brain damage (frank henenlotter, usa 1988)

Veröffentlicht: Oktober 14, 2010 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Als Brian (Rick Hearst) ein wurmartiges sprechendes Wesen in seiner Wohnung entdeckt, ändert sich sein beschauliches Leben dramatisch: „Elmer“, so der Name des Wurms, injiziert mittels eines Stachels eine Substanz in Brians Hirn, die diesen in Rauschzustände ungeahnter Intensität versetzt. Brian ist begeistert von den neuen Erfahrungen, bis er feststellt, dass Elmers Leibspeise frische Menschenhirne sind, bei deren Beschaffung er ihm während seiner Rauschzustände behilflich ist. Brian will die Trennung, doch die Abhängigkeit, in die ihn die Droge versetzt hat, ist längst zu stark …

Ganze sechs Jahre dauerte es nach BASKET CASE, bis Henenlotter mit BRAIN DAMAGE seinen zweiten Spielfilm vorlegen konnte. Und wenn man auch unumwunden sagen kann, das sich diese lange Wartezeit gelohnt hat, so kommt man doch nicht umhin festzustellen, dass sie deutliche Spuren hinterlassen hat. Wie könnte es auch anders sein? Mit dem schmuddeligen Bahnhofskino-Charme des mit einem Bein noch in den Siebzigerjahren stehenden BASKET CASE hat der nun eindeutig als Kind der Achtzigerjahre erkennbare BRAIN DAMAGE nicht mehr viel zu tun: Er sieht wesentlich „sauberer“ aus, ist technisch ausgereifter und aller budgetbedingter Improvisation zum Trotz insgesamt ambitionierter. Doch die Wildheit und das Abseitige, die schon BASKET CASE auszeichneten, findet man auch hier wieder, etwa zu gleichen Teilen auf Form und Inhalt verteilt. Im ersten Drittel des Films nutzt Henenlotter die Rauschzustände seines Protagonisten für einige visuell aufregende Szenen, später bieten die Mordtouren Elmers Gelegenheit für einige wilde Splattereinlagen, seinen intensiven Höhepunkt erreicht BRAIN DAMAGE in jener schmerzhaften Sequenz, in der Brian sich auf hoffnungslosen Entzug begibt und in seinem Leiden dabei von Elmer verhöhnt wird, und den abseitigen Humor, für den man Henenlotter schätzt, verdankt der Film vor allem der Tatsache, dass Elmer wie ein sprechender Penis aussieht. An dieser Aufzählung wird schon deutlich, wie vielseitig der Film geworden ist und wie viele Fassetten er zwischen Horror, Drama und Komödie abdeckt. Erstaunlich ist, dass er sich dafür niemals verrenken muss, sondern immer homogen bleibt. Aber nicht nur das: Auf dem Papier liest sich die Geschichte von BRAIN DAMAGE wie ein pubertärer Witz, der von vornherein zum Scheitern veruteilt ist. Und ich halte es für eine echte Meisterleistung, dass er nicht nur nicht gescheitert ist, sondern unter Henenlotters Regie zu einem der originellsten und schönsten Exploiter der Achtzigerjahre avancierte. Mehr muss, kann und will ich dazu an dieser Stelle nicht sagen. Ansehen!

Kommentare
  1. […] Sequel von Henenlotters Debüt wurde von Shapiro-Glickenhaus produziert und somit setzt sich die in BRAIN DAMAGE schon offenkundige Polierung des einstmals so roh daherkommenden Regie- und Erzählstils fort. Die […]

  2. […] selben Jahr wie BASKET CASE 2 entstanden, eine Rückkehr Henenlotters zum Schmuddelkino, das er mit BASKET CASE so gelungen bereicherte. Gegenüber dem Sequel seines Debüts, das sich aller Henenlotterismen zum […]

  3. […] so etwas wie das Missing Link in Henenlotters Filmografie und hätte eigentlich unmittelbar nach BRAIN DAMAGE folgen müssen. Stattdessen begab sich Henenlotter mit den drei Filmen für Shapiro Glickenhaus in […]

  4. The Critic sagt:

    Im Audiokommentar der DVD erzählt Henenlotter, daß ein wesentlicher Unterschied zwischen Basket Case und Brain Damage/Frankenhooker gewesen sei, daß er, Henenlotter, die ungelenken Stop Motion Effekte für den ersteren Film noch selbst gemacht hat, während die Effekte der späteren Filme von Al Magliochetti betreut wurden. Ein deutlich sichtbarer Unterschied, will ich meinen.
    Übrigens, mich erinnert Aylmer ja mehr an Mr Hanky, the Christmas Poo. Was die blow job Szene nicht unbedingt angenehmer macht. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.