teenage mutant ninja turtles 3 (stuart gillard, usa 1993)

Veröffentlicht: Dezember 1, 2010 in Film
Schlagwörter:, , , , , , , ,

Eines von April O’Neils (Paige Turco) Mitbringseln für die Turtles entpuppt sich als magisches Zepter, das einen oder mehrere Personen in feudale Japan bugsiert und dafür mehrere Japaner in die Gegenwart holt. Das erste Opfer des Zepters ist April selbst und die Turtles reisen ihr kurzerhand hinterher, um sie zurückzuholen. Im alten Japan angekommen geraten die Kampfschildkröten in einen tobenden Konflikt – und verlieren das Zepter, das ihnen wieder die Rückreise ermöglichen soll …

Alles, was ich vorurteilsbeladen schon über die ersten beiden TURTLES-Filme gedacht hatte, bevor sie mich dann eines etwas Besseren belehrten, verkörpert dieser dritte Teil, der den letzten Nagel im Sarg eines schon maroden Franchises bedeutete. Plastik regiert und anstatt die recht gelungenen Bemühungen der beiden Vorgänger fortzusetzen, die ein geschlossenes Turtles-Universum kreierten, in dem die Figuren dann ihre Abenteuer erlebten, hat man sich stattdessen dafür entschieden, eine zwar spektakuläre und mit vielen Schauwerten garnierte Geschichte um die Comichelden herumzustrecken, die aber leider vollkommen austauschbar und darüber hinaus so involvierend wie nasse Pappe ist. Man hat etwas den Eindruck, dass eine 20-minütige Cartoonepisode auf Gedeih und Verderb auf Spielfilmlänge gestreckt wurde, doch was im Kleinformat vielleicht angenehme Kurzweil (für Kinder) geboten hätte, ufert so zur langweiligen Materialschlacht aus, deren letzten 30 Minuten ich mir nur noch aus missverstandenem Pflichtbewusstsein heraus angeschaut habe. Der Aufwand, der für Kostüme und Bauten betrieben wurde, ärgert umso mehr, als TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES 3 trotz solcher Schmankerl visuell nie über das Niveau eines DTV-Filmchens oder, schlimmer noch, eines Fernsehfilms hinauskommt. Alles ist immer schön hell ausgeleuchtet, damit man alles gut erkennen kann, und jeder Anflug von Stimmung wird im Keim erstickt. Das Drehbuch passt sich dem an und hakt ein abgedroschenes Klischee nach dem anderen ab, um bloß niemanden aus dem Schlaf zu reißen, oder erfindet sinnlose Mysterien, ohne sich dann um deren Auflösung zu scheren. Beispielhaft dafür ist etwa die Entscheidung, Elias Koteas nicht nur eine Rückkehr als Casey Jones zu ermöglichen – wohl um eine Anbindung an den populären ersten Teil zu schaffen und so für die Kontinuität zu sorgen, die man sonst im dritten Teil schmerzlich vermisst -, sondern ihm auch noch eine zweite Rolle angedeihen zu lassen, die nicht nachvollziehbar ist, weil die äußerliche Verwandtschaft der beiden Figuren inhaltlich gar nicht motiviert wird. Aber selbst, wenn man mit weitestmöglich nach unten korrigierten Erwatungen an den Film herangeht und einfach nur bunten Comicfiguren zuschauen will, wird man enttäuscht: Mit Splinter wird die schönste und interessanteste Figur des Turtle-Franchises zu einem sprechenden (und äußerst zerzaust aussehenden) Kopf degradiert, der Erinnerungen an die deutsche Sesamstrassen-Tiffy weckt, die ja auch stets unterleibslos hinter einem Tresen stand. Wo die mutierte Ninja-Ratte in den ersten beiden Filmen eine archaische Würde und Anmut ausstrahlte und den Vergleich mit den berühmtesten Schöpfungen Jim Hensons nicht zu scheuen brauchte, ist sie hier zum sinn- und charakterlosen Stichwortgeber verkommen, der nur noch da ist, damit man eine zugehörige Actionfigur verhökern konnte. Und die Turtles-Kostüme sind zwar detailreicher und insgesamt beweglicher als zuvor, doch sehen sie so schmerzhaft nach Plastik aus, dass der durch diese Verbesserungen angepeilte „Realismus“ sich gleich wieder ad absurdum führt. Es spricht Bände, dass der Auftritt eines Vanilla Ice, der im zweiten Teil noch seinen „Turtles Rap“ (Refrain: „Go, Ninja! Go, Ninja, go!“) samt dazugehöriger Choreografie vortragen durfte, in diesem Film tatsächlich einen Höhepunkt bedeutet hätte. So läuft unter den Anfangscredits ein Song von ZZ Top, deren Retro-Bluesrock anno 1993 ähnlich maschinell und seelenlos klang, wie dieser Film aussieht. Nuff said.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.