funny people (judd apatow, usa 2009)

Veröffentlicht: Oktober 11, 2010 in Film
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Stand-up-Comedy-Legende und Hollywoodstar George Simmons (Adam Sandler) erfährt von seinem Arzt, dass er an einer seltenen Leukämie-Art erkrankt ist und sehr wahrscheinlich sterben wird. Der eh schon zynische Simmons verliert daraufhin jede Perspektive und schnappt sich den erfolglosen Komiker Ira Wright (Seth Rogen), der ihn durch seine vermeintlich letzten Monate begleiten und ihm noch dazu ein paar Gags schreiben soll. Zwischen beiden entwickelt sich eine freundschaftliche Beziehung, die dazu führt, dass Simmons sich mit zahlreichen Bekannten, die er über die Jahre verprellt hat, versöhnt – unter anderem auch mit seiner Exfrau Laura (Leslie Mann), die ihm gesteht, ihn trotz Ehe und Familie immer noch zu lieben. Als Simmons eines Tages erfährt, dass jedes Anzeichen seiner Krankheit verschwunden ist, will er deshalb Nägel mit Köpfen machen und seine große Liebe zurückgewinnen. Auch um den Preis, eine Familie zu zerstören …

Die Begeisterung, die mir Apatows bisherige Filme nach Erstsichtung jeweils abgerungen hatten, ist in der Zwischenzeit etwas abgekühlt: Rückblickend finde ich die Mischung aus ordinärem Furzhumor und herziger RomCom dann vielleicht doch weniger bemerkenswert, als sie mir bei Erstbegegnung erschienen war. Und FUNNY PEOPLE, der in seiner witzigen und rasanten ersten Hälfte zunächst alle Befürchtungen verwischt, bestätigt diese mit seiner konfusen, missratenen und irgendwie auch recht unappetitlichen zweiten Hälfte dann doch noch. Das Problem: Ich verstehe den Film nicht. Beziehungsweise: Ich weiß, was Apatow von mir will, nur frage ich mich, wie er darauf kommt, dass er das mit den von ihm gewählten Mitteln erreicht. Bisher funktionierte die Verbindung seiner eigentlich ernsten Themen mit dem zotigen Humor seiner unreifen Figuren einigermaßen, doch hier, im Kontext wirklich existenzieller Fragen, kommt diese Mischung für mich nur noch abgeschmackt daher, erscheinen mir der Regisseur und seine Protagonisten mehr und mehr als Idioten, die in der narzisstischen Endlosschleife gefangen sind und sich in endlose Pimmelwitze flüchten, um bloß nicht erwachsen werden zu müssen. Natürlich geht es genau darum: Doch die Einsicht, die seine Figuren erlangen, ist bloße Behauptung. Das ist aber noch nicht das schlimmste: FUNNY PEOPLE ist auch noch total zerfahren, aufgeblasen und lässt jede klare Linie vermissen. 

So sehr ich mich auch darüber freue, Adam Sandler mal wieder in einer großen, ernsteren, ihm förmlich auf den Leib geschriebenen Rolle zu sehen: sein George Simmons, ein Komiker, hinter dessen lachendem Gesicht sich ein misanthropisches Arschloch verbirgt, jedoch durch eine Todeserfahrung den Wert des Lebens neu kennen lernt, ist ein reichlich abgeschmacktes Klischee, dem auch Apatows sich an sich selbst aufgeilendes Drehbuch keinerlei neue Fassetten abzuringen versteht. Meiner Ansicht nach arbeitet seine erfolgreiche Masche hier zum ersten Mal gegen ihn: Der Fäkalhumor betont nur Apatows Unsicherheit und seine selbstverliebten Protagonisten wirken wie Kleinkinder, denen man die Süßigkeiten verweigert. Entweder es handelt sich bei ihnen wie bei Iras Freunden um spätpubertäre Bengel, denen ihr kleines Bisschen Ruhm die Sinne vernebelt, um gruselige Plastikcharaktere wie Laura (vielleicht mein persönliches Problem: Leslie Mann – ein kosmetisch überbehandelter Anorexiefall mit der Quäkstimme von Veronika Ferres – finde ich nur grausam) oder aber um Witzfiguren wie ihren Ehemann Clarke (Eric Bana), der als einziger quasirassistischer Australierwitz angelegt ist und Apatows glühende Botschaft als pseudohumanistischen Quark desavouiert. Bei sich ist FUNNY PEOPLE immer dann, wenn er seine hohen Ansprüche vergisst und sich seinem Schniepel- und Fäkalhumor widmet: Dann sprühen die Funken, fliegen zitierfähige One-Liner hin und her und weiß auch Seth Rogen zu gefallen, dessen verschnupfter Duktus und unmoduliertes Spiel sonst eine ziemliche Bürde darstellen. Das weiß anscheinend auch Apatow, der demzufolge versucht, möglichst viele solcher Szenen einzubauen, was den ganzen Film nicht nur völlig unangemessen aufbläst und zerdehnt, sondern auch seine Ambitionen unterläuft. Ich habe verstanden, was Apatow sagen will: Das Leben ist absurd und teuflisch, aber nie so schlimm, dass man es nicht mit einem gezielten Herrenwitz auflockern könnte. Das kann aber nur jemand behaupten, der echte Probleme nur aus dem Fernsehen kennt, das er zu Entspannung einschaltet, wenn er vom Abendessen mit seinen Produzenten nach Hause kommt. Nee, nee, FUNNY PEOPLE ist lebensfremder Mist.

