basket case 2 (frank henenlotter, usa 1990)

Veröffentlicht: Oktober 15, 2010 in Film
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Unmittelbar nach den Ereignissen von BASKET CASE landen Duane (Kevin van Hentenryck) und sein Bruder Belial schwer verletzt im Krankenhaus – und im Fernsehen, wo ihre Geschichte von Reportern begierig aufgesogen und verarbeitet wird. Auf diesem Weg erfährt Granny Ruth (Annie Ross) von den beiden Brüdern: Unter dem Namen Dr. Freak hatte sie einst für Aufsehen gesorgt, weil sie sich zahlreicher Missgebildeter angenommen hatte. Und das tut sie immer noch, wenn auch im Geheimen. Auf ihrem Dachboden wohnt eine bunte Schar körperlich Deformierter, der sie Duane und Belial hinzufügt. Dummerweise kommt ihr die Sensationsjournalistin Marcie (Kathry Meisle) auf die Schliche …

Das Sequel von Henenlotters Debüt wurde von Shapiro-Glickenhaus produziert und somit setzt sich die in BRAIN DAMAGE schon offenkundige Polierung des einstmals so roh daherkommenden Regie- und Erzählstils fort. Die Weiterführung der Geschichte von Duane und Belial verläuft dann auch zunächst in recht konventionellen Bahnen und der Überbietungslogik des Sequels folgend gibt es nun nicht mehr nur einen, sondern gleich einen ganzen Haufen Freaks mit lustigen Deformationen, was Effektspezialist Gabe Bartalos ausreichend Gelegenheit gibt, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Die Freude an den herrlichen Masken, mit denen sich Bartalos in direkte Konkurrenz zum circa zur gleichen Zeit gestarteten NIGHTBREED begibt (und dabei nicht schlecht abschneidet), trägt dann auch über die ersten zwei Drittel des Films, die nett, aber nicht allzu aufregend sind. Man vermisst ein bisschen den Bahnhofskinocharme, der BASKET CASE noch auszeichnete, oder die Wildheit von BRAIN DAMAGE, doch erkennt man an den humorvollen Dialogen und irrwitzigen Ideen immer noch den Henelotter.

Inhaltlich verfolgt BASKET CASE 2 den Toleranzgedanken des Vorgängers konsequent weiter und platziert sich noch deutlicher als der erste Teil in geistiger Nähe von Tod Brownings FREAKS: Es geht um die Ausbeutung der Anderen durch eine zynische Medienlandschaft und um den damit einhergehenden Wunsch dieser Anderen, dazuzugehören, normal zu sein und nicht mehr ausgegrenzt zu werden. Für Duane kann dieser Wunsch natürlich nicht erfüllt werden: Seine Verwandtschaft mit Belial hat nicht nur körperliche Spuren hinterlassen. Und so, wie ihn am Ende der Wahnsinn packt, wenn er feststellt, dass es mit der Normalität nicht klappen wird, erwischt es dann auch noch BASKET CASE 2, setzt sich Henenlotter gegen kommerzielle Erwägungen durch. Das letzte Drittel des Films ist von genau dem Irrsinn befallen, den man zuvor etwas vermisst hat. Belial bekommt eine ausgiebige Sexszene mit einer Seelen- und Deformationsverwandten, während Duane Bekanntschaft mit einer Frau macht, deren heranwachsendes Kind sich beharrlich weigert, geboren zu werden und nur ab und zu durch deren offene Bauchdecke schnappt. Und am Schluss, wenn Duane dann endgültig überschnappt, packt er Nadel und Faden aus, und näht den Bruder kurzerhand wieder an.

In diesen letzten Szenen wird BASKET CASE 2 also doch noch vom nur netten zum guten Sequel, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. Beim nächsten Mal sollte das leider nicht mehr funktionieren …

Kommentare
  1. […] markiert, im selben Jahr wie BASKET CASE 2 entstanden, eine Rückkehr Henenlotters zum Schmuddelkino, das er mit BASKET CASE so gelungen […]

  2. […] nach den Ereignissen von BASKET CASE 2 befindet sich Duane (Kevin van Hentenryck) in einer Gummizelle in der Obhut von Granny Ruth (Annie […]

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