teenage mutant ninja turtles (steve barron, usa 1990)

Veröffentlicht: November 29, 2010 in Film
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New York wird von einer Welle des Verbrechens überrollt, hinter der die Fernsehreporterin April O’Neil (Judith Hoag) das Treiben des japanischen Foot-Clans vermutet. Als die Reporterin dem Anführer dieser Bande, dem bösen Shredder (James Saito), zu nahe kommt, lässt er sie von seinen Schergen überfallen. Zum Glück kommen ihr die vier mutierten Schildkröten Raphael, Michelangelo, Donatello und Leonardo zur Hilfe: Die wurden von der Ratte Splinter (Kevin Clash) in der New Yorker Kanalisation großgezogen und in der Kunst des Ninjitsu unterwiesen. Zusammen mit dem selbst ernannten Vigilanten Casey Jones (Elias Koteas) stellen sie sich dem Foot Clan …

Die Teenage Mutant Ninja Turtles waren in den mittleren bis späten Achtzigerjahren ein relativ erfolgreiches Comicfranchise für Kinder, schafften mit den ach so beliebten „coolen Sprüchen“, catchphrases wie „Cowabunga!“ und einer unstillbaren Pizzavorliebe den Sprung auf Merchandising aller Couleur, in Video- und Computerspiele, ins Fernsehen, in die Spielwarenläden und natürlich auch auf die Kinoleinwände, auf denen es insgesamt drei Filme zu sehen gab, bevor die Filmreihe 1993 zunächst eingestellt und 2007 relativ erfolglos reanimiert wurde. 1990 war ich der Zielgruppe für einen Film mit sprücheklopfenden Kampfschildkröten schon entwachsen, und so ging der neue Trend an mir vorbei, obwohl ich für solch albernem Quark eigentlich damals schon ein Faible hatte. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass ich überaus euphorisch zugegriffen habe, als mir die DVDs der ersten drei Kinofilme in Amsterdam günstig in die Hände fielen. Nachgeholte Kindheit hat ja was für sich und wäre ich mit 14 von meinen Klassenkameraden für einen Kinobesuch wohl ausgelacht und stigmatisiert worden, verleiht mir der Besitz der DVDs heute eine Aura glanzvoller Exzentrik. Na gut, wahrscheinlicher ist es, dass man mich als kaufsüchtigen Nerd bezeichnet. Egal, denn TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES ist gar nicht mal so schlecht.

Regisseur Steve Barron, der sich mit dem berühmten A-ha-Video zu „Take on me“ für Comicadaptionen empfahl und ein paar Jahre später noch den liebenswerten THE CONEHEADS nachlegte, schafft es nämlich ganz gut, die alberne und ja auch reichlich egale Story zugunsten der Betonung der visuellen Seite des Films in den Hintergrund zu schieben: Was vom ersten TURTLES-Film in Erinnerung bleibt, das sind die herrlich verwitterten, zwischen Comic-Verklärung und Authentizität oszillierenden New-York-Kulissen, die detailreiche Kanalisationswelt, die tollen Puppen aus der Werkstatt Jim Hensons – allen voran Splinter, der tatsächlich Erinnerungen an selige THE DARK CRYSTAL-Tage weckt -, die herrliche, mit altmodischer Stop-Motion-Animation realisierte Rückblende, die die Origin Story der Turtles erzählt,  und die von den kiloschwer beladenen Schauspielern ausgezeichnet umgesetzten Kampfchoreografien, die belegen, dass das Golden-Harvest-Siegel, das zu Beginn erstrahlt, nicht bloß müder Promogag ist. Was man dem Film hingegen vorwerfen muss – und diesen Schwachpunkt teilt er lustigerweise mit „echten“ Ninjafilmen und ihren gleichförmigen Maskenmännern – ist, dass die vier amphibischen Protagonisten keinerlei Identifikationspotenzial aufweisen, weil man sie einfach nicht auseinanderhalten kann. Ihre Persönlichkeit erschöpft sich in Charakterzügen, die wohl nur begeisterte Sechsjährige herausfiltern und dann dem entsprechenden Namen zuweisen können, und verschiedenfarbigen Augenbinden. TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES hinkt deswegen gewaltig, wenn er zur Ruhe kommt und sich von der Action ab- und den vier Helden zuwendet. Dass Barron ihnen zwei menschliche Partner zur Seite stellte, spricht Bände. Andererseits könnte man im Sinne des Films argumentieren, dass sich gerade in dieser Identitätslosigkeit das „Teenage“ des Titels entbirgt, das man gern überliest. Michelangelo, Donatello, Raphael und Leonardo sind eben noch keine fertigen Charaktere, sie üben erst noch.

Will man sich nicht damit abfinden, dass TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES nicht mehr als 90 Minuten harmlosen Eskapismus liefert, kann man Barrons Film relativ fruchtbar als Kinderversion von Burtons BATMAN betrachten: Dem düstergothischen Gotham City, das von wahnsinnigen Verbrechern und traurigen Rächern bevölkert wird, setzt Barron ein lebhaftes Manhattan entgegen, das trotz seines Trubels fast dörflichen Charakter hat, der Schurke auf eine ihm hörige Kinderarmee, die großen Spaß daran hat, auf offener Straße Fernseher zu klauen und im Geheimsversteck nach Herzenslust zu skaten oder an Spielautomaten zu zocken (unter ihnen befindet sich ein junger Sam Rockwell) und die Turtles auf ihren kaum zu bändigen Esprit und das Vorrecht der Jugend, laut, aufmüpfig und frech zu sein. Die Verbrecherhatz ist für sie ein großer Spaß, auch wenn der im Laufe des Films dadurch getrübt wird, dass der arme Splinter den Bösen in die Hände fällt. Da müssen die vorlauten Teenager dann doch mal Verantwortung übernehmen.

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