delitto in formula uno (bruno corbucci, italien 1984)

Veröffentlicht: Oktober 28, 2010 in Film
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Als ein Formel-Eins-Rennfahrer tödlich verunglückt, wittert Nico Giraldis (Tomas Milian) Chef einen Mord und setzt den unkonventionellen Polizisten auf die Sache an. Der hat jedoch zunächst ganz andere Sorgen: Er muss nämlich seinen kleinkriminellen Schwager decken, der eine Leiche in einem von ihm geklauten Auto gefunden hat. Bei dem Toten wiederum ihandelt es sich um einen ehemaligen Formel-Eins-Rennfahrer …

Der vorletzte Nico-Giraldi-Film ist ein recht amüsanter kleiner Krimi, dessen eigentliche Handlung jedoch schnell in den Hintergrund tritt, um den Charakteren – allen voran natürlich Nico Giraldi mit seinen Strickklamotten – Platz zu machen. Mindestens so wichtig wie die Aufklärung des Mordes ist etwa die Beziehung zwischen Giraldi und seinem Informanten, dem trotteligen Venticello (Bombolo). Weil der Giraldi nämlich in der Kindheit immer geärgert und geohrfeigt hat, darf es ihm jener nun auf Heller und Pfennig heimzahlen: Es hagelt Backpfeifen für den armen Venticello, der in einem Büchlein haarklein aufführt, wie viele er noch einstecken muss, bevor seine Schuld abgegolten ist. Neben Venticello gibt es noch Giraldis Frau Angela (Olivia Di Nardo), mit der sich der „Superbulle“ hitzige Wortgefechte liefert, sowie seinen servilen Kollegen Gargiulo (Massimo Vanni). Das ganze ist angenehm munter und zudem mit viel schmuddeligem Lokalkolorit eingefangen. Wenn Corbucci irgendwann wieder einfällt, dass es ja auch um einen Mord ging, und er sich der Aufklärung des Verbrechens zuwendet, wirkt das nicht zu Unrecht wie lästige Pflichterfüllung. Und die Rennwagen-Verfolgungsjagd, in der der Film, nun ja, kulminiert, ist eher ein schönes Beispiel für die Gimmickhaftigkeit, die zum kommerziellen Italofilm einfach dazugehört, als für Rasanz und Action. So sehr ich die Giraldi-Filme auch mag, nicht zuletzt  natürlich aufgrund der Synchro, die dem Schmuddelcop reihenweise derbe Sprüche in den Mund legt, frage ich mich doch immer, wie diese Filme wohl tatsächlich, sprich: im italienischen Sprachraum, „funktionieren“ und bedaure ein wenig, dass ich sie nie mit italienischen Augen und Ohren sehen bzw. hören werde. Dass Giraldi eine Karikatur eines bestimmten Typs der römischen Arbeiterklasse ist, liegt auf der Hand, leider fehlt mir aber das spezifische Sprach- und Kulturwissen, um, diese Karikatur wirklich würdigen bzw. in allen Details verstehen zu können. Schade, denn man merkt bei allem Klamauk doch, dass im Kern der Giraldi-Filme kleine italienische Wahrheiten schlummern.

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