teeth (mitchell lichtenstein, usa 2007)

Veröffentlicht: Dezember 15, 2010 in Film
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Die Teenagerin Dawn O’Keefe (Jess Weixler) ist überzeugte Jungfrau: Sie engagiert sich sogar in der Organisation „The Promise“, die Jugendliche davon überzeugen möchte, sich für den/die Richtige/n aufzusparen, sich dem allgemeinen Sexzwang zu entziehen. Als sie bei einer Sitzung von „The Promise“ Tobey kennenlernt, ist es mit ihrer Enthaltung jedoch geschehen. Doch als wäre diese „Verunreinigung“ nicht schon genug für Dawn, endet der erste Sex auch noch überaus blutig: Das Mädchen besitzt nämlich eine reichlich wehrhafte Vagina, eine sprichwörtliche vagina dentata, die in der Folge allzu aggressive Männer ihrer Mannhaftigkeit beraubt …

TEETH beginnt dem Titel entsprechend als bissige Satire auf den gegenwärtigen  US-amerikanischen konservativen backlash wie er sich in Kreationismusdebatten, Pro-Life-Kundgebungen und den ganz normal wahnsinnigen Auswüchsen spießbürgerlicher Bigotterie niederschlägt und ist dabei – genregemäß – zwar nicht besonders subtil, aber durchaus treffsicher. Dawn hat von Tuten und Blasen zwar keine Ahnung, ist aber trotzdem nicht um gute Ratschläge verlegen, ihre Sexualität wird von ihr genauso geleugnet wie das qualmende Atomkraftwerk, das malerisch hinter ihrem Elternhaus emporragt. Doch die schön zurechtgelegte Lebensphilosophie gerät arg ins Wanken, als es im Unterleib zu kribbeln beginnt. Plötzlich taugen all die schönen Überzeugungen nichts mehr, erweisen sie sich als nicht mit der Realität vereinbar. Und dass Dawn dann auch noch geradezu als Vollstreckerin eines göttlichen Willens entpuppt, an dessen Existenz sie doch eben selbst zu zweifeln beginnt, ist bittere Ironie des Schicksals. Als Trägerin der mythischen vagina dentata hat sich der von Angst geprägte und männlich dominierte sexuelle Diskurs in ihr buchstäblich manifestiert.

In TEETH wird eigentlich alles von Sex bestimmt: Die Jungs auf Dawns Schule denken natürlich an nichts anderes und legen in Ermangelung entsprechender Erfahrungen ein beinahe raubtierhaftes Gehabe an den Tag, Dawns Halbbruder kommt aus dem Bett hingegen gar nicht mehr raus, als Dawn mit ihren keuschen Freunden ins Kino will, müssen sie einen Kinderfilm besuchen, weil selbst PG-13-Filme „heavy making out“ beinhalten, und auch die rauchenden Türme des Atomkaftwerks scheinen sexuell konnotiert. Das ist dann auch das größte Problem des Films, der in seiner Sexualisierung von allem und jedem bei gleichzeitiger Vermeidung entsprechender nackter Tatsachen fast genauso spießig anmutet wie jene, die er eigentlich kritisieren will. Dass Regisseur Lichtenstein sich über sein Ziel nicht so recht im Klaren zu sein scheint, wird auch evident, wenn man den Handlungsverlauf betrachtet. Um überhaupt zu einem befriedigenden Ende zu gelangen, wird ein wenig überzeugender Subplot daherkonstruiert, der um die unerfüllte Liebe kreist, die Dawns asozialer Halbbruder Brad (John Hensley) für sie empfindet. Nicht nur bleibt diese Liebe reine Drehbuchbehauptung, die Figur des Brad ist mit Black-Metal-Begeisterung, Tattoos, Kampfhund, devotem Betthäschen und ostentativem Menschenhass zudem so übersteuert, dass sie fast allein den Film zum Kippen bringt. Hätte hier noch einmal der Drehbuchdoktor den Rotstift angesetzt, TEETH hätte noch eine ganze Ecke besser ausfallen können. Allein über die Frage, ob Dawn vielleicht nur deshalb so prüde ist, weil sie unbewusst von ihrer physischen Disposition weiß, ließen sich schließlich ausufernde Diskussionen führen.

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