double exposure (william byron hillman, großbritannien 1983)

Veröffentlicht: November 13, 2010 in Film
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Der Fotograf Adrian Wilde (Michael Callan) lebt ein fröhliches Junggesellendasein, obwohl er doch längst nicht mehr der jüngste ist. Mit seinem Bruder, dem invaliden Stuntman B. J. (James Stacy), lässt er sich volllaufen, besucht wilde Parties und landet dann immer wieder mit einer anderen Frau im Bett seines Wohnmobils. Sorgen machen ihm in letzter Zeit aber grauenvolle Albträume, in denen er seine Fotomodelle auf brutale Art und Weise umbringt. Als sich seine Träume auch noch bewahrheiten, rutscht er immer tiefer in den Wahn ab. Was umso tragischer ist, als er mit Mindy (Joanne Pettet) endlich die Frau fürs Leben gefunden zu haben scheint. Ist er wirklich ein Mörder?

Das Mitternachtskino kennt viele schräge Filme. Filme, die eigenwillige Geschichten erzählen. Filme, die ihre Geschichten eigenwillig erzählen. Filme, die sich um Konventionen der Filmtechnik und der Dramaturgie einen Dreck scheren. Filme, bei denen man als Rezipient schlicht dasteht wie der Ochs vor dem Berg. Wenn man diese Art von Film liebgewonnen hat, dann kommt nach und nach so etwas wie Struktur ins anscheinende Chaos, man entwickelt einen Sinn fürs Absonderliche und beginnt langsam, aber sicher zu verstehen, wie sie funktionieren oder was ihre Macher sich wohl bei ihrer Inszenierung gedacht haben. Sprich: Man erkennt eine Linie, wo man vorher nur Willkür gesehen hat. DOUBLE EXPOSURE ist auch so ein Film, aber er ist dennoch anders. Er hat mir nicht wahnsinnig gut gefallen, aber da war dennoch irgendwas, was es mir unheimlich schwer macht, ihn abschließend zu bewerten. Beziehungsweise: Diese abschließende Bewertung kann das Filmerlebnis nicht vollständig fassen. Der Film erschöpft sich nicht darin, wie er gemacht ist.

DOUBLE EXPOSURE bedient sich eines Themas, das fast schon Klischee ist: Der Fotograf, der seine Models tötet (oder nicht), ist ein ebenso alter Hut wie Träume, die plötzlich real werden. Trotzdem weigert sich Hillman beharrlich, diese Geschichte so zu erzählen, wie man es erwarten würde. Viel Zeit widmet er dem Privatleben seines Protagonisten, seinen Freundschaften und Problemen und kommt dabei ganz gut weg: DOUBLE EXPOSURE ist über weite Strecken uninspiriert, aber durchaus sauber inszeniert und vor allem gut gespielt, erinnert in seinem Look nicht etwa an Schmuddelfilme fürs Bahnhofskino, sondern eher an Fernsehserien der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre – Hauptdarsteller Michael Callan kommt sogar ein bisschen rüber wie ein hemdsärmeliger Jonathan Hart. Was den Film darüber hinaus so verwirrend macht, das ist die Art und Weise, wie Hillman die Morde bzw. die Träume inszeniert: Es bleibt nämlich völlig unklar, was man da als Zuschauer gerade sieht. Und auch im Rückblick, wenn man weiß, wer der Mörder ist und daher auch, wie man die entsprechenden Szenen einzuordnen hat, bleiben Brüche, die sich kaum erklären lassen. Vielleicht sind das einfach nur schlampige Logikfehler und Plotholes: Aber in Verbindung etwa mit der sehr differenzierten Charakterisierung seiner Hauptfigur scheut man vor diesem Urteil doch etwas zurück. Und dann diese Morde: Man sollte meinen, dass der Regisseur eines Exploiters die Gelegenheit, die Ermordung schöner Frauen ins Bild zu setzen, begeistert ergreift und weidlich ausreizt. Nicht so hier, wo alle Damen bekleidet bleiben und ihre Entsorgung eher sachlich vonstatten geht. Die Beschlagnahmung, die es für DOUBLE EXPOSURE in Deutschland gehagelt hat (hier hieß der Film PSYCHO-KILLER), lässt sich nur aus der Tatsache heraus erklären, dass damals anscheinend alles verboten wurde, was annähernd nach Jugendgefährdung aussah.

Andere Probleme des Films hingegen sind ganz typisch: Die drei „Stars“ des Films, Seymour Cassel, Cleavon Little und Robert Tessier, haben völlig unwichtige Rollen abbekommen und ihren Stiefel wahrscheinlich an einem Drehtag runtergespielt, der ganze Ermittlungssubplot um die beiden Polizisten, die die zahlreichen Frauenmorde aufklären sollen, ist so lose über die Laufzeit verteilt, dass man ihn zwischendurch völlig vergisst.

Tja, was macht man damit? Aufgeschlossene Filmseher sollten sich dieses schräge, dann aber doch wieder nicht so schräge Teil ruhig mal ansehen, und sich ein eigenes Urteil bilden. Ich bin mit meinem Latein ziemlich am Ende und weiß noch nicht einmal, wie ein adäquater Abschluss meiner Filmrezeption auszusehen hätte. Richtig gut ist DOUBLE EXPOSURE nicht, schlecht auch nicht, aber für Mittelmaß einfach viel zu seltsam …

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