i, madman (tibor takács, usa 1988)

Veröffentlicht: November 15, 2010 in Film
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Die Schauspielschülerin Virginia (Jenny Wright) verfällt den Schundromanen eines gewissen Malcolm Brand, vor allem dessen „I, Madman“ hat es ihr angetan. Darin schneidet ein verrückter Arzt seinen Opfern Gesichtsteile ab, um sich aus diesen selbst ein neues, schöneres Gesicht zu basteln und so endlich seiner Angebeteten – einer Schauspielerin – zu gefallen. Aus Fiktion wird Realität, als Los Angeles von einer Mordserie erschüttert wird, die der aus dem Buch aufs Haar gleicht, und plötzlich eben jener Arzt in Virginias Wohnung steht …

Warum ich I, MADMAN erst jetzt gesehen habe, ist eigentlich kaum zu erklären: Nicht nur hat er damals überall ausnehmend positive Reaktionen hervorgerufen (und auch Fürsprecher in meinem Freundeskreis gehabt), Takács hatte zuvor mit THE GATE auch einen Film gemacht, den ich in meinen Jugendjahren abgöttisch geliebt habe (und dringend mal wieder sehen muss). Ich hatte I, MADMAN eigentlich immer auf dem Schirm, nur geschaut habe ich ihn eben nie. Umso schöner war dann jetzt auch die Erstsichtung, denn nicht nur hat sie all jene positiven Stimmen bestätigt, ich hatte auch das große Vergnügen, eines der Highlights des Achtzigerjahre-Horrors zum ersten Mal sehen zu dürfen. Zunächst mal: I, MADMAN sieht einfach nur fantastisch aus. Takács gelingt es hervorragend, durch das Design der Settings, die Kostüme und die Musik eine Atmosphäre zu erzeugen, die einen geradewegs in das Los Angeles der Hardboiled- und Pulpromane versetzt – obwohl I, MADMAN in der Gegenwart situiert ist. Viele kleine Details der Inszenierung sorgen dafür, dass die Geschichte, die allzu leicht zur akademisch-faden Fingerübung zum Thema Selbstreferenzialität hätte verkommen können, lebendig und plastisch bleibt: Ich liebe es etwa, wie Takács die melancholische Pianomusik, die in der ersten Hälfte des Films zu hören ist, wenn Virginia in ihrer Wohnung sitzt und schmökert, in der Diegese verortet: Ein kurzer Blick von Virginia und ein leichter Kameraschwenk offenbaren, dass sie gegenüber von einem Pianoreparateur arbeitet, der auch in der späten Nacht noch am Klavier sitzt und spielt. Doch natürlich ist auch die Story um den fiktiven Killer, der sich sehr real entpuppt, hoch interessant und originell. Takács hält es lange in der Schwebe, ob Virginia einfach etwas überspannt ist oder ob sie mit ihren Befürchtungen tatsächlich Recht hat, und auch wenn die Endcredits dann laufen, sind längst nicht alle Fragen geklärt: Genauso sollte es schließlich sein bei einem Horrorfilm. I, MADMAN zeichnet sich in seinem Zusammenspiel von Form und Inhalt fast durch eine lyrische Qualität aus, die mich nicht wenig an Lovecraft erinnert hat. Das Grauen ist immer auch tragisch konnotiert und der Wahnsinn lauert manchmal schon an der nächsten Ecke. Die Figur des Malcolm Brand hatte dabei durchaus das Potenzial für mehrere Filme, aber es ist natürlich gut so, dass es bei diesem einen geblieben ist: So kann man seine eigenen Sequels im Kopf ausspinnen. Ich glaube, dass Takács genau so etwas im Sinn hatte: Sein Film ist eine wundervolle Liebeserklärung an Schundromane, B-Movies und Exploitation und an die Menschen, die diesem „Schund“ hoffnungslos verfallen und dazu in der Lage sind, seine Qualitäten zu erkennen, die anderen verborgen bleiben.

Beenden möchte ich an dieser Stelle mit ein paar Worten zur Hauptdarstellerin Jenny Wright, die ich nicht nur unglaublich süß finde, sondern die für die Virginia die Idealbesetzung ist, weil sie mit ihrer natürlichen Fragilität die für die Geschichte so wichtigen Beschützerinstinkte beim Zuschauer auslöst, gleichzeitig aber auch die Faszination fürs Abseitige glaubhaft verkörpern kann. Zuvor hatte sie in Kathryn Bigelows grandiosem NEAR DARK eine Hauptrolle gespielt, seit 1998 muss man sie als „verschollen“ bezeichnen: Es war ihren NEAR DARK-Kollegen nicht gelungen, sie für ein DVD-Featurette ausfindig zu machen. Man soll ja nicht scherzen, aber angesichts von I, MADMAN drängen sich da diverse Spekulationen geradezu auf, die das Thema des Films fortschreiben würden. Ich hoffe, es geht dir gut, Jenny. Hätte gern mehr von dir gesehen.

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