troma’s war (michael herz/lloyd kaufman, usa 1988)

Veröffentlicht: November 13, 2010 in Film
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Die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes auf einer karibischen Insel stellen schnell fest, dass sie nicht allein sind: Von der Insel aus plant eine Guerrilla-Terroristen-Armee, die aus Mitgliedern aller möglichen Nationen zusammengsetzt ist, die Infiltration der USA. Wissend, dass sie die einzigen sind, die die Invasion verhindern können, nehmen sie den Kampf gegen die Übermacht auf …

Die Vorstellung, dass J. J. Abrams, Hollywood-Wunderkind und LOST-Erfinder, die Idee für seine Erfolgsserie bei der Sichtung von TROMA’S WAR gekommen ist, hat was, finde ich. High-Concept-Big-Budget-Entertainment, das seine Wurzeln im tiefsten Trash hat: der Gipfel der Subversion. Man kann nur hoffen, das J. J. Abrams niemandem von seiner Inspirationsquelle erzählt hat, sonst stünde das System Hollywood vor dem Kollaps. Spaß beiseite, in den ersten Minuten sind die Parallelen wirklich frappierend: Wie sich die Überlebenden zwischen den Wrackteilen am Strand langsam sammeln und dann zusammenraufen, dann schließlich erfahren, dass sie nicht allein sind, und daraufhin beschließen, den Strand zu verlassen, hat bei mir, der ich im Frühjahr die ersten fünf LOST-Staffeln geschaut habe, das ein oder andere Déjà-Vu ausgelöst.

Danach ergeht sich TROMA’S WAR aber nicht im kosmologisch-eschatologisch-selbstreferenziellen Mystery-Overkill, sondern in den längst von Troma bekannten Zoten, dem abjekten Humor und den schlechten Einfällen: Die verschiedenen Anführer der Guerilla-Armee sind ein Deutscher mit schönem Naziakzent, ein Amerikaner mit Schweinenase und ein am Kopf zusammengewachsener siamesischer Zwilling, der wohl so etwas wie die unheilige Allianz von Militär und Politik symbolisieren soll. (Vielleicht wollten die von Troma auch einfach nur einen siamesischen Zwilling im Film haben, den sie dann via Splattereffekt trennen konnten, who knows.) Außerdem gibt es da noch – wohl der geschmackloseste Einfall, den Troma je hatte – Senor Sida, einen mit Flecken übersäten Aidskranken, der die USA mit einer Gruppe Aidskranker verseuchen soll und gleich mal auf einer der Protagonistinnen losgelassen wird. Ihre Reaktion nach dem Akt: „I have Aids!“ Die Devianten befinden sich aber nicht nur unter den Schurken: Die Helden dürfen sich über die Unterstützung des Vietnamveterans Parker freuen, der während des endlosen Gemetzels, das den Film ausmacht, eine stattliche Sammlung feindlicher Ohren erbeutet, die er stolz um seinen Hals trägt. Ferner gibt es unter den Guten noch eine kämpfende Oma und eine Blinde, die immer in die richtige Richtung gedreht werden muss, wenn sie auf Feinde schießt. Das hört sich zwar genauso blöd an, wie es sich auf der Mattscheibe darstellt, trotzdem macht TROMA’S WAR einen Heidenspaß. Woran das liegt? Zum einen daran, dass der Film ein beachtliches Tempo vorlegt und sich nach kurzer Exposition von einer breit ausgewalzten Actionsequenz in die nächste stürzt. Die missratenen Gags fallen nicht weiter ins Gewicht, weil sofort die nächsten hinterher geschoben werden und das Ganze ist zudem so herrlich geschmacklos und bescheuert, dass es eine wahre Freude ist. Auch die Production Values sind ganz ordentlich: Zwar kann man wohl niemandem mit gesundem Menschenverstand glauben machen, dass der Film in der Karibik gedreht wurde (wenn doch, will ich da doch nicht hin), aber dafür gibt es einige gut gelungene Stunts, reichlich Explosionen und viele, viele blutige Effekte zu bestaunen.

Im Grunde ist TROMA’S WAR genau das, was dem doofen Uwe Boll wohl mit seinem abgrundtief drögen POSTAL vorschwebte: Ein Equal-Opportunities-Film, einer, in dem einfach alle Tabus gebrochen werden und jede Minderheit was auf die Mütze bekommt. Hier gelingt das Projekt allerdings. Wohl auch, weil die Macher sich selbst am meisten über ihren Quatsch beömmelt haben, anstatt sich in aus dem Neid des Minderbgabten hervorgehenden Rache- und Allmachtsfantasien zu suhlen.

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