cold harvest (isaac florentine, usa 1999)

Veröffentlicht: November 15, 2010 in Film
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In nicht allzu ferner Zukunft: Nach einem Kometeneinschlag liegt die Welt in Trümmern, eine gigantische Staubwolke sorgt für ewige Nacht und außerdem wird das Überleben der Menschheit von einer rätselhaften Seuche gefährdet. Doch ein Heilmittel ist in Sicht: Sechs Menschen erweisen sich Träger eines Gens, das sie gegen die Seuche immun macht. Fünf von ihnen werden dummerweise vom Schurken Little Ray (Bryan Genesse) getötet, lediglich Christine (Barbara Crampton) kann fliehen, nachdem sie die Ermordung ihres Mannes Oliver (Gary Daniels) beobachtet hat. Bald trifft sie Olivers Bruder Roland (Gary Daniels) wieder, der sich mittlerweile als Kopfgeldjäger verdingt. Und der muss sie nun gegen seinen alten Jugendfeind Little Ray, der mittlerweile herausgefunden hat, was es mit der entkommenen Christine auf sich hat, beschützen …

Über Isaac Florentine habe ich hier schon mehrfach geschrieben (siehe THE SHEPHERD: BORDER PATROL, NINJA, UNDISPUTED 3: REDEMPTION). COLD HARVEST ist einer seiner früheren, ausschließlich für den Videomarkt produzierten Filme und auch wenn man daher ein paar produktionsbedingte Abstriche machen muss, zeigen sich auch hier schon die großen Qualitäten des Regisseurs: visueller Einfallsreichtum, ein ausgesprochenes Talent für dramatische Pointierung und natürlich sein unnachahmliches Können hinischtlich der Inszenierung und Chroreografie von Actionszenen. Florentine inszeniert seinen Endzeitfilm als Western, was zwar aufgrund der Parallelen zwischen beiden Genres kein besonders neuer Einfall sein mag, in der hier gebotenen Konsequenzaber trotzdem ziemlich einzigartig und vor allem ansehnlich ist. So duellieren sich die Figuren mit altmodischen Revolvern, tragen rote Halstücher, Chaps und Stiefel, prügeln sich durch abgeranzte Saloons und hinterlassen ihr Konterfei auf Steckbriefen im Sheriff’s Office. Die Enge der Settings (begünstigt durch die Abwesenheit von Sonnenlicht) korreliert nicht nur mit der einer Westernstadt, sie trägt auch dazu bei, dass COLD HARVEST insgesamt sehr intim wirkt; was wiederum einen interessanten Kontrapunkt zur Tragweite der hier – und im Endzeitfilm allgemein – dargestellten Vorgänge bildet. Die Apokalypse in COLD HARVEST lässt sich durchaus als Privatapokalypse lesen: Alles Geschehen gruppiert sich um das Viereck Roland/Oliver, Little Ray und Christine: selbst der Handlungsort ist deren alte Heimatstadt und der zwischen ihnen ausgetragene Konflikt letztlich einer, der schon in der gemeinsamen Jugend schwelte. Das ist eine überaus reizvolle Idee, die dem über die Jahre in Chiffren, Klischees und Konventionen erstickten und hermeneutisch längst ausgedeuteten Endzeitfilm eine ganz neue Perspektive abgewinnt. Florentines Inszenierung unterstreicht diese Invertierung: Sein emotional nachhaltigstes Bild findet er nicht in der Darstellung universellen Leids, sondern im Close-up auf Christines Gesicht, als diese der Ermordung ihres Mannes beiwohnen muss. So wundert es auch kaum, dass sich COLD HARVEST gegenüber anderen Filmen des Regisseurs eher ruhig ausnimmt. Es gibt ein paar kurze, aber dafür brillant gefilmte Martial-Arts-Fights, die meines Erachtens belegen, dass Florentine der derzeit beste Actionregisseur auf diese Planeten ist: Selbst einfache und für sich genommen unspektakuläre Bewegungen erhalten durch seine Inszenierung eine ungemeine Power, weil er einfach weiß, wo er die Kamera zu platzieren hat, wann er zu schneiden hat, wie er seine Sets ausleuchten muss und wann ein hübscher Soundeffekt angebracht ist. Da kann man als Actionfan nur davorsitzen und staunen. Gegen Ende nimmt COLD HARVEST dann fast eine Wendung zum Märchenfilm, die vielleicht ein bisschen zu viel des Guten ist, aber eigentlich nur konsequent, schließlich lässt sich Florentines ganzes Oeuvre als Suche nach dem jeweils klarsten, unmissverständlichsten Bild verstehen. Wenn der Bösewicht – Bryan Genesse in einer grandiosen Darstellung als pompous bastard Little Ray, der ein bisschen wie ein Hugh Jackman des B-Films rüberkommt – am Schluss tot ist, Christine und mit ihr – wahrscheinlich – auch die Menschheit gerettet ist, dann ist es nach dieser Logik des klarsten Bildes nur folgerichtig, dass auch die Sonne wieder aufgeht. Man mag das kitschig finden. Ich finde es wunderbar.

Kommentare
  1. […] dem eher kleinen und insgesamt etwas ruhigeren COLD HARVEST kommt mit SPECIAL FORCES nun die Actionbreitseite aus dem Hause Florentine: In knapp 95 Minuten […]

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