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Letzten Endes lassen sich die meisten der o.a. Kritikpunkte aber doch auf nahezu jede Hollywood-Komödie der letzten zehn Jahre projizieren. Ich vermute jetzt mal ganz prophetisch, der Film hat dich auf einem falschen Fuß erwischt.

    • Oliver sagt:

      Mag sein. Aber die haben mir gefallen. 😉

      FUNNY PEOPLE verhebt sich m. E. total in seinem Versuch, ehrlich und emotional zu sein. Und ich kann diese ganzen armen Typen, die ach so sehr an ihrem Reichtum, Ruhm und dem gemeinen Showbiz leiden, einfach nicht mehr sehen. Die können mich alle am Arsch lecken.

      (Davon abgesehen hatte der Film in der zweiten Hälfte etliche Ungereimtheiten, was die Kontinuität angeht. In einer Szene wusste keiner von der Krankheit, in der nächsten stoßen alle mit George auf seine Heilung an?)

  2. Funxton sagt:

    Ich finde nicht, dass Apatow hier was grundlegend anderes praktiziert als in seinen übrigen Filmen; soll heißen, diese vorgekaukelte Ehrlichkeit und Emotionalität, die du da sondierst, tritt in seinem sonstigen Werk nicht minder auf. Selbiges gilt ja schon für die exorbitante Erzählzeit. Auch die Paarung mit hintergründigem Zynismus kennt man doch bereits gut von ihm. Aber all das scheint, wie du ja schon einräumst, ohnehin ein eher persönlich gefärbtes Problem deinerseits mit dem Film zu sein – warum auch nicht. Ich schätze, ich kann nachvollziehen, dass man den Film nicht sonderlich mag, leicht macht er es einem wohl tatsächlich nicht.
    Was die Kontinuitätspanzer angeht, kann ich nichts entgegnen – mir sind seinerzeit keine aufgefallen, aber vielleicht war ich auch bloß nicht aufmerksam genug.

    • Oliver sagt:

      Wie gesagt: Ich fürchte, ich hatte meine Gründe, mir 40 YEAR OLD VIRGIN und KNOCKED UP (die ich beide sehr mochte) kein zweites Mal gesehen zu haben. 🙂

  3. Nils sagt:

    Ich mag Apatow sehr, zumindest die Filme im 40 YEAR OLD VIRGIN/KNOCKED UP/FORGETTING SARAH MARSHALL-Ton (er hat ja auch bei diversen, vom Stil her anderen Komödien wie YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN seine Finger drin). FUNNY PEOPLE würde ich auch als gescheitert sehen, aber mit Niveau gescheitert. Man könnte fast vom HEAVEN’S GATE im Komödienbereich sprechen, denn es mal wieder einer jener Filme, bei denen ein gerade angesagter Regisseur carte blanche bekam und seine Vision umsetzte, ohne dass irgendwelche Produzenten ihn bremsten. Die beinahe epische Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden für eine Komödie, die erst im letzten Drittel so etwas wie einen Plot entwickelt (das Hin und Her um die Frau), die keine Anspielungen auf bisherige Werke von Apatow, Rogen und Sandler sein lassen kann, die fast jedem Buddy Apatows eine Gastrolle einräumt – da lief die Kreativität ungezügelt Amok. Von daher finde ich gescheiterte carte blanche Filme auch immer irgendwie interessant, da sie sich dann in ihren eigenen Ideen verrennen und so immerhin mehr bieten als stromlinienförmig versagende 08/15-Kost.
    Zumal Apatow meines Erachtens die Mischung aus Ernst des Lebens und absurder Komik auf die Spitze treibt, denn in seinen ernsten Momenten ist der Film ja ziemlich traurig angelegt (z.B. die Szene, in der Sandler den iPod abhört) und das steht dann neben einer Unmenge von Peniswitzen. Wie gesagt: Nicht gelungen, aber schon mit eigenen Stil gescheitert.

    • Oliver sagt:

      Kann ich so stehen lassen – habe ja auch eingeräumt, dass ich die erste Hälfte sehr mochte. Die epische Laufzeit, die du ansprichst, würde ich nicht unbedingt als Beleg dafür sehen, dass Apatow sich hier im Gegensatz zu seinen bisherigen Arbeiten ungestört austoben konnte, denn auch 40 YEAR OLD VIRGIN und KNOCKED UP liefen ja um die zwei Stunden. Für mich war diese Länge bisher auch immer ein Indiz dafür, dass es Apatow nicht nur um schnöde Witzchen, sondern um Charaktere geht. Bei FUNNY PEOPLE zeigt sich für mich aber recht deutlich, dass diese Charaktere auch nur Folien sind, auf die Apatow seine nerdige Slacker- und Losermentalität projezieren kann. FUNNY PEOPLE ist für mich kein kreativer Amoklauf, sondern Stagnation.

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