communion (philippe mora, usa 1989)

Veröffentlicht: Oktober 19, 2010 in Film
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Der New Yorker Autor Whitley Strieber (Christopher Walken) und seine Familie werden in ihrem Ferienhäuschen erst von einem gleißenden Licht behelligt und dann von mysteriösen „Besuchern“, die Whitley entführen und diversen Untersuchungen unterziehen, an die er sich danach aber nur noch dunkel erinnern kann. Als sich die Besuche weiderholen und seine daraus folgenden Angstzustände auch für seine Familie zur Bedrohung werden, beginnt er eine Therapie. Aber auch die kann seine Befürchtungen nicht zerstreuen …

Dies ist der Film, in dem Christopher Walken von merkwürdigen Wesen einer Rektaluntersuchung unterzogen wird. Auch jenseits solcher „Reize“ ist COMMUNION aber überaus sehenswert und das erstaunlicherweise keinesfalls unter Trash-Gesichtspunkten. Um den Film des geschätzten Exploitation-Auteurs Mora richtig würdigen zu können, müssen jedoch erst ein paar Worte zur literarischen Vorlage und deren Autor gesagt werden. COMMUNION basiert auf dem gleichnamigen Roman des Beststeller-Autors Whitley Strieber (unter anderem schrieb er auch die Vorlagen zu WOLFEN und THE HUNGER), einem Erlebnisbericht, in dem Strieber seine eigenen Erfahrungen mit den „Besuchern“ – die vielleicht Außerirdische sind, vielleicht aber auch nicht – verarbeitet. Gegen Vorwürfe, die ihm dies als persönliche Wahnvorstellung auslegten, argumentierte Strieber, dass er nicht insinuieren wolle, die „Besucher“ seien Außerirdische; es sei zwar möglich, dass es sich bei ihnen um solche handele, aber darum ginge es ihm nicht. Auch Mora betont, ihn haben eher die psychologischen Implikationen des Stoffes interessiert als sensationalistische Erwägungen über die Existenz extraterrestrischen Lebens und so ist COMMUNION dann auch ein deutlich differenzierter Film, als man nach meinem eröffnenden Satz annehmen könnte. Mora lässt offen, ob sich die Entführung tatsächlich ereignet hat oder ob sie doch nur der überspannten Fantasie des Autors entsprungen ist. Zwar gibt es Zeugen, die das gleißende Licht ebenfalls gesehen und eine rätselhafte „Präsenz“ gespürt haben, doch die Inszenierung bleibt letzten Endes uneindeutig, legt die Konfrontation als Traum an. Und so widmet sich Mora auch eher den Selbstzweifeln Striebers und den sich aus seiner Angst ergebenden familiären Problemen, denen vor allem das versierte Spiel von Walken und Crouse jene Glaubwürdigkeit verleiht, die für den Film dringend notwendig ist und ihn über reine Exploitation weit hinausheben. Beide Schauspieler ergänzen sich ideal: Crouse ist brilliant als verständnisvolle, fürsorgliche, aber auch energische Ehefrau, die mit Schrecken mitansehen muss, wie ihr Gatte anscheinend den Verstand verliert und dann alles dafür tut, um ihre Familie zu retten. Und Walken legt Strieber wie es für ihn typisch ist als leicht exzentrischen, emotional überspannten Künstler an, dessen Narzissmus seine Visionen begünstigt. Dennoch ist Strieber ein aufgeklärter Mensch, in dessen Weltbild es nicht vorgesehen ist, von fremdartigen Wesen entführt und untersucht zu werden. Dieser Konflikt zwischen dem, was ist, und dem, was nicht sein kann, ist es, der den Film bewegt, und die Quelle der sich entspinnenden familiären Konflikte bildet. Kurz vor Schluss landet Strieber, angeregt von seiner Therapeutin (pikanterweise spezialisiert auf Vergewaltigungsfälle), in einer Selbsthilfegruppe von Menschen, die seine Erfahrungen teilen: Aber es verschafft ihm keinen Trost, keine Beruhigung, zu hören, dass er nicht allein ist. In einem Raum mit überzeugten Entführungsopfern zu sitzen, verstärkt eher seine der Ratio geschuldeten Zweifel. Strieber muss sich seinen Ängsten persönlich und direkt stellen. Diese finale Konfrontation bildet in einem durchgehend seriösen Film die absurde Pointe: Im feinen Zwirn und Hut besucht Strieber das „Raumschiff“ der „Außerirdischen“, beginnt sich mit ihnen zu unterhalten und gar zu tanzen. Und als er danach nach Hause zurückkehrt, haben sich seine Ängste gelöst.

COMMUNION ist – das ist hoffentlich klar geworden – ein faszinierender, ungewöhnlicher kleiner Film, weil er sein oft spekulativ behandeltes Thema ganz unspekulativ behandelt und ernst nimmt. Eigentlich ist seine konkrete Ausschmückung absolut zweitrangig für die Fragen, die er stellt: Was bedeutet es für einen aufgeklärten Menschen, wenn er mit etwas konfrontiert wird, dass seiner Vernunft widerspricht? Eine Frage, der man sich stellen muss. Und so sehr man die Berichte über UFOs und Außerirdische auch als Spinnerei abtun möchte: Extraterrestrisches Leben könnte existieren. Und was würden wir tun, wenn wir es uns plötzlich leibhaftig gegenüberstünde? COMMUNION behandelt eine existenzielles menschliches Dilemma.

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