jocks (steve carver, usa 1986)

Veröffentlicht: Dezember 16, 2010 in Film
Schlagwörter:, , , , , ,

Weil die Sportabteilung der L.A. University unter ihrem Leiter Beetlebom (R. G. Armstrong) seit Jahren keine Erfolge feiern konnte, droht der Rektor White (Christopher Lee) Maßnahmen an. Seine Hoffnungen liegen auf dem Tennisteam, das von Chip Williams (Richard Roundtree) gecoacht wird und trotz disziplinärer Probleme halbwegs erfolgreich ist. Die Meisterschaft soll her, doch die Mitglieder der Mannschaft – u. a.  das launische Wunderkind „The Kid“ (Scott Strader), der überfreundliche Jeff (Perry THE BIG RED ONE Lang) und der furchterregende „Ripper“ (Don BLOODSPORT Gibbs) – haben nur Party im Sinn …

Ich hatte ja zuletzt immer mal wieder einen Teeniefilm auf dem Sichtungsplan und diese Tradition wird in den nächsten Wochen in loser Folge fortgesetzt – dank der „Too Cool For School-Collection“, die zu bescheidenem Preis gleich 12 Teeniefilme der zweiten und dritten Reihe vereint. Ich hoffe allerdings, dass JOCKS nicht allzu repräsentativ für das Niveau ist, denn gemessen an den Erwartungen, die der ansehnliche Cast (neben den genannten sind auch Trinidad COLORS Silva und der spätere Hitkomödien-Regisseur Tom Shadyac mit von der Partie) und die Besetzung des Regiestuhls mit Steve Carver, der immerhin für solche kompetent gefertigten Knaller wie BIG BAD MAMA, AN EYE FOR AN EYE oder LONE WOLF MC QUADE verantwortlich zeichnet, schürt, ist JOCKS eine herbe Enttäuschung, selbst wenn man berücksichtigt, dass man an einen solchen Film eh mit entsprechend justierter Erwartungshaltung herangeht.

JOCKS ist unglaublich schlampig gescriptet, was umso mehr übrrascht, als er von vornherein als reines Epigonenkino angelegt ist und von zahlreichen gelungenen Vorbildern hätte abkupfern können, um halbwegs erfolgreich zu sein. Stattdessen ist die banale Geschichte auch noch voller unerklärlicher Plotholes: Wie dieses Chaotenteam erfolgreich sein kann, bleibt ein Rätsel, zumal so ja auch die Chance für die typische und immer beliebte Loser-reißen-sich-zusammen-und-gewinnen-Dramaturgie verschenkt wird zugunsten einer nur wenig reizvollen Mittelmäßig-Begabte-haben-eigentlich-keinen-Bock-entschließen-sich-dann-aber-doch-sich-anzustrengen-Geschichte. Und dass der verantwortliche Beetlebom lieber verliert, als dass er ein erfolgreiches Tennisteam unterstützt, wird auch durch seine lapidar behauptete Abneigung gegen den Tennissport nicht gerade befriedigend begründet. So laviert sich JOCKS von einer rätselhaften Fehlentscheidung zur nächsten, vergeigt viel Zeit für unwichtiges Zeug und versagt in den Momenten, in denen er punkten könnte, wie etwa dem entscheidenden Match am Ende, das völlig spannungsarm ist, geradezu kläglich. Was Carver, der mit Sicherheit kein brillanter Erzähler, aber doch ein routinierter Handwerker ist, hier geritten hat, ist mir unerklärlich.

Dass ich JOCKS nicht als totale Scheiße bezeichne, liegt lediglich darin begründet, dass ich diese Art Film irgendwie immer ansehbar finde – anspruchslose Unterhaltung eben, bei der man nun wirklich nicht nachdenken muss –, ihn als Achtzigerjahre-Aficionado gerade für seine Mittelmäßigkeit ganz interessant finde (hier sieht man wahrscheinlich tatsächlich am besten, wie es damals war) und es zwei, drei Momente gibt, die andeuten, was hätte sein können: Stoney Jackson hat eine großartige Szene, in der er seinen überlegenen Gegner aus der Fassung bringt, indem er sich ihm als Homosexueller anbietet – man muss das wirklich gesehen haben, um zu verstehen, warum ich es witzig finde; Trinidad Silva ist ebenfall eine Schau als hyperaktiver, ständig Stoßgebete zum Himmel schickender Mexikaner und überhaupt macht JOCKS in der ersten Hälfte viel durch jenen Schwung wett, der ihm danach völlig abgeht. Ich gebe aber zu, dass mein Leben auch ohne diese Meriten kein Stück ärmer wäre.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.