death race 2000 (paul bartel, usa 1975)

Veröffentlicht: Dezember 6, 2010 in Film
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Im Jahr 2000 ist die größte Unterhaltung in den faschistischen USA ein Autorennen von Küste zu Küste, bei dem die Teilnehmer Punkte erzielen, indem sie innocent bystanders über den Haufen fahren. Frankenstein (David Carradine) ist der unangefochtene Champion und deshalb Ziel einer Widerstandsorganisation, die den Präsidenten (Sandy McCallum) umbringen und so das System stürzen will. Annie Smith (Simone Griffeth), ein Mitglied dieser Widerständler, wird als Frankensteins Navigator ins Rennen gemogelt und soll so bei der Vervollkommnung des Plans helfen. Doch Frankenstein kommt ihr während des Rennens auf die Schliche …  

Die xte Sichtung nach einigen Jahren der Abstinenz hat es wieder einmal bestätigt: DEATH RACE 2000 thront auf seinem Platz ganz weit oben im Olymp des Exploitationfilms, ist immens kurzweilig, enorm witzig, ziemlich böse und trotz seines nun doch schon recht hohen Alters immer noch erstaunlich zeitgemäß. In seiner überdrehten Medienkritik und der Strategie, immer wieder die Übertragungen und Berichterstattungen des Fernsehens ins Geschehen zu integrieren (wunderbar das dauergrinsende, haarsträubende Oneliner zum Besten gebende Moderatorenteam Don Steele – ein echter Radio-DJ – und Joyce Jameson), erkennt man in Paul Bartels Film einen frühenVorläufer von Verhoeven, dem es in ROBOCOP und STARSHIP TROOPERS außerdem ähnlich gut gelingt, Anspruch und Trash zu vereinen. Die Bildkompositionen von Tak Fujimoto und die im pseudofuturistischen Stil der Siebziger gehaltenen Settings fordern Vergleiche mit (national)sozialistischer Kunst und Architektur heraus, unterfüttern Bartels Gesellschaftskritik und verleihen dem Film zudem eine passende kalte Stimmung, die einen schönen Kontrast zur haarsträubenden Geschichte bildet. Schöne Drehbucheinfälle wie jener, dass die Mächtigen des Landes versuchen, die Sabotageakte den Franzosen in die Schuhe zu schieben, runden einen sowieso schon sehr detailreichen und -verliebten Film perfekt ab. Diese eher nüchterne Aufzählung positiver Eigenschaften ließe sich fortsetzen, geht aber am Kern der Sache komplett vorbei, weil DEATH RACE 2000 eigentlich enthusiastisches Abfeiern und ungebremste Begeisterung bei mir erzeugt, ich nicht das tolle Konzept loben will, sondern viel lieber die vielen kleinen Ideen, aus denen sich dieses Konzept zusammensetzt. Wenn Bartels Film läuft, werde ich zum großen Kind, dass sich an den herrlichen Mottos der Rennfahrer und den wunderbaren Autodesigns erfreut, während der Erwachsenen in mir die dreisten Dialogperlen beklatscht. Es ist diese Mischung aus ungebremster, aber im vollen Bewusstsein inszenierter Infantilie – schon über die Tatsache, dass der Held des Films „Frankenstein“ heißt, könnte ich ins Schwärmen geraten – und intellektueller Satire, die DEATH RACE 2000 so liebenswert und einzigartig macht. Gewalt, Splatter, Sex, Humor, Action, schnelle Autos, beknackte Kostüme, schöne Frauen, kernige Typen und handverlesene Geschmacklosigkeiten: DEATH RACE 2000 hat alles. Noch nie waren „blöde“ Kalauer zudem schöner und sinnhafter als hier: Großartig etwa, dass unter der Maske des entstellten Frankenstein einfach nur David Carradine zum Vorschein kommt. Und ich liebeliebeliebe den Handgranaten-Gag kurz vor Schluss, der nach nicht eben höhepunktarmen 70 Minuten ein dreifaches Ausrufezeichen markiert. Ein für mich absolut perfekter Film, den ich nicht genug bejubeln kann, weshalb ich meine kleine Lobeshymne hier auch beende, in dem Wissen, dass ich an dieser Stelle eh vor Bekehrten predigen und die armen Seelen, die dieses Wunderwerk noch nicht kennen, auch nicht mehr retten kann. (Auch wenn es jetzt endlich auch eine angemessen brillante DVD des Films gibt, die auf jeden Einkaufszettel gehört.)

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