos nicht, die der dem britischen Regisseur zuletzt via Zitaten auf DVD-Covers oder Interviews in Ozploitation-Dokus hat zukommen lassen. Trenchard-Smith versteht sich auf die knackige, nein: knallige Inszenierung aufregender Actionsequenzen, die er in genanntem Film zudem mit schmerzhaftem Splatter abzuschmecken weiß, und nennt darüber hinaus einen furztrockenen Tongue-in-cheek-Humor sein eigen, der auch potenzielle Rohrkrepierer wie LEPRECHAUN 3 und 4 noch zu kleinen Trashperlen anwachsen lässt. STUNT ROCK ist einer seiner früheren Filme und legt eindrucksvoll Zeugnis von den Stärken Trenchard-Smiths ab, ja, man könnte sogar soweit gehen, dass er in seinem Verzicht auf jegliches überflüssige Füllmaterial und durch die damit einhergehende Direktheit, mit der er zur Sache kommt, fast schon als Showreel fungiert, das die Qualitäten seines Regisseurs perfekt dokumentiert. „Dokumentiert“ ist dabei ein gutes Stichwort, denn STUNT ROCK erzählt keine Geschichte, sondern bringt einfach nur die beiden Pole „halsbrecherische Stunts“ und „knallig-theatralische Rockmusik“ auf kürzestem Weg zusammen, sich dazu der Dienste des echten Stuntmans Grant Page und der Seventies-Hardrockband Sorcery bedienend, die sich selbst „spielen“. STUNT ROCK ist nicht mehr als eine nicht abreißende rasante Folge von lebensmüden Stunts, die von Trenchard-Smith visuell mithilfe einer famosen Kameraarbeit, Zeitlupen und Splitscreen-Effekten zu größtmöglichem Effekt aufbereitet werden, und Szenen von der Liveshow Sorcerys, die einen bedauern lassen, dass Bands, die solche Shows ablieferten, Langweilern in Jeans und T-Shirt (die natürlich ihre Berechtigung haben) Platz machen mussten. Zum Blues-beeinflussten Crunchrock von Sorcery bekämpfen sich auf der Bühne zwei Illusionisten, die Gut und Böse symbolisieren, und am Ende krönt natürlich niemand Geringeres als Grant Page das Konzert mit einem seiner Stunts. STUNT ROCK ist im Grunde reine Form und strukturell somit nicht uninteressant, zumal er das Genre der Dokumentation um eine Fassette bereichert, die von den heute schon fast wieder zu Klischees gewordenen Fake-Dokus oder Mockumentarys noch nicht abgedeckt wird: STUNT ROCK ist sowas wie ein Fake-Feature, eine Dokumentation, die sich als Spielfilm getarnt hat. Zwar könnte man dem entgegenhalten, dass es hier keine echte „Aussage“ gibt, keine These, die be- oder widerlegt würde, und natürlich viele Passagen, die eine Handlung vortäuschen und also gestellt sind, aber erstens gilt das ja auch für viele zeitgenössische Dokus und zweitens ändert das nichts daran, dass Trenchard-Smith in STUNT ROCK im Grunde nichts anderes tut, als zwei exzentrische Auffassungen von Showmanship vorzustellen, seine Bewunderung für sie auszudrücken und ihnen eine neue Plattform bietet, auf der sie ihrem Hobby der Selbstdarstellung frönen können. In erster Linie ist STUNT ROCK aber ein Film für das Kind am Mann, für Leute, die Spaß daran haben, dabei zuzuschauen wie Sachen in die Luft fliegen, Autos geschrottet werden, kernige Typen ihr Leben riskieren oder aber den Lautstärkeregler weit nach rechts drehen, in die Saiten greifen und ordentlich Lärm machen. Ich habe mich ausgezeichnet amüsiert und freue mich auf Trenchard-Smiths DEAD END DRIVE-IN, den ich mir heute Abend zu Gemüte führen werde.

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